Damit der Baustellenverkehr nicht stört, bekommt die Deponie Eichholz in Winnenden jetzt eine eigene Spur. Doch das ist nur der Anfang eines viel größeren Umbaus.
Der Umbau der Deponie Eichholz in Winnenden (Rems-Murr-Kreis) nimmt konkretere Formen an: In diesen Tagen will die Abfallwirtschaft Rems-Murr (AWRM) mit vorbereitenden Baumaßnahmen beginnen. Noch in diesem Jahr soll eine neue Zufahrt von der Südumgehungsstraße geschaffen werden – eigens für den Baustellenverkehr. Die eigentliche Abdichtung der Deponie soll dann im Frühjahr 2026 beginnen.
Wie die AWRM mitteilt, bleibt die Annahme von Abfällen und Wertstoffen während der Bauzeit uneingeschränkt möglich. Die zusätzliche Spur soll dafür sorgen, dass Anlieferungen nicht vom Baustellenbetrieb behindert werden. Das Ziel ist es, Rückstaus und Verkehrsbelastungen dauerhaft zu vermeiden.
Größte Deponie im Rems-Murr-Kreis: Stabilisierung abgeschlossen
Die Deponie Eichholz ist mit über 20 Hektar die größte ehemalige Hausmülldeponie im Rems-Murr-Kreis. Jahrzehntelang wurde hier der Müll der Region eingelagert – bis 2005 Schluss war. Seitdem hat sich der Deponiekörper laut Angaben der AWRM gesetzt und stabilisiert.
Jetzt beginnt der finale Schritt: eine mehrschichtige Oberflächenabdichtung nach aktuellem Stand der Technik. Sie soll verhindern, dass Regenwasser in den Müllkörper einsickert und dort Sickerwasser entsteht – eine Gefahr für das Grundwasser. Gleichzeitig wird das Entweichen klimaschädlicher Deponiegase minimiert.
Neues Entsorgungszentrum: Komfortabler Besuch dank Digitalisierung
Parallel zur Abdichtung soll auf dem Gelände ein völlig neues Entsorgungszentrum entstehen. Es wird im südwestlichen Bereich der Deponie gebaut – dort, wo bisher Rückstaus bis zur Südumgehung keine Seltenheit waren. Mit digitaler Erfassung, getrennten Einfahrten für gebührenfreie und kostenpflichtige Anlieferungen und einem überdachten Annahmebereich soll der Besuch künftig deutlich komfortabler werden.
Wie Landrat Richard Sigel betont, geht es dabei auch um eine höhere Sammelquote: „Je einfacher und angenehmer wir die Abgabe machen, desto eher bringen die Menschen ihre Wertstoffe.“ Der Dienstleistungsgedanke trifft auf Umweltziel.
Gebrauchtwaren-Kaufhaus: Ein Zeichen gegen Wegwerfmentalität
Ein zentrales Element des neuen Zentrums wird ein Kaufhaus für gebrauchte Gegenstände sein – direkt am Eingang gelegen. Funktionstüchtige Haushaltswaren, Spielzeug oder Elektrogeräte sollen hier eine zweite Chance bekommen. Damit will der Kreis ein sichtbares Zeichen gegen die Wegwerfmentalität und für die Kreislaufwirtschaft setzen.
Wer das Kaufhaus betreiben wird, ist noch offen – laut dem Landratsamt gibt es aber bereits Interessenten. Klar ist: Das Gebrauchtwarenhaus ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern soll auch sozial wirken.
Energie aus Müll: Photovoltaik und Deponiegas im Einsatz
Mit dem Umbau soll das Areal nicht nur versiegelt, sondern auch energetisch aufgewertet werden. Bereits heute wird das Deponiegas zur Energiegewinnung genutzt. Zusätzlich geplant: Photovoltaikanlagen auf den Dächern des Zentrums mit 800 Kilowatt Leistung sowie möglicherweise eine Freiflächenanlage mit bis zu vier Megawatt-Peak.
Ob diese großflächige PV-Nutzung aus naturschutzrechtlicher Sicht möglich ist, wird noch geprüft. Eine Option zur Nutzung wäre die Erzeugung von Wasserstoff – dazu laufen Gespräche mit den Stadtwerken Winnenden.
Auch das bisher an externe Verwerter verkaufte Grüngut – jährlich rund 30.000 Tonnen – könnte künftig vor Ort genutzt werden, etwa zur Produktion von Brennstoffen oder für die Einspeisung von Abwärme in Nahwärmenetze. Eine denkbare Abnehmerin: die nahegelegene Rems-Murr-Klinik.
Lernort für Recycling und Klimaschutz
Das neue Entsorgungszentrum soll nicht nur Müll annehmen, sondern auch Wissen vermitteln. Geplant ist eine Infrastruktur für Schulklassen – mit Angeboten rund um Recycling, Müllvermeidung, Klimaschutz und erneuerbare Energien.
Damit könnte der Standort Eichholz zu einem Lernort für Kinder, Jugendliche und Erwachsene werden. Die AWRM will hier langfristig einen Beitrag zur Bewusstseinsbildung leisten.Noch liegt der Berg ruhig unter Erde und Gras, doch die Veränderungen sind spürbar. Was heute nach Baustelle aussieht, soll künftig ein Modellprojekt werden – für Kreislaufwirtschaft, Klimaschutz und bürgernahe Entsorgung.
Wann das neue Zentrum tatsächlich in Betrieb gehen wird, ist offen. Die ursprünglich angepeilte Fertigstellung bis Ende 2026 erscheint zwar sportlich. Aber der Weg ist eingeschlagen – und er führt klar in Richtung Zukunft.