Denkmale in Bad Cannstatt Steine gegen das Vergessen

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Der Künstler Gunter Demnig hat den 99. und den 100.  Stolperstein in Bad Cannstatt verlegt. Sie erinnern an Max und Hedwig Löwenthal.

Auch in der Helfergasse hat der Künstler Gunter Demnig am Dienstag zwei Stolpersteine verlegt. Foto: Maira Schmidt
Auch in der Helfergasse hat der Künstler Gunter Demnig am Dienstag zwei Stolpersteine verlegt. Foto: Maira Schmidt

Bad Cannstatt - Eine 90-jährige Zeitzeugin habe ihn als „einen wunderbaren Mann“ beschrieben, sagt Rainer Redies von der Cannstatter Stolperstein-Initiative. Die Rede ist von Max Löwenthal, einem jüdischen Pferdehändler und Betreiber eines Garagen- und Tankstellenbetriebs, der in Bad Cannstatt lebte, bis er 1942 in das Durchgangslager Izbica deportiert wurde.

Rainer Redies steht vor dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Löwenthal an der Theobald-Kerner-Straße 7. Dort wohnte Max Löwenthal mit seiner Frau Hedwig. Hier wuchs auch die gemeinsame Tochter Marie auf. Im Jahr 1939 wurden die Löwenthals jedoch gezwungen, ihr Zuhause an der Theobald-Kerner-Straße zu verlassen und in das sogenannte Judenhaus an der Martin-Luther-Straße 2 umziehen.

In ganz Stuttgart sind es inzwischen 720 Stolpersteine

Eingelassen in den Asphalt erinnern nun seit Dienstag, 12. November, zwei kleine Messingtafeln an die letzte frei gewählte Wohnstätte der Löwenthals. Es sind der 99. und der 100. Stolperstein, den der Künstler Gunter Demnig in Bad Cannstatt verlegt hat. In ganz Stuttgart sind es inzwischen 720, in Europa 44 000. Die Kleindenkmale auf den Gehwegen sollen an die Menschen erinnern, die zwischen 1933 und 1945 deportiert und später ermordet worden sind: jüdische Mitbürger, aber auch Sinti und Roma, politisch Verfolgte oder Homosexuelle.

Von der Theobald-Kerner-Straße geht es am Dienstag weiter in die Helfergasse. Dort lebten Bernhardine Bauer und Hermann Mayer. Ihre Stolpersteine können jedoch nicht im Asphalt vor ihren tatsächlichen Wohnstätten, den Gebäuden mit den Nummern 10 und 27, eingelassen werden. „Die beiden Häuser gibt es nicht mehr“, erklärt Rainer Redies von der Cannstatter Stolperstein-Initiative. Bei der Festlegung der Gedächtnisstätten habe man sich deshalb an dem Stadtplan von 1898 orientiert.

Der Stolperstein erinnert an Romuald Baur

Dasselbe gilt auch für den fünften Stolperstein, den der Künstler an diesem Tag verlegt. Er befindet sich an der Brunnenstraße zwischen dem Johannes-Kepler-Gymnasium und der Brunnen-Realschule. Wo früher das Haus mit der Nummer 46 stand, gibt es heute nur noch eine Wiese. Der Stolperstein erinnert an den ehemaligen Bewohner Romuald Baur. Er wurde genau wie Bernhardine Bauer und Hermann Mayer aus der Helfergasse im Jahr 1940 in Grafeneck ermordet. In diesem Lager haben die Nationalsozialisten systematisch Menschen mit Behinderung umgebracht.

Zahlreiche Bürger sind am Dienstag bei der Stolpersteinverlegung dabei gewesen. Gemeinsam mit dem Künstler Gunter Demnig und den Initiatoren der Cannstatter Stolperstein-Initiative setzten sie ein Zeichen gegen das Vergessen.

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