Depot-Eröffnung Die ersten Schritte zu mehr Rendite

Der Bulle steht  für steigende, der Bär für fallende Kurse. Wer bei der  Aktienanlage einige Grundregeln beherzigt, muss das Auf und Ab   nicht fürchten. Foto: Ilona Trimbacher
Der Bulle steht für steigende, der Bär für fallende Kurse. Wer bei der Aktienanlage einige Grundregeln beherzigt, muss das Auf und Ab nicht fürchten. Foto: Ilona Trimbacher

Wer mit seinem Geld Erträge oberhalb der Inflationsrate erzielen will, kommt an Aktien oder Fonds nicht mehr vorbei. Was bei der Depot-Eröffnung zu beachten ist.

Korrespondenten: Barbara Schäder (bsa)
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Frankfurt - Um Aktien, Anleihen oder Fondsanteile zu kaufen, braucht man ein Wertpapierdepot. Welches am günstigsten ist, kommt auf den Anlegertyp an: Wer einfach monatlich in einen Fondssparplan einzahlt, muss andere Faktoren beachten als Menschen, die viel handeln. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wo kann ich ein Depot eröffnen?

Banken bieten diesen Service sowohl in ihren Filialen als auch online an. Auch bei einigen Fondsgesellschaften kann ein Depot eröffnet werden.

Daneben gibt es zahlreiche Online-Broker, das sind Finanzdienstleister, die keine klassischen Konten führen, aber eben Depots – und genau wie Banken für ihre Kunden Wertpapiere kaufen und verkaufen. Die neueste Broker-Generation bietet diesen Service vornehmlich via Smartphone-App an, diese Anbieter werden deshalb auch als Smartphone-Broker bezeichnet.

Online oder offline?

Bei Online-Depots ist der Kauf und Verkauf von Wertpapieren meistens nur im Internet möglich. Bei klassischen Depots können Kauf- und Verkaufsaufträge (Orders) dagegen auch telefonisch erteilt werden. Auf Wunsch ist zudem eine persönliche Beratung möglich. Dafür sind die Gebühren meist höher als bei einem Online-Depot.

Mit welchen Gebühren muss ich rechnen?

Einige Anbieter berechnen eine jährliche Grundgebühr, das Depotentgelt. Bei anderen fallen Gebühren nur dann an, wenn tatsächlich gehandelt wird, der Depotinhaber also Wertpapiere erwirbt oder verkauft (Ordergebühren). Einige Smartphone-Broker verzichten sogar ganz auf Gebühren. Der Verdacht, dass ihre Kunden dafür bei den Preisen für die Wertpapiere selbst draufzahlen, lässt sich laut einer Untersuchung der Stiftung Warentest nicht generell bestätigen. Nachteile seien aber bei Geschäften am frühen Morgen oder abends möglich, wie auch beim Handel mit umsatzschwachen Aktien, heißt es in dem Bericht „Smartphone-Broker im Test“ vom 13. Juli.

Wie finde ich das beste Angebot?

Das hängt von der Anlagestrategie ab. Wer viel handelt, für den sind niedrige Ordergebühren wichtiger als eine etwaige Grundgebühr. Wer dagegen Aktien oder Fonds jahrelang einfach im Depot liegen lässt, für den fallen die Ordergebühren weniger ins Gewicht. Für Sparpläne, die monatlich ausgeführt werden, gibt es teilweise Sonderkonditionen. Vor der Entscheidung für ein bestimmtes Depotmodell sollten Anleger außerdem prüfen, ob der gewünschte Investmentfonds oder Sparplan beim fraglichen Anbieter überhaupt zu haben ist. Oft ist das über die Website des Depot-Anbieters möglich. Alternativ bietet zum Beispiel die Website Justetf.com die Möglichkeit, bei der Auswahl eines geeigneten ETF (das sind besonders günstige Investmentfonds) unter den Suchkriterien auch Depotbank beziehungsweise Broker einzugeben.

Aber wie entscheide ich mich für eine Anlagestrategie?

Börsen-Cracks werden widersprechen, andere werden es mit Erleichterung aufnehmen: Eine eigene Anlagestrategie zu entwickeln ist nicht notwendig. Finanzwissenschaftliche Studien zeigen, dass Privatanleger langfristig mit einer breiten Streuung ihrer Gelder besser fahren als mit dem Versuch, besonders vielversprechende Aktien herauszupicken.

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Zunächst einmal sollten sie neben Aktien auch weniger riskante Investments halten – dafür genügt ein Tagesgeld- oder Festgeldkonto. Ferner sollte das in Aktien investierte Geld auf Anteilsscheine von Unternehmen aus verschiedenen Branchen und Ländern verteilt werden. Der einfachste Weg dahin ist der Kauf von Aktienfonds. Verbraucherschützer empfehlen eine besondere Variante, die börsengehandelten Indexfonds (ETFs). Sie zeichnen die Wertentwicklung von Börsen-Indizes nach. Weil dafür kein Fondsmanager nötig ist, sind die Gebühren für ETFs niedriger als für aktiv gemanagte Investmentfonds.

Bringen aktiv gemanagte Investmentfonds nicht Vorteile?

Natürlich kommt es ständig vor, dass Fondsmanager durch geschickte Auswahl einzelner Aktien den Vergleichsindex schlagen. Online-Vergleichsportale wie biallo.de zeigen, welche Investmentfonds innerhalb ihrer Kategorie in den vergangenen fünf Jahren am besten abgeschnitten haben. „Das Problem ist, dass sich kaum unterscheiden lässt, ob die vergangene Performance wirklich auf Können oder auf Zufall beruht“, sagt Sebastian Müller, Professor für Kapitalmarktforschung an der Technischen Universität München. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zeigen aber, dass kaum ein Fondsmanager dauerhaft besser ist als der Markt.

Wie sieht es in Krisenzeiten aus?

Da ETFs einfach nur der Wertentwicklung von Aktien-Indizes folgen, machen sie auch jeden Kursrutsch ungebremst mit. Aktive Fondsmanager haben dagegen zumindest die Möglichkeit, gegenzusteuern. Untersuchungen zu ihren Leistungen in Krisenzeiten kommen jedoch zu einem durchwachsenen Ergebnis. „Aktive Fondsmanager können zwar mit der Auswahl bestimmter Aktien punkten. Aber auch sie können vorab nicht wissen, wie der Markt sich insgesamt entwickeln wird“, sagt Müller.

Wie finde ich nun den richtigen Aktienfonds?

Ob aktiv gemanagter Investmentfonds oder ETF – es gibt zig Varianten. Eine besonders breite Risikostreuung bieten aber Fonds, die sich an einem sogenannten Welt-Index orientieren. Beispiele sind die Indizes der MSCI-World-Familie oder der FTSE All World. Der MSCI World umfasst – entgegen seinem Namen – ausschließlich Aktien aus Industriestaaten, beim breiter gefassten MSCI ACWI sind auch Unternehmen aus Schwellenländern vertreten. Letzteres gilt auch für den FTSE All World; beide Indizes decken rund 50 Länder ab.

Was, wenn ich nachhaltig oder in eine bestimmte Branche investieren will?

Zahlreiche Aktienindizes und die dazugehörigen ETFs gibt es auch in einer nachhaltigen Variante. Noch größer ist das Angebot an aktiv gemanagten Nachhaltigkeitsfonds. Ersten Untersuchungen zufolge schneiden diese Produkte im Mittel mindestens genauso gut ab wie konventionelle Fonds. Klar ist aber: Der erwünschte Selektionsprozess, der mit der Anwendung von Nachhaltigkeitskriterien einhergeht, reduziert die Risikostreuung. Wer sehr strenge Maßstäbe einlegt, geht daher auch ein höheres Risiko ein.

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Dies gilt erst recht beim Kauf von ETFs und anderen Investmentfonds, die auf bestimmte Branchen oder Themen ausgerichtet sind. Noch riskanter ist es, ausschließlich auf Einzelaktien einiger weniger Unternehmen zu setzen. „Wenn jemand Spaß daran hat, in Einzelaktien zu investieren, ist das in Ordnung. Nur muss man dann halt wissen, dass der Einsatz großteils verloren sein kann, ähnlich wie bei anderen Wetten auch“, sagt dazu Andreas Oehler, Professor für Finanzwirtschaft an der Universität Bamberg.

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