In Weil der Stadt wurde die neue Fasnetsaison eingeleitet – mit einem neuen Zunftmeister an der Spitze. Der ist am 11.11. auf dem Marktplatz gleich in die Bütt gegangen.
Sophia Herzog
11.11.2025 - 16:30 Uhr
Auf die Weiler Narren kann man sich verlassen: Als die Uhr am 11. November 11.11 Uhr schlägt, setzt sich der kleine Umzug in Richtung Marktplatz in Bewegung. Vorne läutet der Büttel die Glocke, der Herold trägt das Zunftwappen, es folgen AHA Ballett und Narrenkapelle. Und – natürlich – der Siebenerrat, dessen Mitglieder die Menge auch an diesem 11.11. ordentlich anheizen.
Alles beim Alten also? Weit gefehlt: Auch traditionstreue Narren müssen hier und da mit Veränderung leben. Denn zum Mikrofon greift, als der Umzug vor dem Rathaus Halt macht, nicht mehr der langjährige Zunftmeister Daniel Kadasch. Nach 17 Jahren im Amt hat er kürzlich das Zepter weitergegeben. Die Fasneteröffnung 2025 bringt damit nicht nur das übliche närrische Treiben mit sich, sondern auch eine Doppelpremiere für den neuen Zunftmeister Tobias Forstenhäusler und seinen Vize Daniel Hörner.
Für den neuen Mann an der Spitze des Siebenerrats ist diese Fasneteröffnung also auch eine kleine Feuertaufe. Ein Unbekannter in der Narrenzunft ist Tobias Forstenhäusler aber nicht. „Ich bin eigentlich von Geburt an mit dabei gewesen“, sagt er. Denn er stammt quasi aus einer Narrendynastie: Die Mutter war bei den Schlehengeistern, der Onkel Michael Borger lange Jahre Vereinsvorsitzender, der Großvater Otto Borger einst Wagenbauchef. „Mit fünf Jahren war ich das erste Mal im Wagenbau dabei“, erinnert sich Forstenhäusler.
Gut zehn Jahre lang war der 33-Jährige bereits im Ausschuss der Narrenzunft, er ist obendrein im Vorstand des Fanfarenzugs. Seit rund einem Jahr ist er stellvertretender Zunftmeister gewesen, bis er vor Kurzem Daniel Kadasch abgelöst hat. „Es war schon ein langer Weg, bis ich mich bereit erklärt habe, das zu machen“, sagt er jetzt. „Ich habe mich da eigentlich nie gesehen.“
Neue Zunftmeister für Narrenzunft aus Weil der Stadt
Zufrieden ist er, bei aller Bescheidenheit, im neuen Job trotzdem – und freut sich außerdem auf die Zusammenarbeit mit seinem neuen Vize Daniel Hörner. Der sagt: „Wir sind aus dem gleichen Holz geschnitzt und tragen den gleichen Fasnetgedanken in uns.“ Auch Hörner, 29 Jahre alt, stammt aus einer Fasnetfamilie, denn schon sein Vater war einst Chef der Schelme. Einen Job, den Hörner später ebenso übernommen hat – und so bereits im Siebenerrat landete.
Daniel Hörner (links) und Tobias Forstenhäusler wurden an die Spitze des Siebenerrats gewählt. Foto: Geronimo Schmidt
Ganz neu auf dem Siebenerratswagen, mit dem die Chefs des Fasnet traditionell auf den Marktplatz rollen, sind also beide nicht – und sie wissen auch, wie schön es dort oben sein kann. „Das ist ein tolles Gefühl, wenn man so oberhalb der Menschenmenge steht und die Begeisterung in den Gesichtern sieht“, sagt Forstenhäusler. „Es gibt wahrscheinlich keinen Siebenerrat, der da noch kein Foto gemacht hat“, scherzt er.
Beim 11.11. in Weil der Stadt haben die Narren die besseren Lösungen parat
Die beiden folgen auf Daniel Kadasch, der die Narrenzunft 17 Jahre lange geprägt hat – eine „verdammt lange Zeit“, weiß auch sein Nachfolger. „Wir treten in ganz große und tiefe Fußstapfen“, sagt Forstenhäusler. Bekannt war Kadasch unter anderem für seine humorvollen und spitzen Büttenreden rund um die Fasnet. Und das in Reimform – für Tobias Forstenhäusler ist das aber kein Problem. Die Rede für den 11.11. war schon seit ein paar Wochen fertig, verrät er. „Wichtig ist, dass das Thema da ist, dann ist es einfach“, sagt der 33-Jährige. „Und: Kein ChatGPT!“
Besser hätte es die Künstliche Intelligenz auch nicht texten können, das beweisen die Narren bei der Fasneteröffnung allemal. Vor den versammelten Narren auf dem Marktplatz präsentiert Forstenhäusler eine billigere und effizientere Lösung für die zahlreichen Bauprojekte, welche die Stadt so vor der Brust hat. „Als AHA-Bauunternehmer sind wir heut’ gekommen, und haben für die Stadt die Leitung aller Bauprojekte übernommen“, so der neue Zunftmeister. „Unbestechlich und günstig obendrein, so muss des in dem Business nadierlich sei!“
Die Narren können es besser: Während der Fasnet bekommt die Stadt ihr Fett weg
Einen Spatenstich nach dem anderen vollziehen die Narren an diesem 11.11. also, direkt auf dem Marktplatz – für den neuen Baumarkt etwa oder das Schulzentrum an der Jahnstraße. Weil die bereits ausgehobene Baufläche für den neuen Bauhof in Merklingen unter viel Niederschlag gerade mit Regenwasser vollgelaufen ist, hat der Siebenerrat selbstredend eine Pumpe dabei. Mit dem Ärztehaus im einstigen Hotel Krone Post dauert es indes noch – zur Überbrückung verteilen die Narren Smarties als „runde süße Pillen“.
Spatenbier gibt’s statt Spatenstich, wenn es um das Alte Rathaus direkt am Marktplatz geht. Foto: Simon Granville
Und dann wäre da noch die millionenschwere Sanierung des Alten Rathauses für Wohnraum und Gastronomie: „Spatenstich kaum umsetzbar? Wir sagen: aber sicher, aber klar“, so Forstenhäusler. „Aufgrund der Gastro machen wir, statt Spatenstich, halt Spatenbier.“ Aufs Stichwort stoßen die Siebenerräte mit Dosenbier an, und die Menge grölt.
Hexe ist aus der Kiste: Die Fastnet in Weil der Stadt ist eröffnet
Zuallerletzt steht dann noch der wichtigste Punkt auf der To-do-Liste an: „Fasneteröffnung heißt das Projekt, und das hat sich hier in dem Kistele versteckt“, ruft Forstenhäusler. Die kleine Hexe, in diesem Jahr ist es die sechsjährige Lina, steigt, wie die Tradition es vorschreibt, aus der Holzkiste, und dann ist die Fasnet auch schon eröffnet.
Der neue Zunftmeister hat es ebenso geschafft. „Wenn man hier oben steht, ist es auf einmal schon ein komisches Gefühl“, resümiert Forstenhäusler. „Natürlich bin ich happy, es ist gut gelaufen.“