„Der Fliegende Holländer“ in Bayreuth Märchenprinz statt Ventilatorenfabrik

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Daraus allerdings resultiert das Problem, dass manchmal zu hören ist, was auf der Bühne nicht geleistet wird. Am eklatantesten ist das im Duett von Senta und Holländer im zweiten Akt. Weit voneinander entfernt werden die beiden Figuren auf der Drehbühne postiert, sie werden unablässig im Kreis befördert, ohne sich näher zu kommen, während gleichzeitig die Musik davon erzählt, wie Sentas Sehnsüchte Realität werden und der Holländer Hoffnung schöpft: äußerer Aktionismus, ohne aus den Figuren heraus etwas zu erzählen – und das Ganze noch im krassem Gegensatz zu vielen anderen Szenen.

Senta wird bei Gloger als Individualistin gezeigt, die sich nicht gleichschalten lässt. Sie verweigert sich dem Trott in der Ventilatorenfabrik und bastelt sich lieber ihren Märchenprinzen. Warum reagiert sie dann so wenig auf ihn? Zumal sie im Finale ja doch zu ihm findet? Bei Gloger klettern Senta und der Holländer auf die Kistenpyramide, und es wird deutlich, dass sich das Paar der meinungslosen Gesellschaft entzieht – ein kluges Bild, aber nicht aus dem Geschehen entwickelt.

Merbeths Entwicklung

Eine große Entwicklung durchläuft dagegen Ricarda Merbeth. Während sie in der Ballade noch verhalten klingt, steigert sie sich im Duett und vor allem im dritten Akt zu einer überwältigenden Leistung mit beeindruckender Höhe und zunehmendem Volumen, auch wenn sie keine genuin dramatische Sängerin ist. Zu Recht wird sie für ihre singdarstellerische Leistung gefeiert. Einhellig auch der Jubel für den letztjährigen Einspringer Samuel Youn. Mühelos füllt er mit seiner Stimme den Raum, bleibt dabei aber seltsam undifferenziert.

Der Tiefe fehlt es ebenso an kerniger Wucht, wie es der Höhe an Präzision mangelt. Auch darstellerisch lässt er sich von der Passivität der Inszenierung gefangen nehmen und gewinnt als Person kaum Statur, im Gegensatz zu seinem Gegenspieler Erik: Tomislav Muzek befreit mit jugendlichem Tenor, vokaler Kraft und kluger Gestaltung den zum schnarchnasigen Hausmeister degradierten Erik aus dem szenischen Gefängnis. Wie immer verdient auch der von Eberhard Friedrich einstudierte Festspielchor großes Lob: stimmgewaltig tönt die Mannschaft des Holländers, präzise klingen die Damen bei der Fabrikarbeit.




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