Um den Anlieferverkehr auf der Deponie in Winnenden zu entlasten, ist im Herbst eigens eine Spur für Baustellenfahrzeuge eingerichtet worden. Foto: Frank Rodenhausen
Auf der Deponie Eichholz wird ein alter Baumbestand plattgemacht – doch nicht aus Profitgier. Was steckt hinter der Maßnahme? Die Antwort führt tief in den Untergrund.
Ein alter Obstbaumbestand im Norden der Deponie Eichholz wird in diesen Tagen gefällt. Die Fläche sei längst aus der Nutzung genommen, die Bäume trügen seit Jahren keine Früchte mehr, versichert die Abfallwirtschaftsgesellschaft des Kreises (AWRM) – und dennoch bleibt der Eingriff sichtbar. Doch hinter der Rodung steht ein klar umrissener Zweck: Der Bereich muss für die weitere technische Abdichtung der ehemaligen Restmülldeponie freigemacht werden.
Die AWRM weist darauf hin, dass es sich dabei um eine gesetzlich vorgeschriebene Maßnahme handele. Die Rodung schaffe Platz für Maschinen, die nicht nur eine mehrschichtige Abdichtung der Oberfläche herstellen, sondern auch bestehende Sickerwasserleitungen instandsetzen sollen. Das Ziel: Regenwasser soll künftig nicht mehr in die Deponie einsickern, sondern kontrolliert abgeleitet werden. Auch der Ausstoß klimaschädlicher Gase lässt sich so reduzieren.
Stabilisierung der Deponie Eichholz schreitet voran
Die Maßnahme ist Teil eines langfristig angelegten Programms zur Stabilisierung und Nachsorge des größten Deponiestandorts im Rems-Murr-Kreis. Die Deponie Eichholz, die 2005 für die Hausmüllanlieferung geschlossen wurde, war in den Jahren danach zunächst in sich abgesackt und ist inzwischen weitgehend stabil. Nun folgt die bautechnische Sicherung der Oberfläche – einschließlich begleitender Infrastrukturarbeiten.
Dazu gehört auch die bereits Ende 2025 erstellte separate Zufahrt von der Südumgehungsstraße, die den Baustellenverkehr vom Anlieferverkehr trennt und so den laufenden Betrieb entlastet. Die AWRM sichert zu, dass die Annahme von Wertstoffen und Abfällen auch während der Bauzeit uneingeschränkt möglich bleibt.
Ökologisches Gesamtkonzept schützt Artenvielfalt auf Deponie
Die Rodung erfolge nicht isoliert, sondern sei eingebettet in ein ökologisches Gesamtkonzept, so die AWRM. Schon im Vorfeld der Arbeiten habe man auf dem Gelände zahlreiche Ausgleichsflächen geschaffen – unter anderem für geschützte Vogelarten wie Goldammer und Dorngrasmücke sowie für Zauneidechsen, Bergmolche und verschiedene Schmetterlingsarten. Auch Hecken, bepflanzte Flächen, Nistkästen und ein kleiner Teich wurden angelegt.
Die Zauneidechse ist schon umgesiedelt. Foto: dpa
Diese Maßnahmen wurden laut AWRM in enger Abstimmung mit der ökologischen Baubegleitung entwickelt und sollen dauerhaft erhalten bleiben. Für die wegfallenden forstlichen Bestände seien an anderer Stelle Aufforstungen vorgesehen, die in Zusammenarbeit mit den zuständigen Forst- und Naturschutzbehörden geplant würden.
Deponie Eichholz wird zum innovativen Lernort für Klimaschutz
Mit dem aktuellen Schritt geht die Deponie Eichholz in die nächste Phase ihrer Umgestaltung. Die technische Abdichtung bildet dabei die Grundlage für weitere Entwicklungen: ein neues Entsorgungszentrum, digitale Erfassungssysteme, ein Gebrauchtwaren-Kaufhaus und neue Energieprojekte wie Photovoltaikanlagen oder Grüngutverwertung.
Langfristig soll das Gelände nicht nur funktional umgenutzt, sondern auch als Lernort für Recycling, Klimaschutz und Ressourcenschonung erschlossen werden.