Der Außenminister in Südafrika Kühler Empfang für Steinmeier

Auf der Weltbühne ist Steinmeier zuhause – in Südafrika interessiert das nicht. Foto: AP
Auf der Weltbühne ist Steinmeier zuhause – in Südafrika interessiert das nicht. Foto: AP

Zwischen all einen Terminen jettete Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier auch nach Südafrika. Ziel: die Vertiefung der Beziehungen. Doch am Kap orientiert man sich anders. Das bekam der deutsche Gast zu spüren.

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Deutschland und Südafrika verbinde ein herzliches Verhältnis, wurde während des zweitägigen Besuchs von Außenminister Frank-Walter Steinmeier am Kap der Guten Hoffnung mehrmals betont.   Damit war die Herzlichkeit allerdings schon aufgebraucht. Bereits vor dem Besuch hatten die Deutschen Mühe, einen Termin bei Präsident Jacob Zuma zu ergattern. Erst in letzter Minute erklärte sich der Staatschef zu einer Audienz bereit. Empfangen wurde Steinmeier nur vom südafrikanischen Botschafter in Berlin, und zum Wirtschaftsdialog in Johannesburg sagte der Premierminister der Gauteng-Provinz in letzter Minute wieder ab. Dem Konvoi des deutschen Außenministers wurde nur ein sirenenloses Polizeifahrzeug vorangestellt, was außer symbolischen auch logistischen Schaden anrichtete: Immer wieder blieb die Kolonne im Verkehrschaos stecken. Schließlich ließ sich beim Empfang in der Residenz des deutschen Botschafters in Pretoria keine einzige der regierenden ANC-Größen sehen.

  Diplomaten spielen die Brüskierungen als protokollarische Fußnoten herunter – doch die kalte Schulter Pretorias geht über bloße Protokollfragen hinaus. Die rund 600 in Südafrika etablierten deutschen Unternehmen klagen derzeit bitter über neue Visumbestimmungen, die ihnen die Rekrutierung qualifizierter Mitarbeiter aus dem Ausland unmöglich machen, sowie über die Kündigung des bilateralen Investitionsschutzabkommens, das vor allem kleinen und mittelständischen Betrieben ein Engagement am Kap erleichtert. Zwar hat Pretoria Abhilfe versprochen, lässt aber Details offen.

  Pikant ist Südafrikas kühle Haltung vor allem, weil die deutsche Regierung gerade ihr Herz für Afrika entdeckt hat. In Berlin verweist man auf einen Paradigmenwechsel in der Außenpolitik: Endlich soll der wirtschaftlich aufstrebende Kontinent im Süden ernster genommen werden. Doch obwohl Deutschland nach China und den USA der drittwichtigste Handelspartner Südafrikas ist, hält sich die Liebe zum Land der Limousinen in engen Grenzen. Der regierende ANC starrt in Richtung Osten. Nach China sind dem Schwellenstaat höchstens noch die drei weiteren Partner des Wirtschaftspaktes Bric wichtig: Indien, Brasilien und Russland.




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