Denkmalschutz in Stuttgart Wurstküche mit venezianischen Fenstern

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Auf einer Führung mit Herbert Medek haben StZ-Leser das unbekannte alte Stuttgart kennengelernt – und sehen die Stadt jetzt mit anderen Augen.

Herbert Medek  kann fast zu jedem Haus eine Geschichte erzählen. Da hängen die StZ-Leser auch noch nach dreieinhalb Stunden Stadtrundgang an seinen Lippen. Foto: Steinert
Herbert Medek kann fast zu jedem Haus eine Geschichte erzählen. Da hängen die StZ-Leser auch noch nach dreieinhalb Stunden Stadtrundgang an seinen Lippen. Foto: Steinert

Stuttgart - Herbert Medek geht mit anderen Augen durch die Stadt als die meisten Stuttgarter. Denn zu fast jedem Haus kann er eine Geschichte erzählen, von dem Tuchscherer, der das Gebäude einst gebaut hat, oder vom königlichen Kriegsminister, der seine Kinder vom früh verstorbenen Schriftsteller Wilhelm Hauff hat unterrichten lassen. Medek weiß, wie die Straßen früher verlaufen sind und warum in vielen Vierteln des 19. Jahrhunderts immer 60 Zentimeter Abstand zwischen den Häusern ist. Jetzt hat Herbert Medek auf Bitten der Stuttgarter Zeitung 35 Leser auf eine Wanderung durch das gute alte Stuttgart mitgenommen: Anlässlich der StZ-Serie zum Denkmalschutz in Stuttgart zeigte Medek den Teilnehmern jene weniger bekannten geschützten Häuser aus der Zeit vor 1800.

Gleich dreifach ist Herbert Medek für eine solche Führung prädestiniert. Erstens geht er schon seit Langem regelmäßig mit Gruppen durch die Stadt und besitzt deshalb ein profundes Wissen zur Stadt- und Baugeschichte Stuttgarts. Zweitens vermag er seine Erzählungen so lebendig und mit so viel Witz zu gestalten, dass die Zuhörer auch am Ende der durchaus beschwerlichen dreieinhalb Stunden dauernden Wanderung noch an seinen Lippen hängen. Und drittens leitet Medek im eigentlichen Beruf jene Abteilung im Stadtplanungsamt, zu der auch die Untere Denkmalbehörde gehört.

Der Stadt sind bei Privathäusern die Hände gebunden

Kein Wunder also, dass Medek zu Beginn eine Lanze brach für die mitunter nicht unumstrittene Haltung seiner Behörde. So könne die Stadt nicht einfach jedem privaten Besitzer eines denkmalgeschützten Hauses vorschreiben, was dieser zu tun habe – Eigentum sei ein geschützter Wert, und erst wenn ein Haus in seinem Bestand bedroht sei, könne die Stadt Vorgaben machen. Dem Einwand, dann müsse die Stadt eben solche bedrohten Häuser kaufen und selbst sanieren, stimmte Medek im Grundsatz zu, sagte aber: „Dann müsste die Stadt ziemlich viele Häuser kaufen.“

Im Übrigen sei der heutige Zeitgeist, das Alte zu bewahren, noch nicht lange vorherrschend – der frühere Fortschrittsglaube habe mehr noch als die Kriegsschäden dazu geführt, dass viele Häuser abgerissen worden seien: „Ende des 19. Jahrhunderts war alles, was alt war, nichts wert“, so Medek. Er selbst sieht das Mischmasch an Stilen in einer Straße, aber als Merkmal einer sich entwickelnden und damit lebendigen Stadt an – in der Calwer Straße beispielsweise stehen denkmalgeschützte Gebäude aus vier Jahrhunderten einträchtig nebeneinander: „Ein einheitliches Stadtbild wie in Kirchheim unter Teck ist doch langweilig“, meinte Medek.

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