Der Club Soroptimist in Stuttgart wird 50: Beste Schwestern finden sich weltweit

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Die Förderung von Frauen weltweit hat sich der Service-Club Soroptimist auf die Fahne geschrieben. Gefördert werden auch Projekte in Stuttgart und die Mitglieder sind auf keiner Reise einsam.

Esther Biedenkopf und Birgit Borowski leiten den älteren Stuttgarter Frauen-Club, der sich gegen Benachteiligung wendet. Foto:  
Esther Biedenkopf und Birgit Borowski leiten den älteren Stuttgarter Frauen-Club, der sich gegen Benachteiligung wendet. Foto:  

Stuttgart - Optimistisch sind sie durchaus, aber der Clubnamen „Soroptimist“ bedeutet wörtlich „beste Schwestern“ aus dem Lateinischen Sorores Optimae. Und das gilt weltweit. „Ich war früher beruflich viel auf der ganzen Welt unterwegs und da war es schon schön, wenn ich in einem kleinen Ort in Australien ein Plakat der dortigen Soroptimist fand und wusste, dass ich dahin gehen kann“, erzählt Birgit Borowski. Die Chefin der Bildredaktion der Baedecker-Reiseführer ist derzeit Präsidentin des älteren der beiden Stuttgarter Clubs. Er feiert am 13. Juli sein 50-jähriges Bestehen: ein halbes Jahrhundert Aktivitäten für die Gleichberechtigung als Teil der international größten Serviceorganisation berufstätiger Frauen – darauf ist der Club stolz.

Das Catering bringt Spendengelder

Unterstützt werden benachteiligte Frauen am eigenen Wohnort und über den Bundesverband auch internationale Projekte. Dafür liefern die Aktivistinnen beispielsweise das Catering bei verschiedenen Veranstaltungen. „Für ein Wasser-Projekt auf Haiti haben wir so einmal 15.000 Euro gesammelt“, rechnet Esther Biedenkopf, die Vizepräsidentin vor. Von Beruf ist sie Druckingenieurin und kam über ihre Schwiegermutter zu Soroptimist: „Als das zweite meiner drei Kinder unterwegs war, empfahlt sie mir, bei Soroptimist einzusteigen und bei unseren Umzügen hat mir das immer geholfen. In jeder Stadt kannte ich so sofort schon einmal rund 30 Frauen.“

Soziale Projekte vor Ort werden unterstützt

Ihr Stuttgarter Club hat derzeit 34 Mitglieder und die ambulante Frauenhilfe für obdachlose Frauen wird seit vielen Jahren von ihm unterstützt. In der Weihnachtszeit gibt Soroptimist ein Geldgeschenk in Höhe von etwa 3000 Euro, damit sich die Frauen kleine Sonderwünsche erfüllen können. Darüber hinaus wird jedes Jahr ein zusätzliches, neues Projekt gewählt, das einmalig gefördert wird: Darunter waren der Schlupfwinkel, in dem obdachlose Mädchen unterkommen und die Kinderhelden, ein Mentorenprogramm für Migrantenkinder. Dieses Jahr unterstützen sie das Theaterprojekt „Labyrinth“ in dem junge Flüchtlinge Theater spielen. Wie die Kinderhelden ist auch dies kein rein weibliches Projekt. Aber wenn es um Kinder und Jugendliche geht, sind die Kriterien großzügiger.

Darüber hinaus fließen Gelder der Stuttgarter Clubfrauen in internationale Projekte: zum Beispiel für die Initiative Intact, die gegen die Genitalverstümmelung von Mädchen kämpft, und auf Bundesebene gibt es zudem ein Mentorin-Programm, bei dem es im weitesten Sinn um Karriereplanung geht. Die Frauen-Service-Organisation die 1921 gegründet wurde, hat seit langem als Nichtregierungsornganisation (NGO) beratenden Status bei den Vereinten Nationen.

Jede muss ein Amt übernehmen

Dennoch haben die Soroptimist überall Nachwuchsprobleme: In der Gruppe wird darauf geachtet, dass jede Berufsgruppe vertreten ist. Interessentinnen können zu den monatlichen Treffen kommen. Dabei beschäftigen sich die Frauen jedes Mal mit einem ausgewählten Thema, zu dem eine Referentin eingeladen wird: Integration, künstliche Intelligenz, die Frauen bei Goethe oder die Innensicht einer Zimmerei waren Themen der letzten Monate. Jede der Schwestern muss bereit sein, ein Amt zu übernehmen. „Wegducken geht nicht“, betont Esther Biedenkopf. Wer beim Club einsteigen will, muss einstimmig gewählt werden. „Frauen, die fremdenfeindlich sind oder extreme religiöse Ansichten haben, passen nicht zu uns“, erklärt Birgit Borowski.

Junge Frauen machen sich rar

Gerne würde die Präsidentin auch jüngere Frauen im Club begrüßen. „Aber an Frauen unter 40 kommen wir praktisch nicht heran“, berichtet sie. Früher sei dies anders gewesen, aber die Doppelbelastung von Beruf und Familie halte sicher viele Interessentinnen davon ab, sich zu engagieren, vermutet Ester Biedenkopf und überlegt, ob eine Lockerungen der Verpflichtung zur Übernahme von Ämtern der Verjüngung der Clubs dienlich sein könnte.

50 Jahre Soroptimist feiert der Stuttgarter Club am Samstag, 13. Juli, von 18 Uhr an, im Hospitalhof. Die Jazzsängerin Fola Dada unterhält mit ihrem Programm „Sophisticated Ladies“ und die Theatergruppe Labyrinth präsentiert ihr neuestes Stück. Im Anschluss wird ein Flying Buffet serviert. Karten zu 42 Euro sind noch an der Abendkasse erhältlich.

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