Seine beiden Reisen führten ihn über den Fluss Gambia an den Lauf des Niger, dessen Quellen er nie erreichen sollte. Auf seiner zweiten Expedition starb der britische Afrikaforscher Mungo Park im Jahr 1806 in Nigeria.
Vom Niger, mit einer Länge von rund 4200 Kilometern Afrikas drittgrößtem Strom, hatten schon die antiken Gelehrten gehört. So berichtete der römische Naturforscher Plinius vor fast 2000 Jahren von der Existenz des fernen „Nigir“.
Der Strom wird sein Schicksal
Näheres aber weiß gegen Ende des 18. Jahrhunderts niemand zu sagen. Bis der junge Schotte Mungo Park vor 230 Jahren als Außenseiter mit der Erforschung des Flusses beginnt. Am 21. Juli 1795 bricht er im Mündungsgebiet des Gambia in Westafrika zu seiner abenteuerlichen Reise auf, gerade mal knapp 24 Jahre alt. Der Strom sollte sein Schicksal werden.
Mungo Park stammte aus einer Ortschaft bei Selkirk in Schottland, wo er am 10. September 1771 zur Welt kam. Er studierte in Edinburgh Medizin und arbeitete als Hilfsarzt in London, auf Sumatra und auf Schiffen. Er dachte wohl kaum an eine Zukunft als Afrikaforscher, obwohl damals zahlreiche seiner Zeitgenossen trotz aller Risiken in den unbekannten Erdteil südlich der Sahara vorstoßen wollten.
Der „schwarze Kontinent“ interessiert bestimmte Gruppen in den europäischen Hauptstädten. Man kennt die Berichte von Sklavenhändlern über die enormen Bodenschätze im unzugänglichen, noch nicht erforschten Landesinneren.
Erste Expedition zu den Quellen des Niger
In London gibt es die 1778 von Sir Joseph Banks gegründete British African Association, die sich besonders auf die Erforschung des Nigers konzentriert. Zwei von ihr finanzierte Expeditionen waren bereits gescheitert. So erhält Mungo Park den einem Himmelfahrtskommando gleichenden Auftrag.
Von der Gambia-Mündung reist der abenteuerlustige Schotte bis zum rund 320 Kilometer stromaufwärts liegenden britischen Handelsposten Pisania. Von da aus dringt er dann auf völlig unbekanntes Gebiet vor, um den Niger zu erreichen.
Unterwegs erkrankt er an Fieber und wird schließlich von einem arabischen Stammesfürsten vier Monate gefangengehalten. Nach seiner Flucht macht er sich weiter auf den Weg, immer tiefer in die Wildnis Afrikas hinein. Seine Ausrüstung besteht nur aus wenig mehr als einem Pferd und Kompass.
Vorzeitiger Abbruch der Abenteuerreise
Im Juli 1796 kommt er nach Segou im heutigen Mali und folgt dem Niger mehr als 100 Kilometer flussabwärts bis Silla. Dort muss er aufgeben. Seine Mittel sind erschöpft, sein Pferd ist verendet. Zu Fuß schlägt er sich durch, zurück in Richtung der europäischen Handelsposten unweit der Küste. Ein neuer Fieberschub zwingt Mungo Park wochenlang aufs Krankenlager.
Ein Sklavenhändler bringt ihn schließlich im Juni 1797, fast zwei Jahre nach dem Beginn der Expedition, wieder nach Pisania. Zurück in England schreibt er seine Abenteuer nieder („Travels in the Interior Districts of Africa“). Das Reisebuch macht ihn populär.
Verschollen auf der zweiten Expedition
Mungo Park heiratet und lässt sich als Arzt in Großbritannien nieder. Dann tritt die britische Regierung an ihn heran und beauftragt ihn mit der Leitung einer neuen Niger-Expedition. An der Spitze von rund 40 Europäern verlässt er im Jahr 1805 den Handelsposten Pisania.
Am 19. August desselben Jahres erreicht er Bamako, heute die Hauptstadt Malis. Nur elf Mitglieder seiner Gruppe haben überlebt, drei Teilnehmer inzwischen aufgegeben. Mit Booten setzt die kleine Gruppe der Verbliebenen am 19. November 1805 die Reise flussabwärts fort. Sie wollen bis zur Mündung des Niger fahren.
Nach diesem Zwischenstopp verliert sich die Spur von Mungo Park. Händler tragen Gerüchte vom Scheitern der Expedition in die Faktoreien der Europäer. Erst 1812 verdichten sich die Informationen. Danach war die Gruppe auf dem Fluss bis zu den Stromschnellen von Bussa im heutigen Nigeria gekommen.
Der Schotte hatte den wesentlichen Teil des Nigers erkundet, ohne jedoch darüber berichten zu können. Irgendwann im Januar 1806 haben ihn Einheimische dann umgebracht. Er soll zuletzt ganz allein versucht haben, doch noch ins Nigerdelta vorzustoßen.
Auch neue Expeditionen zur Erkundung des Nigers bleiben jahrelang erfolglos. Erst 1830 gelingt es den Briten Richard und John Lander mit massiver Unterstützung der Regierung in London den Verlauf des Stromes festzustellen, der in den Bergen von Guinea entspringt und nach einem 4200 Kilometer langen Bogen mit einem 36.000 Quadratkilometer großen Delta in den Atlantik mündet.
Bedeutende Forschungsarbeit leistet auch der deutsche Afrikareisende Heinrich Barth, der von 1850 bis 1855 die Spuren der großen Sudanreiche im Inneren Afrikas sucht und entlang des Stromes bis zur legendären Stadt Timbuktu kommt.