In der Vorweihnachtszeit ist es verlockend, Grünschnitt von Deponien wie der in Bonlanden zum Basteln nach Hause mitzunehmen. Das jedoch ist nicht erlaubt.
Es ist derart frostig an diesem Freitagmorgen, dass der Dampf, der vom Grünschnitthaufen auf der Deponie Eichholz am Rand von Bonlanden aufsteigt, weithin zu sehen ist. Während ein Mitarbeiter der Stadt massig Gehölzschnitt vom Kleinlaster ablädt, streift eine Frau um den gut fünf Meter hohen Haufen, zieht immer wieder Zweige heraus und steckt den einen oder anderen dann in ihre mitgebrachten Taschen. „Tatsächlich will ich damit basteln“, sagt die Bonländerin. Sie blickt Maik Scholz, den Stationsleiter, an. Das sei doch okay, wenn sie die Zweige mitnehme, oder? Der Mann im leuchtend orangefarbenen Arbeitsdress muss jedoch abwinken. „Das ist eigentlich nicht erlaubt.“
Advent, Advent, wer hat hier Zweige entwend’? Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit zieht es viele Menschen zu den Kompostierungsanlagen im Landkreis, um sich mit Reisig, Tannenzweigen und anderen Naturmaterialien einzudecken. Einer von ihnen ist Jürgen Lenz aus Bonlanden. Alle Jahre wieder fährt er im Winter zum Grünschnittsammelplatz auf dem Recyclinghof im Gebiet Gutenhalde und holt dort ein paar Äste, damit seine Frau Kränze herstellen kann. „Ich habe mir immer Zweige geholt und war in munterer Gesellschaft“, sagt er. In diesem Jahr aber ist Jürgen Lenz erstmals mit leeren Händen heimgekehrt. Er erzählt, wie er Gespräche zwischen Bürgern und einem Beschäftigten des Abfallwirtschaftbetriebs (AWB) des Landkreises Esslingen, der die Anlage betreibt, verfolgt habe. „Er untersagte diesen Personen die Mitnahme von Grünschnitt. Würden sie es dennoch tun, so wäre dies Diebstahl“, berichtet er. Und weiter: „Ich finde es etwas skurril.“
Ist es wirklich untersagt mitzunehmen, was andere weggeworfen haben? „Ja“, sagt Till Deininger der AWB-Sprecher. Er spricht jedoch nicht von Diebstahlvereitelung, sondern von Schutzmaßnahmen. „Unser Augenmerk liegt auf der Sicherheit der Besucher, die durch Sammeltätigkeiten im Abladebereich gefährdet ist“, betont er und hebt die Verletzungsgefahr hervor. „Gerade beim Grünschnitt ist zu bestimmten Zeiten besonders viel los“, sagt er. Viele Autos, oft mit Anhängern, seien auf dem Gelände unterwegs. Hier gelte es, Risiken zu minimieren, und zusätzliche Personen in dem Bereich machten es dem Team vor Ort schwer, die Situation zu überblicken. Maik Scholz muss ihm zustimmen.
Vor allem am Freitagnachmittag und samstags sei in Bonlanden, auf der größten Grünschnittkompostierungsanlage des Landkreises, viel los. Vor dem Grünschnitthaufen sei dann alles zugeparkt. Maik Scholz schaut zu dem riesigen Berg und schüttelt den Kopf. Manche Leute seien sehr unvernünftig, „die krabbeln da hoch“, andere störten ihm beim Zusammenschieben mit dem Radlader. Deswegen müsse man gerade im Advent, wenn viele Menschen auf die Suche nach Reisig gingen, genauer hinschauen. Nicht immer stoße man aber auf Verständnis.
Till Deininger betont, dass die Mitnahme von Weggeworfenem auf allen Deponien landauf, landab verboten sei – egal ob Sperrmüll oder Elektroschrott. Rein juristisch sei es zudem so, „dass der AWB verpflichtet ist, alle Abfälle, die ihm zur Verfügung gestellt werden, auch fachgerecht zu entsorgen, und die Einwohnerschaft hat die Verpflichtung, sie zur Verfügung zu stellen“. Es handle sich um ein geschlossenes System, in dem nicht vorgesehen sei, etwas nach Gutdünken zu entnehmen. Ausnahmen bildeten die Verschenk-Container an den Entsorgungsstationen Katzenbühl in Esslingen und Stetten. Und ja, in Bonlanden gibt es noch eine Sache, die man mitnehmen darf: Kompost.