Denkmalschutz in Stuttgart-Vaihingen Eine Perspektive für das IBM-Areal

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Der neue Investor Mathias Düsterdick gibt bei einer Podiumsdiskussion am Mittwoch erste Einblicke in seine Pläne. Einen Abriss des denkmalgeschützten Areals schließt er aus.

Seit rund sieben Jahren steht das IBM-Areal in Vaihingen leer. Foto: Zweygarth
Seit rund sieben Jahren steht das IBM-Areal in Vaihingen leer. Foto: Zweygarth

Stuttgart - Mathias Düsterdick, der neue Eigentümer des IBM-Areals in Vaihingen, hat sich am Mittwoch erneut dazu bekannt, den Denkmalschutz auf dem Eiermann-Campus zu respektieren: „Wir haben definitiv keine Abrissplanung im Sinn“, sagte er im Tiefenhörsaal der Universität Stuttgart vor mehreren hundert Zuhörern. Zu der Veranstaltung hatten die Architektenkammer Baden-Württemberg und die fünf Stuttgarter Kammergruppen eingeladen.

Martin Hahn vom Landesamt für Denkmalpflege hörte das gerne: Denn der Campus des Architekten Egon Eiermann sei „bundesweit ein Hauptwerk der Nachkriegsarchitektur, es ist geplant worden von einem der Hauptarchitekten der Epoche, und die Gebäude gehörten einem Hauptunternehmen in Baden-Württemberg.“ Insofern sei die Bedeutung als „absolut top“ einzustufen. Er forderte den Investor Düsterdick auf, die Denkmalschützer von Anfang an bei den Planungen einzubeziehen: Vergrätzt sei man womöglich dann, wenn fertige Konzepte vorgelegt würden, die die Denkmalschützer nur noch abnicken sollten, so Hahn.

Deutlich mehr als 100 Millionen Euro investieren

Mathias Düsterdick hatte mit seiner Hinhaltetaktik bei der Villa Berg im vergangenen Jahr einigen Ärger in Stuttgart ausgelöst – es ist auffällig, dass er nun beim Eiermann-Projekt häufig die Öffentlichkeit sucht, viel erklärt und auch betont, alle in die Entwicklung mit einbeziehen zu wollen. Die Ideen der Stadt seien gut, man bereite gerade eine Bürgerbeteiligung vor, es werde einen Tag der offenen Tür geben, und man plane einen Architektenwettbewerb, zu dem etwa sechs Büros eingeladen werden sollen, sagte der Investor.

Allerdings stehe man noch ganz am Anfang, so Düsterdick, die Entwicklung des fast 20 Hektar großen Geländes werde viele Jahre dauern. Sicher sei bisher nur, dass man keine Monostruktur schaffen wolle, sondern einen lebendigen Stadtteil mit Wohnen und Arbeiten, mit einer Nahversorgung und vielleicht sogar einer Schule. Auch bezahlbarer Wohnraum soll entstehen, so Mathias Düsterdick. Die bisher kolportierte Investitionssumme von 100 Millionen Euro sei deshalb viel zu gering: „Wir werden sicher deutlich mehr investieren.“

Großimmobilien in Linz und Nürnberg im Blick

Das IBM-Areal stand an dem Abend im Mittelpunkt, auch durch Düsterdicks persönlichen Auftritt – grundsätzlich ging es aber darum, wie man mit denkmalgeschützten Großimmobilien verfährt. Chris Müller von der Tabakfabrik Linz (ein Areal mit knapp vier Hektar Fläche direkt an der Donau) präsentierte ein Konzept, das vor allem aus Emotionen besteht: Die Bürger müssten das Gebäude ins Herz schließen, dann werde es auch aufblühen. Die alte Tabakfabrik soll ein Zentrum der Innovation für Architektur und Wirtschaft werden, es dürfe dort keine Denkverbote geben.

Daniel F. Ulrich, der Baubürgermeister von Nürnberg, argumentierte dagegen mit kühlem politischen Sachverstand. Das elf Hektar große Areal des früheren Großversandhauses Quelle gehört ebenfalls einem privaten Investor, aber in einem „langen und anstrengenden Prozess“ habe die Stadt diesem klargemacht, dass es dort keine Shoppingmall geben darf; Einzelhandel sei in Nürnberg genug vorhanden. Das habe der portugiesische Investor mittlerweile akzeptiert. In den nächsten zwei, drei Monaten werde es wohl zu einer Entscheidung über die künftige Nutzung kommen. „Die teilweise sehr harte Haltung der Stadt hat sich gelohnt“, so Ulrich.




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