Der Beruf des Lehrers Was können wir von Lehrern lernen?

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Ob als Mentor, Widersacher oder Spottfigur – an manche Lehrer erinnern wir uns ein Leben lang, ihr Einfluss ist gewaltig. Doch der Beruf ist in der Krise. Was können Lehrer heute noch vermitteln?

Täglich von mehr als zwanzig Augenpaaren wahlweise erwartungsvoll angeschaut oder erfolgreich ignoriert zu werden, muss doch wahnsinnig anstrengend sein. Foto: Mihail/StockAdobe
Täglich von mehr als zwanzig Augenpaaren wahlweise erwartungsvoll angeschaut oder erfolgreich ignoriert zu werden, muss doch wahnsinnig anstrengend sein. Foto: Mihail/StockAdobe

Stuttgart - Herrn G., dem Chemielehrer mit Halbglatze, wuchs rechts und links des Kopfes wirres Haar, die Wangen glänzten rosarot. Sein gedrungener Körper steckte im weißen Kittel, der schien ihm angeboren, nicht angezogen. Statt beim Periodensystem bekam er von der Kochkunst weiche Knie, alles „eine zutiefst chemische Sache, liebe Schüler“. Der Lehrer N. wiederum strampelte den steilen Berg zur Schule mit dem Fahrrad hoch, zum Schutz der Umwelt, und erreichte das Gymnasium schwer verschwitzt mit an den Schläfen klebendem Silberhaar. Im Ethikunterricht erzählte er von Sisyphus, und von da an konnte ich mir Sisyphus nur noch als den Lehrer N. auf seinem Fahrrad vorstellen.