Der große Stadtkind-Jahresrückblick 2022 Highlights, Aufreger und neue Stuttgarter Lieblingsspots

Fancy Drinks, tolle Veranstaltungen und neuentdeckte Lieblingsorte - das Jahr 2022 hatte für die Stuttgarter:innen einiges zu bieten. Foto: Katrin Maier-Sohn

2022 war ganz schön was los! Die Stadtkind-Redakteurinnen blicken auf ihr Jahr und ihre ganz persönlichen Tops und Flops aus dem Kessel zurück.

2022 war das Jahr, in dem das Leben nach Stuttgart zurückkehrte. Wasen, Weihnachtsmarkt, Festivals - vieles hatte aufgrund der Coronapandemie pausieren müssen und fand dieses Jahr endlich wieder statt. Langweilig wurde es uns daher nicht. Im Gegenteil: Gar nicht so einfach, die ganzen Events unter einen Hut zu bekommen.

 

Doch nicht alles war rosig. Als im Frühjahr der Krieg in der Ukraine begann, erschütterte das die ganze Welt - und es ist leider noch nicht vorbei. Die Stadtkind-Redaktion zieht ein Resümee und hat für euch hat ein paar ihrer persönlichen Highlights und Aufreger des Jahres zusammengefasst.

Lauras Highlights und Fails 2022

Stuttgart 2022 in einem Wort: naja

Gastro-Geheimtipp: In diesem Jahr war ich risikobereit und habe endlich Szechuanpfeffer für mich entdeckt. Where have you been? Der beste Ort dafür: das Sichuan in der Bebelstraße. Ein Geheimtipp ist das zumindest hier im Westen schon lange nicht mehr, ich weiß - aber: diese Buschbohnen müsst ihr probiert haben. Noch nie hat sich Schwitzen so gut angefühlt. Was man auch unbedingt bestellen muss: Mapo Tofu und für Nicht-Veggies Cayennepfeffer-Hühnchen. Thank me later!

Aufreger des Jahres: Waren für mich Nörgeleien über sehr banale Wohlstandsdinge, während um uns herum buchstäblich die Welt brannte (und immer noch brennt). 

Liebster Leser:innen-Kommentar: "Ich habe meinen ersten Gewinn bei einem Trade mit XX durch XX gemacht, als gäbe es kein Morgen. Erinnern Sie sich, warum Sie angefangen haben." Das hat mich wirklich sehr inspiriert, danke!

Lieblingstexte: Besonders gut gefallen haben mir unsere Themen über junge Gründer:innen und Künstler:innen, die Stuttgart ganz schön aufmischen mit ihrem Tatendrang und Mut. Das sind tolle Geschichten, die erzählt werden müssen. Hängengeblieben sind mir außerdem Themen wie die Online-Petition zum Mutterschutz für alle - die Forderungen haben es sogar in den Bundestag geschaff - , oder der Bericht über zwei Stuttgarter Hebammen 

Meine (Neu)Entdeckung des Jahres: der Wunsch, nach Botnang zu ziehen (kein Witz), Sommer auf dem schwäbischen Dorf, und damit ich nicht wie 50 klinge: Aperol Sour ist das beste Getränk.

Viel Liebe für: Mama

Katrins Highlights und Fails 2022

Stuttgart 2022 in einem Wort: back to life (sorry, sind drei Wörter)

Gastro-Geheimtipp: Okay, jetzt kann ich es euch ja sagen: Das lila Getränk, dass diesen Sommer Insider (da nicht auf der Karte) bei unserem Lieblingsitaliener auf dem Marienplatz geschlürft haben, heißt Sprince. Für mich war es das absolute Sommergetränk 2022: Zitronig-erfrischend und dank blauem Tee mit ungewöhnlicher Farbe. Mal schauen, was 2023 auf der Karte steht - oder eben wieder nicht drauf steht.

Apropos Marienplatz, seit diesem Sommer gibt es einen neuen Kiosk im Stuttgarter Süden. Das Bauchlädle unter der Zacke setzt auf regionale Getränke und ein hippes Design. Mein Tipp: Eine Weinschorle in der Glasflasche, ein kurzer Plausch mit Besitzer Merdan lässt den Abend perfekt ausklingen.

Aufreger des Jahres: Mit dem Freund und Kupferstecher und der Fritty Bar schlossen 2022 gleich zwei beliebte Anlaufstellen im Stuttgarter Nachtleben ihre Türen. Letztes Jahr mussten die Waggons am Nordbahnhof den Bauarbeiten weichen, ein Jahr zuvor machte der Keller Klub dicht und das Gebäude wurde abgerissen, vom Zwölfzehn und dem Zollamt spricht schon kaum mehr einer. Das macht mich traurig. Wo soll sich die alternative Szene und die jungen Menschen in Stuttgart noch frei ausleben und vor allem nachts treffen?

Liebster Leser:innen-Kommentar: "<3" (Viel Liebe für die nette Stadtkind-Community!)

Lieblingstexte: Im Dezember hat das Stadtkind gemeinsam mit anderen Thementeams unserer Redaktion eine Serie zum Thema gefühlte Sicherheit in Stuttgart gestartet. Denn Daten, Zahlen und Statistiken sind das eine, wenn es um die Sicherheit in der Stadt geht. Ebenso geht es aber darum, wie sicher wir uns fühlen, wenn wir nachts auf Stuttgarts Straßen unterwegs sind. Wir haben uns unter anderem Safe Spaces in Stuttgart angeschaut, mit zwei Expert:innen über das Thema Sicherheit beim Onlinedating gesprochen und überlegt, was Männer tun können, damit sich Frauen auf dem Heimweg sicherer fühlen.

Meine (Neu)Entdeckung des Jahres: Mein absoluter Lieblingsplatz 2022 ist die Uhlandshöhe. Hier, auf 355 Metern Höhe, hat man einen super Blick über den Kessel: Das Auge folgt dem Osten über den Bahnhof (und den vielleicht besten Blick auf die massive S21-Baustelle) hinweg in die Innenstadt bis zu den Weinbergen. Und hier oben gibt es einiges zu Entdecken: Im Frühjahr übernahm Nils Fischer die Minigolf-Anlage auf der Uhlandshöhe und richtete diese mit viel Lieber her. Direkt nebenan findet sich die Sternwarte. Sie wurde 1922 eröffnet und ist somit eine der ältesten öffentlichen Sternwarten in ganz Deutschland. Übrigens der perfekte Ort für ein erstes Date...

Carinas Highlights und Fails 2022

Stuttgart 2022 in einem Wort: Hydrogenkarbonat-Mineralsäuerling (ja, ich war ziemlich oft im Leuze schwimmen). 

Gastro-Geheimtipp: Ja, ich bin late to the Party, aber wie gut sind bitte Bánh Mis? Ich habe die vietnamesischen Sandwiches erst in diesem Jahr für mich entdeckt und pilgere nun mittags oft in den Stuttgarter Westen um mich im Maison Banh Mi damit zu versorgen. Aber bitte ohne Koriander! Außerdem habe ich eine neue schwäbische Anlaufstelle für Besuch aus dem Ausland (Vegetarier:innen ausgenommen): Die Weinstube Kachelofen beim Hans-im-Glück-Brunnen ist urig, gemütlich und charmant - und abends immer brechend voll. Also besser reservieren.

Aufreger des Jahres: Das schreckliche Tampon-Gate um OB Nopper. Ziemlich peinlich für eine so offene Stadt wie Stuttgart und ein Eigentor par excellence. 

Liebster Leser:innen-Kommentar: Ich hatte einige furchtbare Mails (und auch Briefe) von Print-Leser:innen im Posteingang, da ein Text versehentlich mit Gender-Doppelpunkten in der Printausgabe der StZ erschienen ist. Schade und sehr bestürzend, dass sich die Leser:innen dermaßen darüber echauffiert haben. Vor allem, da das eigentliche Thema meines Textes - defensive und menschenfeindliche Architektur in Stuttgart - viel mehr Aufmerksamkeit und vor allem Kontrahaltung einer wachen Zivilgesellschaft verdient hätte. Ich antworte generell nicht auf Leser:innen-Briefe - da ich mich erstens nicht gern beleidigen lasse und es mir zweitens nichts bringt. In dem Fall habe ich aber mehrmals kurz gezögert, es dann aber doch nicht gemacht, weil sich die Leute wohl echt nicht mehr richtig spüren, wenn Doppelpunkte ihre größte Sorge sind.

Eine gute Wendung beziehungsweise meinen liebesten Leser:innen-Kommentar gab es aber dennoch, und zwar in Form einer aktiven Handlung: Die VHS Stuttgart  hat nach dem Text nämlich die Spikes von ihren Heizungen entfernt. Und kurz vor Weihnachten die zweite Bescherung: Aktivist:innen haben die Stahlschwellen vor dem ehemaligen Bankhaus Bauer in der Lautenschlagerstraße einfach mal abmontiert. Großartig!

Lieblingstexte: Zwischen Gefängnisgittern haben die Stuttgarter Jörg Reinhardt und Marc List „Nachspielzeit“ ins Leben gerufen. Ein Projekt, welches dieses Jahr mit dem Fußball-Bildungspreis belohnt wurde. Unserer Gast-Volontärin Sofie Smakici hat mit den beiden über ihre beeindruckende Arbeit gesprochen >>>

Meine (Neu)Entdeckung des Jahres: Da ich bald Mama werde, schaue ich mich schon jetzt nach Möglichkeiten um, in der Elternzeit nicht zu vereinsamen. In meinem Freundeskreis herrscht nämlich das Gesetz der normativen Lohnarbeit. Sprich: Zwischen 9 und 17 Uhr wird sich kaum jemand finden, der mit mir und dem Baby um die Häuser zieht oder einfach nur Zeit für eine Tasse Tee und einen Babyccino hat. Ja, cry me a River - aber diese Furcht beschäftigt mich, weil ich mir nicht vorstellen kann, den ganzen Tag Lalelu zu singen. Zum Glück hat mir eine gute Freundin das MüZe im Generationenhaus Heslach gezeigt. Dort kann man sich mit anderen Eltern, Großeltern und Nachbar:innen vernetzen, es gibt Spielgruppen, Baby-Treffen, einen Second-Hand-Laden und ein Café mit Mittagstisch.

Viel Liebe für: mein Stadtkind-Team und die Zeitungskolleg:innen, die ich während meiner Elternzeit vermissen werde!

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