Allenthalben sei der „gute Geist“ des Treffens gewürdigt worden, bilanzierte Strobl zufrieden – ein Verdienst auch des Gastgebers und der reibungslosen Organisation. Man sei dem Innenminister sehr dankbar für seine Initiative, erwiderte der Europapark-Chef Roland Mack. Wieder einmal habe das Unternehmen zeigen können, wie professionell es auch solche „hochkarätigen Tagungen“ abwickeln könne. Nach den schwierigen Corona-Monaten seien derlei Signale „unglaublich wichtig, um wieder gestärkt in die Zukunft zu blicken“.
Als erste Amtshandlung in den Europapark
Schon im August steht der Familie Mack das nächste politische Großereignis ins Haus. Dann eröffnen CDU und CSU im Europapark gemeinsam die heiße Phase des Bundestagswahlkampfs. Aus allen Wahlkreisen sollen die Kandidatinnen und Kandidaten zusammenkommen, um sich von den Parteichefs Armin Laschet (CDU) und Markus Söder (CSU) auf den Erfolg einschwören zu lassen. Vor der Großveranstaltung am 21. August sind noch zentrale Wahlkampfschulungen geplant. Ein „großartiges Signal des Mannschaftsgeistes“ solle von Rust ausgehen, verkündete CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak.
Solche bundesweiten Auftriebe sind auch für den Europapark noch etwas Besonderes. Landespolitiker aber, zumal der CDU, gehen in Rust schon lange ein und aus. Seit der Neuformation der Regierung im Mai geben sie sich fast die Klinke in die Hand: Erst kam der neue Tourismus-Staatssekretär Patrick Rapp (CDU) zum „Antrittsbesuch; es handele sich um seine „erste offizielle Amtshandlung“, strich der Park heraus. Zwei Tage später wurde der „Antrittsbesuch“ der neuen Justizministerin Marion Gentges (CDU) vermeldet. Die Wiedereröffnung des Parks sei ein „wichtiges Signal der Hoffnung“, ließ sie sich zitieren. Wenige Wochen darauf schaute die Wahlkreisabgeordnete Gentges erneut vorbei, diesmal in der Wasserwelt Rulantica. Ihr Vorgänger Guido Wolf hatte den Park noch im Mai genutzt, um Ex-EU-Kommissar Günther Oettinger bei einer virtuellen Veranstaltung als „Gesicht Europas“ zu ehren, eine von ihm ersonnene Auszeichnung. Im Juni machte dann auch der frischgekürte CDU-Fraktionschef Manuel Hagel dem Park seine Aufwartung, samt Ex-Minister Willi Stächele im Schlepptau. Beide zeigten sich laut Medieninformation beeindruckt vom professionellen Umgang mit Corona. „So geht sicherer Tourismus“, schwärmte Hagel.
Der Duz-Bund der Narrenschellen-Träger
Antrittsbesuch – diesen Begriff relativiert ein Parksprecher inzwischen als „missverständlich“. Die Macks müssen Politiker auch nicht antreten lassen, sie kommen von selbst und sonnen sich gerne im Glanz des Erfolgsunternehmens. An die sechs Millionen Gäste in normalen Jahren, fast 6000 Hotelbetten, bis zu 12 000 Arbeitsplätze, immer neue Attraktionen: für Baden-Württemberg ist der Europapark ein touristisches Aushängeschild par excellence. Dreimal bereits hielt die Landes-CDU vor der illustren Kulisse Parteitage ab, zuletzt 2018. Nahezu alle Parteien, heißt es, hätten Rust schon für Veranstaltungen genutzt. Vorzugsbedingungen gebe es für sie keine: Im florierenden Tagungsbereich, „Confertainment“ getauft, zahlten sie die gleichen Tarife wie alle anderen Kunden; ein etwaiger Werbewert spiele keine Rolle.
Umgekehrt liegt auch dem Park an einem guten Draht zur Politik. Der Chef Roland Mack (71) gilt als begnadeter Netzwerker, der Politiker zu umgarnen versteht. Zahlreiche Fotos auf dem Areal zeigen ihn mit wichtigen Amtsträgern und anderen Prominenten, mit vielen von ihnen ist er per Du – was auch an einer närrischen Auszeichnung liegen soll. Alle Träger der „Goldenen Narrenschelle“ der schwäbisch-alemannischen Zünfte, heißt es, duzten sich. Nebst Mack gehörten dazu etwa Guido Wolf, Günther Oettinger und auch Winfried Kretschmann. Wünsche an die Politik hat der Park immer, etwa wenn es um Erweiterungen oder die Verkehrsanbindung geht. Viele wurden inzwischen erfüllt, wie der ausgebaute Autobahnanschluss oder ein ICE-Halt im nahen Ringsheim, andere sind noch offen. Gehätschelt und getätschelt, wie manche meinen, sieht sich der Park nicht: stets müsse man kämpfen, zuweilen über Jahre.
Andere Parks kämpfen mit Widerständen
Andere deutsche Freizeitparks könnten gleichwohl etwas neidisch nach Rust blicken. In Nordrhein-Westfalen etwa bemüht sich das Phantasialand bei Brühl seit mehr als zwanzig Jahren um eine Erweiterung; gerade wurde diese für weitere fünf Jahre abgelehnt. Die Folge: Um Platz für neue Attraktionen zu schaffen, müssen bestehende weichen. In Niedersachsen musste der Heidepark Soltau erst vor Gericht ziehen, um die Wiedereröffnung nach der Abflauen der Pandemie zu erzwingen; das Land wollte hart bleiben.
In Baden-Württemberg läuft manches anders. Politische Unterstützung gibt es selbst für ein Projekt, das der Europapark nach starken Widerständen zunächst auf Eis gelegt hat: eine Seilbahn nach Frankreich, über das Naturschutzgebiet Taubergießen hinweg. In der Region formierte sich daraufhin eine kleine Bürgerinitiative, programmatischer Name: „Jetzt langt’s“. Der Park, fordert sie, solle sich in der sensiblen Landschaft nicht länger wie eine Krake ausbreiten dürfen. Auch die Gemeinde Rust bremste, nun gilt ein Moratorium bis 2027.
Kretschmann und die umstrittene Seilbahn
Gleichwohl machte sich Winfried Kretschmann im vorigen Herbst überraschend für die Idee stark: man solle diese „wieder aufnehmen“, an geeigneter Stelle. Örtliche Grünen-Abgeordnete mussten daraufhin empörte Anhänger besänftigen. Tenor ihrer Schreiben: dem Premier gefalle vor allem das Völkerverbindende an dem Vorhaben, die Naturschutz-Problematik sei ihm „in diesem Moment nicht bewusst“ gewesen; natürlich gelte es alles gründlich zu zu prüfen. Beim Europapark hieß es dagegen, es sei „doch großartig“, dass der Regierungschef „Tüftler- und Denkervisionen begrüßt“. Im Februar verblüffte der Verkehrsstaatssekretär Steffen Bilger (CDU) dann mit dem Vorschlag, der Bund könne die Seilbahn mitfinanzieren. Sein Tipp: Dazu müsse sie als Ergänzung des Öffentlichen Nahverkehrs deklariert werden, touristische Angebote seien nämlich nicht förderfähig. Steuermittel derart auf dem Silbertablett angeboten zu bekommen – davon träumt mancher Unternehmer.
Erhört wurde auch der Wunsch des Parks, nach der Corona-Schließung möglichst früh wieder öffnen zu dürfen. Bereits im Mai verkündete das Sozialministerium ein Modellprojekt für Rust, „stellvertretend“ für andere Einrichtungen. Die damals vereinbarte wissenschaftliche Begleitung habe schon wichtige Erkenntnisse gebracht, heißt es in dem Ressort – etwa, dass die Warteschlangen an den Hauptattraktionen ein Schwachpunkt sein könnten. Nach dem Vorreiter durften später dann auch andere Parks öffnen. Eine Klage wie beim Heidepark war nicht nötig.
Über mangelnde Unterstützung durch die Politik kann der Europapark also nicht klagen. Umgekehrt unterstützt er offenbar auch die Politik. Seit langem kursierende Vermutungen, es gebe nicht veröffentlichungspflichtige Parteispenden – also unter 10 000 Euro -, dementiert ein Sprecher nicht: Im demokratischen System sei das „ausdrücklich vorgesehen und sehr wichtig“. Und weiter: „Wenn wir Parteispenden geben, unterstützen wir verschiedene Parteien“ – natürlich gemäß allen gesetzlichen Vorgaben.
Bei der Innenministerkonferenz blieb für Achterbahn & Co. übrigens keine Zeit. Horst Seehofer will das aber nachholen: Er werde er mit der Familie wiederkommen, kündigte er an, dann ohne Polizei-Begleitung.