Denkmal in Stuttgart Eine griechische Säule für Loriot

Der letzte Feinschliff: Uli Gsell in seinem Atelier in Kemnat. Foto: Rudel
Der letzte Feinschliff: Uli Gsell in seinem Atelier in Kemnat. Foto: Rudel

Am Dienstag wäre Vicco von Bülow alias Loriot neunzig Jahre alt geworden. Um an ihn zu erinnern, hat der StZ-Kolumnist Gerhard Raff ein Denkmal in Auftrag gegeben, das am 12. November enthüllt wird.

Lokales: Leona Stolterfoht (leo)
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Stuttgart - Uli Gsells Hände sind staubig, rau und stark. Als Bildhauer ist er ein Handwerker unter den Künstlern und ein Künstler unter den Handwerkern. Und genau das gefällt ihm an seinem Beruf: Dass nicht nur sein Kopf gefordert wird, sondern auch Körpereinsatz gefragt ist.

In diesen Tagen nimmt die geistige Arbeit ausnahmsweise ganz pragmatische Züge an. Wie kommt die griechische Säule von seinem Atelier in Ostfildern-Kemnat (Kreis Esslingen) an den Eugensplatz in Stuttgart? Dort erinnert sie an den großen Humoristen Loriot, der als Schüler von 1938 an für einige Jahre in der Haußmannstraße 1 gelebt hat. Am Dienstag wäre er 90 Jahre alt geworden. Diesen Tag hat sich Gerhard Raff ausgesucht, um das Kunstwerk um 11 Uhr zu enthüllen. Denn Raff wiederum, der Schriftsteller und Kolumnist der Stuttgarter Zeitung, hat bei Gsell die Arbeit in Auftrag gegeben. Dem Historiker Raff liegen verstorbene Persönlichkeiten am Herzen.

Vor einem Jahr hat Gsell bereits eine Säule zum hundertsten Geburtstag von Alfons Fügel geschaffen. Der schwäbische Tenor aus Filderstadt-Bonlanden (Kreis Esslingen) stand vor einer großen internationalen Karriere, doch dann hat der Zweite Weltkrieg die Pläne jäh zerstört. Bereits mit 48 Jahren ist Fügel an einem Herzinfarkt gestorben.

Als nächstes ist Thaddäus Troll an der Reihe

Insgesamt hat Raff mehr als hundert Denkmäler initiiert und durch Benefizveranstaltungen und Spendengelder finanziert. Eine der Persönlichkeiten, an die er bald erinnern will, ist Thaddäus Troll, der im kommenden März hundert Jahre alt geworden wäre. Auch hierfür wird wohl Uli Gsell wieder den Auftrag bekommen, den der 46-jährige Künstler gern annehmen wird.

Gsell schätzt die Mischung aus Auftragsarbeiten und eigenen Werken. Er beteiligt sich zudem an Wettbewerben für den öffentlichen Raum – Arbeiten von ihm stehen unter anderem in Heimerdingen, Gruibingen, in der Nähe von Leipzig, aber auch in Polen und Marokko. Er besucht Symposien und unterrichtet Architekturstudenten an der Universität Stuttgart in den Fächern Zeichnen und Modellieren.

Die Arbeit am Stein ist für Gsell immer auch ein Dialog – allerdings nicht nur mit dem Material. Bei der Loriot-Säule bedeutet dies, dass er sich nicht nur mit einem großen Brocken Auerkalk aus Kehlheim an der Donau auseinandersetzt – er beschäftigt sich auch mit der Persönlichkeit, für die das Kunstwerk gedacht ist. Im Fall von Vicco von Bülow war das eine fröhlich gestimmte Beschäftigung. „Wir haben zwar zu Hause kaum Fernsehen geschaut, aber Loriot kennt und mag praktisch jeder“, sagt Gsell, der zuletzt auch eine unbekanntere Seite des Humoristen kennengelernt hat. „Wenn man mit Leuten spricht, die mit Loriot gearbeitet haben, hört man immer wieder, dass er sehr perfektionistisch gewesen ist.“ Das war sicher auch so, als Loriot 1986 zeitweise nach Stuttgart zurückgekehrt ist, um an den Staatstheatern die Oper „Martha“ zu inszenieren, zwei Jahre später folgte der „Freischütz“ für die Ludwigsburger Festspiele.

Die Säule wiegt anderthalb Tonnen

„Bei Loriot hatte man das Gefühl, dass er den Menschen sehr zugewandt war“, sagt Gsells Frau Birgit Rehfeld, die Skulpturen aus Holz macht und sich mit ihrem Mann das Atelier teilt. Wenn es an die Arbeit zu Thaddäus Troll gehen sollte, würde es in dem schönen Atelier am Ortsrand von Kemnat ähnlich fröhlich zugehen. „Den mag ich sehr“, sagt Uli Gsell.

Weil das Gedenken an diese Persönlichkeiten eher klassisch und konservativ ausfallen soll, erschafft Gsell klassische Säulen. Die ionische Säule mit Sockel wiegt anderthalb Tonnen. Weil das nicht allein mit hochgekrempelten Ärmeln und Muskeln zu stemmen ist, muss Gsells kleiner Kran ran, um die logistische Herausforderung zu meistern. Weil er sehr einfallsreich ist, wenn es um den Transport seiner Kunstwerke geht, nennt seine Frau ihn manchmal „der mit dem Stein tanzt“.

Wenn die Säule gut am Eugensplatz angekommen und erfolgreich enthüllt ist, wird Uli Gsell nächsten Sommer ab und zu in der nahen Eisdiele einkehren, um zu Ehren Loriots eine Kugel Eis zu essen.




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