Nach dem knappen Wahlsieg des ANC wartet auf Südafrikas Präsident Ramaphosa eine schwere Aufgabe.

Johannesburg - Südafrika und die ganze Welt können aufatmen: Präsident Cyril Ramaphosa ist mit einem blauen Auge davongekommen. Zwar musste der Chef des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) mit gut 57 Prozent das bislang schlechteste Wahlergebnis seiner Partei hinnehmen: Doch zum Machtverlust der auf den Hund gekommenen Befreiungsbewegung Nelson Mandelas ist es nicht gekommen. Dabei hatte Ramaphosa seinen Landsleuten einen riskanten Vertrauensvorschuss abverlangt: Würden sie ihm bei den Wahlen ihre Stimme geben, versprach er, werde er sich nach den Wahlen um die Säuberung seiner Partei kümmern. Eine komfortable Mehrheit der Südafrikaner hat den Vorschlag angenommen: Ohne Ramaphosa und sein Versprechen wäre der ANC zweifellos unter die 50 Prozenthürde gerutscht. Jetzt liegt es an dem ehemaligen Gewerkschaftsführer, Geschäftsmann und Günstling Nelson Mandelas seinen Teil der Vereinbarung einzuhalten und den ANC von den Raffzähnen, Ganoven und Opportunisten zu befreien, die die Partei in ihren Würgegriff genommen haben.

Das wird dem Integrationspolitiker nicht leichtfallen: Denn ein großer Teil der zerstrittenen Organisation wird von der Seilschaft des vor einem Jahr gefeuerten Präsidenten Jacob Zuma beherrscht. Seine „Comrades“ werden jeden Trick anwenden, um Ramaphosas Reinigungspläne zunichte zu machen. Schließlich müssen sie damit rechnen, im Gefängnis zu landen. Derzeit sitzen sie noch immer in Schlüsselpositionen der Partei: Wie ANC-Generalsekretär Ace Magashule, der an Raffgier seinem Zaubermeister Zuma in nichts nachstand. Vor der Wahl hat er dafür gesorgt, dass die Liste der ANC-Kandidaten fürs Parlament mit seinen „Comrades“ angefüllt wurde: Aus der eigenen Partei wird Ramaphosa mehr Hass als aus der Opposition entgegenschlagen. Warum der ANC-Präsident die Machenschaften seines Generalsekretärs nicht verhindert hat? Nur eine der vielen Fragen, der sich der Wahlsieger ausgesetzt sieht. Warum hat er als Vizepräsident dem Treiben Zumas jahrelang tatenlos zugeschaut? Und warum hat er nicht schon vor den Wahlen mit der Säuberung des ANC begonnen?

Zerfällt die Partei, verliert der ANC sein Machtmonopol

Seine Antwort: Er muss die Einheit der tief zerstrittenen Partei im Auge behalten. Zerfällt sie, verliert der ANC sein Machtmonopol: Dann würden die populistischen Economic Freedom Fighter (EFF) mit ihren Forderungen nach Verstaatlichung und Enteignung noch mehr Einfluss gewinnen – mit verheerenden Folgen für das angeschlagene Land. Ramaphosa muss bei seiner Säuberung also vorsichtig vorgehen. Dass der ANC überhaupt reformierbar und für einen Neuanfang nicht viel zu verdorben ist, diesen Beweis muss Ramaphosa erbringen. Denn dafür ist eine Neuausrichtung der Partei nötig: Aus der Interessensgemeinschaft der Blutsauger muss wieder eine Bewegung zum Wohl des Volkes werden. Anders ausgedrückt: der ANC muss zu den Werten Nelson Mandelas zurückfinden – nur so kann das Kap seine Gute Hoffnung wiedergewinnen.

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