Alice Schwarzer gilt vielen als moralische Instanz, oft ist sie scharfzüngige Anklägerin und stellt Männer an den Pranger. Nach ihrer Beichte, jahrelang Steuern hinterzogen zu haben, steht sie selbst in einem Sturm der Entrüstung.
Stuttgart - Es ist ein leichtes Unterfangen, nach Zitaten von Alice Schwarzer zu forschen und diese – aus dem Zusammenhang gerissen – gegen die Urheberin zu wenden. „Das Motiv meines ganzen Handelns ist die Gerechtigkeit“, schreibt sie zum Beispiel an herausgehobener Stelle, zu lesen auf ihrer Website. In einem Interview sagte sie mal: „Viele Frauen sind es noch immer nicht gewöhnt, eigenes Geld zu haben oder mehr zu verdienen, als sie zum Leben brauchen.“ Sie seien über Generationen gewöhnt, ökonomisch abhängig zu sein. Die „Emma“-Herausgeberin hat sich über viele Jahre schon zu allem Möglichen geäußert, da ist einiges dabei, was im neuen Lichte angreifbar erscheint.
Über die Finanzkrise sagte Schwarzer: „Diese Männer (der Finanzindustrie) haben längst den Bezug zum Leben verloren. Sie klicken virtuelle Summen mit sechs, sieben, acht Nullen – und wundern sich, wenn sie plötzlich vor den realen Scherben stehen.“ Millionen von Menschen müssten dies dann mit ihren Steuern ausbaden.
Ein Fehler, den sie „aus ganzem Herzen“ bedauere
Wo immer möglich, stellt Schwarzer Männer an den Pranger. Diese sind bekanntlich auch führend bei der Steuerhinterziehung. Nun sorgt ausgerechnet die Ikone des Feminismus für etwas Gleichberechtigung auf diesem Feld. Als erste prominente Frau gesteht sie ein, ein Konto mit Schwarzgeld in der Schweiz versteckt zu haben. Dies hatte sie seit den achtziger Jahren mit (versteuerten) Einnahmen bestückt. „Zu meiner Beruhigung.“ Nachdem ein Hinweisgeber mit der Information hausieren gegangen war und im „Spiegel“ einen Abnehmer fand, bekennt die 71-Jährige: Dies sei ein „Fehler“ gewesen, „den ich aus ganzem Herzen bedauere“.
Offenkundig hatten erst die CD-Käufe der Länder und der Streit um das Schweizer Steuerabkommen Schwarzer im vorigen Jahr dazu veranlasst, sich beim Fiskus anzuzeigen. Viele Vermögende handeln mit Blick auf das Steuergeheimnis ähnlich, ohne dass es rauskommt. Mittlerweile hat Schwarzer 200 000 Euro an Steuern plus Säumniszinsen nachgezahlt und hält das Delikt für erledigt. Gegen die Veröffentlichung wendet sie sich wie gehabt mit Gegenangriff. Eine „Denunzierung“ und „Rufmord“ sieht sie in dem „Präzedenzfall“ sowie einen „Dammbruch für die Medien“.