Der ehemalige Formel-1-Pilot fährt für Porsche Pascal Wehrlein steht unter Strom

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Bis Ende 2018 stand Pascal Wehrlein bei Mercedes unter Vertrag, dann verschwand der Rennfahrer plötzlich. Nun kehrt der Worndorfer in seine württembergische Heimat zurück – als Porsche-Werkfahrer.

Pascal Wehrlein will in der Formel E beweisen, wie schnell und batterieschonend er mit einem Elektroauto fahren kann. Foto: Porsche/Jürgen Tap
Pascal Wehrlein will in der Formel E beweisen, wie schnell und batterieschonend er mit einem Elektroauto fahren kann. Foto: Porsche/Jürgen Tap

Stuttgart - Frisch Auf Göppingen oder TVB Stuttgart? VfB Stuttgart oder Stuttgarter Kickers? Mercedes oder Porsche? Entweder, oder? Für Pascal Wehrlein stellt sich die Frage nicht. Sowohl als auch. Von Mercedes wurde der Worndorfer gefördert, mit dem Stern wurde er 2015 DTM-Champion, er kam bei Manor (2016) und Sauber (2017) in der Formel 1 unter – nun kehrt er nach kurzer Abstinenz nach Stuttgart zurück. Als Porsche-Werkpilot mit dem Einsatzgebiet Formel E. „Es hat was von Nach-Hause-Kommen“, sagt Wehrlein, „ich freue mich, in der Formel E zu beweisen, wie schnell ich bin.“

Gut zwei Jahre war der Rennfahrer weg. Nachdem das Band zu Mercedes Ende 2018 abgerissen war, heuerte er beim indischen Automobilhersteller Mahindra in der Formel E an. Wehrlein jettete zu den Rennen um die Welt, hielt sich häufig in Großbritannien im Werk des Rennstalls auf, hatte PR-Termine in Indien; er war überall und nirgends. „Jetzt ist es einfacher“, erzählt er, „ich setze mich ins Auto und fahre nach Stuttgart.“ Keine 150 Kilometer sind es von Worndorf, doch viele Besprechungen erledigt er per Videokonferenz. Nur wenn physische Präsenz nötig ist, fürs Training im Simulator etwa, führt Wehrleins Weg aus dem beschaulichen Landkreis Tuttlingen in die Metropolregion.

Wehrlein war häufig in Indien

Im Mahindra schaffte es Wehrlein in 17 Rennen nur einmal aufs Podium, Platz zwei im Januar 2019, zweimal wurde er Vierter, holte insgesamt 72 Punkte – mit dem Erfolg schwand auch die Verbundenheit. Zum Saisonfinale 2020 in Berlin hatte sich der Deutsche schon vom indischen Team verabschiedet. Dass er nach der Mercedes-Ära in der Formel E geblieben war – Wehrlein suchte einen Arbeitgeber und hatte Angebote aus der nordamerikanischen Indycar-Serie –, öffnete ihm die Tür bei Porsche. „Wenn ich in den Staaten unterschrieben hätte, wäre mein Weg wahrscheinlich anders verlaufen“, vermutet er. So blieb er im Fokus der europäischen Formel-E-Teams, auch bei Porsche. Der Einsteiger von 2019 suchte den Nachfolger von Neel Jani für 2020/2021 und machte Wehrlein ein Angebot, das der nicht ablehnen konnte. Sein Plus: Er besitzt Erfahrung in den Elektroautos, die ist Gold wert, weil es aufgrund des komplizierten Energiemanagements nicht genügt, ein Auto schnell zu bewegen. Wer stets am Limit fährt, schafft maximal 70 Prozent der Distanz. Das ist vom Reglement beabsichtigt, die Batterieleistung wird entsprechend beschnitten. „Es gibt erst wenige Fahrer auf dem Markt, die sich in der Formel E auskennen“, erzählt Wehrlein, „daher hatte ich gute Karten. Ich bin noch kein alter Hase, aber auch kein Rookie mehr.“

Gram wegen verhinderter Formel-1-Karriere

Der 25-Jährige sieht seine Zukunft in der elektrischen Serie, an eine Rückkehr in die Formel 1 verschwendet er keine Energie. Bis Dezember ist er noch als Entwicklungsfahrer bei Ferrari unter Vertrag, dann ist Ende Gelände. Wehrlein denkt nicht ohne Gram zurück, irgendwie fühlt er sich um einen Traum gebracht, weil er nur in unterlegenen Autos unterwegs war und er so sein Potenzial nicht vorführen konnte. So gab kein Topteam ihm eine Chance. „Meine Teamkollegen habe ich stets geschlagen“, sagt er und bemerkt: „Sie wurden weiter beschäftigt, ich habe einen anderen Weg eingeschlagen.“ Doch Lamentieren bringt einen Rennfahrer nicht vorwärts, also macht der Mann das Beste aus seiner Zukunft. Der Formel-E-Saisonstart ist für den 16. Januar in Santiago de Chile geplant, dann will er im Kampf um die Podiumsplätze mitmischen. Das ist oberste Priorität, doch als Porsche-Werkfahrer denkt Wehrlein nach der Pflicht auch ein wenig über die Kür nach. „Ein Start bei einem 24-Stunden-Rennen würde mir gefallen“, erzählt er, „Le Mans oder die Nürburgring-Nordschleife.“ Dann fährt Wehrlein ausnahmsweise ein Auto mit Ottomotor.

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