Denkmalschutz in Horrheim Einzigartige Klosterruine braucht Frischzellenkur

Die Klosterruine ist ein beliebtes Ausflugsziel. Foto: Werner Kuhnle

Die Klosterruine am Horrheimer Baiselsberg (Kreis Ludwigsburg) gilt als einmalig in ihrer Art. Der Zahn der Zeit hat jedoch an ihr genagt. Die Stadt Vaihingen ist nun am Zug.

Ludwigsburg: Oliver von Schaewen (ole)

Stille umgibt die Mauern, hier draußen auf dem Baiselsberg bei Horrheim. Es ist, als ob der Wald die Ruinen des einstigen Nonnenklosters in einen immerwährenden Dornröschenschlaf versetzt hätte. Der Zahn der Zeit hat jedoch am Mauerwerk genagt. So stark, dass kein Weg mehr an einer Sanierung vorbeiführt, soll das historische Denkmal der Stadt Vaihingen an der Enz erhalten bleiben.

 

Die Ortsvorsteherin will den Verfall stoppen

Den Verfall stoppen will Anita Götz. Die Horrheimer Ortsvorsteherin, die für die SPD im Vaihinger Gemeinderat sitzt, sieht im Klosterberg, nach dem der Wein der 2600-Seelen-Ortschaft benannt wird, ein herausragendes Kulturdenkmal. „Die Anlage ist einzigartig in Baden-Württemberg.“ Mittelalterliche Klosteranlagen fänden sich sonst nur in Städten. Dort seien viele aber im Laufe der Zeit überbaut worden.

Die Schäden am Fundament sind offenbar gravierend. „An einer Stelle im Keller hängen die Mauern frei – sie werden irgendwann in sich zusammenfallen, wenn nichts getan wird“, sagt Anita Götz. Zwar seien Besucher nicht gefährdet, aber die Schäden seien ausgerechnet an den Seiten einer steilen Rampe, die hinunterführt, besonders groß. Der Verwitterung ausgesetzt seien auch Teile einiger Mauern, die nach der Freilegung verfugt wurden, aber inzwischen angegriffen sind. Der Horrheimer Ortschaftsrat beschloss deshalb, die Stadtverwaltung damit zu beauftragen, Maßnahmen gegen den drohenden Verfall einzuleiten.

Die Vaihinger Stadtverwaltung gibt an, sich um das Denkmal zu kümmern

Die Stadt Vaihingen kümmere sich fortwährend um das Denkmal, erklärt eine Pressesprecherin der Stadtverwaltung. An den Mauern sei immer mal wieder gearbeitet worden, versichere die Untere Denkmalschutzbehörde. Es sei keine Gefahr in Verzug, und bereits vor dem Beschluss des Horrheimer Ortschaftsrates habe man speziellen Mörtel bestellt, um Schäden auszubessern.

Die Geschichte des Frauenklosters begann um 1370, erklärt der Tübinger Archäologe Micha Bachteler, der immer wieder Führungen am Baiselsberg veranstaltet. Fromme Damen aus dem gehobenen städtischen Bürgertum gingen ohne feste Ordensbindung in Klausur. „Im späten Mittelalter waren solche mystischen Bewegungen keine Seltenheit.“ Die Frauen beauftragten damals Handwerker mit dem Bau einer kleinen Ansiedlung. Sie bauten Fachwerkhäuser aus Stubensandstein. So entstanden Wohnhäuser, Keller, ein Ofen und eine Backstube mit Wirtschaftsräumen. Die Anlage wurde in den 1970er- bis 1990er-Jahren freigelegt.

Eine alte Steintreppe wurde von Dorfbewohnern abgebaut

Der heute 65-jährige Bachteler war vor rund 50 Jahren selbst an den Ausgrabungen beteiligt. „Die Mauern sind damals von Bauhof-Mitarbeitern sehr gut gemörtelt worden – sie haben bis jetzt auch gehalten.“ Es reiche, schadhafte Stellen immer wieder auszubessern. Der Abgang zum Hauptkeller der Wirtschaftsgebäude habe keine Steintreppe mehr, da die Bewohner der Dörfer sie nach dem Ende des Klosters mitgenommen hätten. „Der Sandstein liegt blank und verwittert schnell.“

Das Aus des Klosters kündigte sich mit der Reformation an. Die protestantischen Württemberger beschlagnahmten 1535 die Einkünfte der Frauen. Deren Not vergrößerte sich durch den Überfall spanischer Soldaten. Das Kloster wurde 1547 aufgelöst. Die Gebäude blieben verlassen stehen und dienten den Dörfern der Umgebung laut Bachteler nur noch als Materialdepot. Im Laufe der Jahre verschwand die Ansiedlung unter dem Waldboden – bis sie freigelegt wurde.

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