Der Bildhauer Fritz von Graevenitz Schwierige Doktorarbeit

Von Dietrich Heißenbüttel 

Historikerin:
Julia Müller wurde 1968 in Stuttgart geboren. Sie studierte Kunstgeschichte, Denkmalpflege und Volkskunde an den Universitäten Bamberg und Tübingen, 2012 promovierte sie in Kunstwissenschaft an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Sie arbeitet seit 1994 in der Kulturvermittlung in deutscher, englischer und spanischer Sprache in verschiedenen Museen und Städten, seit 2002 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung Fritz von Graevenitz.

Promotion: Für die Arbeit konnte Julia Müller vollkommen frei im Nachlass der Familie von Graevenitz recherchieren. In anderen Archiven hatte sie immer wieder das Gefühl, als seien die Dokumente nicht vollständig. „Mitläufer und Machthaber wussten bei Kriegsende durchaus, welche Dokumente sie vernichten mussten“, sagt Julia Müller. Aber auch, wenn die Aktenlage eindeutig war, wurde ihr nicht selten mit einstweiligen Verfügungen gedroht, wenn sie Nachfahren von Weggefährten Graevenitzens damit konfrontierte, dass deren Vorfahren eben vom NS-Regime nicht zu den „entarteten Künstlern“ gezählt wurden, sondern sie im Gegenteil dem Regime nahe waren. In einem Fall wurde sogar ihr Doktorvater beschimpft.

Skulpturen:
Das Werk Fritz von Graevenitz’ ist in Stuttgart vielerorts zu sehen. Besonders bekannt sind der liegende Löwe im Schlossgarten (Muschelkalk 1923/25), der Erbsenbrunnen in der Cannstatter Marktstraße (Bronze 1929) oder die Pferde im Höhenpark auf dem Killesberg (Bronze 1937 und Travertin 1936).

Museum
: Zum Ensemble von Schloss Solitude gehören die Häuser an der Hauptallee, dort wohnte die Familie von Graevenitz seit 1906. Fritz von Graevenitz arbeitete bis zu seinem Tod 1959 dort. Im Jahr 1971 gründete seine Frau Jutta im Erdgeschoss des Hauses 24 ein Museum; es ist sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet.

Aktuell: Im Rahmen der Kulturwoche des Palliativ-Netzes Stuttgart finden am Freitag, 18. Oktober, um 11 Uhr und um 13 Uhr kostenlose Führungen im Museum und auf dem Friedhof der Solitude statt. Unter dem Motto „Der Tod gehört zum Leben“ wird Julia Müller mit dem Trauerbegleiter Folkmar Schiek aufzeigen, wie Leben und Tod sich im Werk eines bildenden Künstlers manifestieren.

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