Der erste Wolf in Baden-Württemberg Präparation einer Attraktion

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Ein toter Wolf an der A 5 hat im Sommer viel Aufsehen erregt. In einem Karlsruher Museum wird er nun auf sein neues Dasein vorbereitet.

Die Überreste des Raubtiers Foto: Gottfried Stoppel
Die Überreste des Raubtiers Foto: Gottfried Stoppel

Karlsruhe - Almuth Müller biegt aus einem Gang ins Foyer, in dem ein Putztrupp die Spuren des Vortages verwischt – es war wieder mal viel los im Karlsruher Naturkundemuseum. Draußen ist es noch finster und bitterkalt, aber das Licht hier im Museum ist sehr warm. Almuth Müller, 42, sagt herzlich „Guten Morgen“. Doch dann schiebt sie einen beunruhigenden Satz nach, der den Verdacht nahelegt, dass der Morgen womöglich nicht gut wird: „Ich muss Sie warnen“, lautet dieser Satz.

Almuth Müller war schon oben in Raum 1.22, dem Nasslabor, in dem die Wirbeltiere präpariert werden. Sie hat das Wirbeltier, dem sie sich an diesem Tag widmet, also bereits gesehen. Und gerochen. Es sei wirklich sehr unangenehm, sagt sie, der Gestank der Verwesung, der Anblick des auslaufenden Blutes. Wirklich! Sehr! Unangenehm!

Na großartig, muss man sich jetzt schon vor einem Wolf fürchten, der tot ist?

Der tote Wolf am 22. Juni 2014 Foto: FVA

Bei dem Wolf handelt es sich um den Wolf. Gefunden am 22. Juni vergangenen Jahres neben der A 5 bei Lahr. „Canis lupus, männlich, Totfund“, stünde auf dem Schildchen, das, wäre der tote Wolf ein toter Mensch, an seinen großen Zeh baumeln würde. Der Wolf hat alle in Aufregung versetzt: die Schäfer, die Jäger, die Naturschützer, auch manche Bürger. Fast 150 Jahre nachdem der Wolf im Land ausgerottet war, scheint es, als kehre er zurück. Die meisten wissen nicht so furchtbar viel vom Wolf. Da ist man erst mal skeptisch.

Wie ein Metzger

Um viertel vor acht beginnt Almuth Müller damit, dem Wolf sein Fell abzuziehen. Das geht nicht so einfach wie bei einem frisch erlegten Kaninchen, dem man an einem Stück die Haut über die Löffel ziehen kann. Der Wolf, der vor Almuth Müller liegt, sieht aus wie ein Getreidefeld nach der Ernte, über das erst ein heftiger Regen gezogen ist und dann ein schwerer Trecker. Mit ihrem scharfen Messer muss sie sich den Weg unter der Haut bahnen, Stückchen für Stückchen. Vom Brustbein hoch zur Wirbelsäule, vom Oberschenkel zur Hinterpfote, von der Schulter zur Vorderpfote. Ssssipppp macht das Messer und ssssapppp. Erst auf der einen Seite, dann auf der anderen. Eine Dreiviertelstunde dauert das Abziehen. Dann kommt das Abfleischen.

Eigentlich macht Almuth Müller mit ihrem Messer auch nichts anderes als ein Metzger. Nur dass sie das Fleisch nicht auslöst, um daraus einen schmackhaften Schmorbraten zu bereiten oder ein feines Filetsteak. Das Fleisch vom Wolf, das stellenweise schon grau ist, landet in einer Plastikwanne, um die sich ein Spezialentsorger kümmern wird. Almuth Müller interessiert sich nur für die Knochen.

Hier, sehr schön, der Oberschenkelknochen. Und da das Wadenbein. Was tritt dort hervor? Das Sprunggelenk, prima. Und was haben wir hier? Einen Oberarm und eine Speiche. „Es läuft ganz gut“, stellt Almuth Müller zufrieden fest. Die Präparatorin hatte noch nie einen Wolf in ihrem Labor liegen. Üblich sind Füchse und Fledermäuse. Zuletzt hat sie einen Turmfalken mit ausgebreiteten Flügeln so präpariert, dass man nun denken könnte, der Raubvogel wäre noch am Leben und könnte jederzeit abheben. Er soll in der geplanten Dauerausstellung im fast fertig renovierten Westflügel einen festen Platz bekommen.

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