Der Fall der 19-jährigen Aschwak T. So viele Jesiden leben in Stuttgart

Von Jan Sellner 

Rückkehr in den Irak aus Angst vor Bedrohung hier wie im Fall der 19-jährigen Aschwak T.? In der Landeshauptstadt Stuttgart sind laut Sozialamt keine derartigen Fälle unter den Jesiden bekannt.

Die Stadt Stuttgart hat mehr als 100 jesidische IS-Opfer aufgenommen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Die Stadt Stuttgart hat mehr als 100 jesidische IS-Opfer aufgenommen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Der Aufsehen erregende Fall der 19-jährigen Aschwak T., die Anfang des Jahres in Schwäbisch Gmünd ihren früheren IS-Peiniger wiedererkannt haben will und deshalb in den Nordirak zurückkehrte, rückt die ethnisch-religiöse Minderheit der Jesiden insgesamt in den Blickpunkt – speziell die heute in Deutschland lebenden IS-Opfer.

2014 hatte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) veranlasst, dass 1000 Frauen und Kinder, die unter der Terrormiliz gelitten haben, nach Baden-Württemberg kommen können. Zu den ersten Städten die von 2015 an Jesidinnen aufnahmen, zählte neben Schwäbisch Gmünd, wo heute rund 40 Jesidinnen leben, auch die Landeshauptstadt.

Stadt: Eine Frau kehrte freiwillig zurück

Aktuell sind nach Auskunft des Sozialamts 111 Personen aus dem sogenannten Sonderkontingent Nordirak in Stuttgart untergebracht: 52 erwachsene Frauen, acht erwachsene Männer sowie 51 Minderjährige – 19 Mädchen und 32 Jungen. Wie Martin Thronberens vom Stuttgarter Sozialamt auf Anfrage mitteilte, sei im August 2015 eine Jesidin aus dem Sonderkontingent in den Irak zurückgekehrt. Über die Gründe der Rückkehr habe man keine Kenntnis. Der Sprecher betonte jedoch: Dem Sozialamt sind keine Fälle bekannt, bei denen Jesidinnen aus dem Sonderkontingent Nordirak Stuttgart verlassen haben, weil sie sich bedroht fühlten“.

Außer den genannten Jesiden aus dem Kontingent sind weitere Angehörige der Minderheit in Stuttgart untergebracht: „Im Rahmen des regulären Aufnahmeverfahrens leben seit Jahren weitere 670 Jesidinnen und Jesiden in Stuttgarter Flüchtlingsunterkünften“, ergänzt der Sprecher. Auch aus diesem Personenkreis seien keine Fälle bekannt, bei denen Jesidinnen die Stadt aus Angst verlassen hätten.

Sonderthemen