Die perfekte Inszenierung der Royals hat eine sonderbare Wirkung, die einem zum Monarchisten werden lässt, sagt StZ-Redakteur Knut Krohn.
Stuttgart - In Sachen Royals stand ich bisher immer auf der Verliererseite. Lange ward ich mir dieser unhaltbaren Situation nicht einmal gewahr, schließlich hielt ich mich für einen eingefleischten Demokraten republikanischer Prägung. Dann aber kam der 20. November 1995, der dramatische Wendepunkt in meiner Gesinnung. Es war einer dieser typisch ungemütlichen Regenabende in Manchester, als ich mich mit englischen Freunden in einem dieser typischen, überdimensionierten britischen Sofas vor einem dieser typischen, mit Gas betriebenen Kamine quetschte.
Über die Mattscheibe flimmerte Lady Diana. Sie gab der BBC das lange angekündigte Interview, besser gesagt, sie legte eine Lebensbeichte ab. Unser Spott war ihr schon im Voraus sicher. Dann geschah das Unerwartete: während dieser grandiosen Show blickte sie in die Kamera, Sekunden nur, wie ein waidwundes Reh, von unten nach oben, und klimperte in Superzeitlupe mit ihren Wimpern. Das war's: ich war zum Monarchisten konvertiert. Die Sache hatte nur einen Haken: das reale Leben der Windsors interessierte mich auch danach nicht.
Das Faszinierende am Auftritt Dianas war die Perfektion der Inszenierung. Auch die Königin wurde doch erst durch Helen Mirren in dem wunderbaren Kinofilm "The Queen" zu wahrem, großem Leben erweckt. In der Realität ist sie auch nur eine alte Dame, die sich angesichts zahlreicher peinlichen Eskapaden ihrer Verwandtschaft schämen muss. Aus diesem Grund ist mein Plan für die Hochzeit von Kate und William bereits geschmiedet: ich werde sie gezielt verpassen. Erst wenn eine Oscar-verdächtige Verfilmung in die Kinos kommt, bin ich wieder ganz Monarchist.