Der Handysuchhund Gefängnis-Schnüffler auf vier Pfoten

Emily auf dem Weg zum Einsatz. Foto: Leonberger Kreiszeitung /Christoph Schmidt

Handys sind im Gefängnis verboten. Doch es gibt sie, und sie werden gut versteckt. Der einzige Datenträgerspürhund im Land findet sie trotzdem. Mit Emily im Einsatz.

Politik/ Baden-Württemberg: Christian Gottschalk (cgo)

Gefängniszellen sind nichts für Einrichtungsgurus. Zwei Doppelstockbetten, drei rote Plastikstühle, ein Tisch und Schränke, bei denen man nicht einmal erahnen kann, wie viele Jahrzehnte sie schon auf dem Buckel haben. Die 17,45 Quadratmeter in der Justizvollzugsanstalt Heimsheim sind karg. Kein guter Platz, um etwas zu verstecken, schon gar nicht, wenn es die Größe eines Handys hat. Sollte man meinen. Doch weit gefehlt.

 

„Gefangene haben viel Zeit, sind kreativ – und nicht dumm“, sagt Florian Weiner. Er hat schon manch ein Versteck gesehen, von dem man nicht glauben mag, dass es als solches in Frage kommt. Selbst gefunden freilich hat er den geheimen Ort nicht. Dafür gibt es Emily. Emily wird im November sechs Jahre alt, ist ein deutscher Schäferhund, schwarz – und darauf trainiert, Handys zu finden. Genau genommen ist Emily ein Datenträgerspürhund, denn sie erschnüffelt auch USB-Sticks und Sim-Karten. Und das in Blitzgeschwindigkeit. Die Geräte, die Florian Weiner zu Trainingszwecken unter den Tisch geklebt oder in die Matratze gesteckt hat, waren für die Hundedame jedenfalls keine ernsthafte Herausforderung. Keine zehn Sekunden, dann hat Emily mit der Schnauze angezeigt „hier ist was“. Als Belohnung stehen gerade Saitenwürstle besonders hoch im Kurs.

Ein Geruchsmix wie beim Zahnarzt

Zwei Dinge sind im Gefängnis streng verboten. Drogen, und eben Handys. Zwei Dinge gibt es immer wieder hinter den mit Stacheldraht geschützten, hohen Mauern. Drogen und Handys eben. Vier Hunde gehen im Land auf die Suche nach Betäubungsmitteln, Emily ist der einzige, der Handys erschnüffeln kann. Welches Bauteil es denn ganz genau ist, das letztlich dazu führt, dass Emily ihre Belohnung erhält, das weiß auch ihr Hundeführer Florian Weiner nicht. Aber er hat einen guten Vergleich: „Beim Zahnarzt gibt es für uns Menschen auch einen ganz typischen Geruch – ohne dass wir genau wissen, was wir da riechen.“

Florian Weiner und Emily gibt es nur im Doppelpack, und zwar als Reisende. Die beiden sind in allen 17 Gefängnissen des Landes im Einsatz. Geschnüffelt wird täglich, wann und wo genau – Justizgeheimnis. Auch die besten Verstecke, die Emily aufgespürt hat, will Florian Weiner nicht Preis geben.

Keine Chance für Nachahmer. Aber es müssen eine Menge gewesen sein. Emilys Chefin jedenfalls scheint hoch zufrieden. Florian Weiner ist zwar Tag und Nacht mit Emily zusammen, Eigentümer des Hundes ist aber das Land – und oberste Dienstherrin die Justizministerin. „Emily ist uns allen eine Nase voraus“, sagt Marion Gentges (CDU). Daher soll sie auch nicht alleine bleiben, sondern „vielleicht schon bald tatkräftige Unterstützung durch einen weiteren Vierbeiner bekommen“.

Nicht nur Liebesgeflüster über das Handy

Florian Weiner jedenfalls hätte nichts dagegen – zu kontrollieren gibt es schließlich genug. Handys sind im Gefängnis verboten, weil der Verdacht nahe liegt, dass sie nicht nur für Liebesgeflüster genutzt werden. Vielmehr können mit ihnen Ausbrüche geplant oder Geschäfte abgewickelt werden, die einen ins Gefängnis bringen könnten – wenn man denn nicht schon drinnen säße. Und Handys werden immer gefängnistauglicher. „Das kleinste Smartphone ist heute so groß wie ein Daumen, das kleinste Telefon halb so groß“, sagt Florian Weiner. Emily ist das egal – sie findet die Minigeräte und die gewöhnlichen – ganz ohne Unterschied.

Auch der Unterschied zwischen den Haftanstalten im Land lässt Emily kalt. Heimsheim, 1990 in Betrieb gegangen, ist vergleichsweise modern. Andere Gefängnisse seien noch mit Parkettböden versehen, da könne man jedes Stückchen Holz entfernen, weiß Florian Weiner. Für das menschliche Kontrollauge vielleicht ein Problem, für Emilys Spürnase nicht. „Wenn der Hund anzeigt dass da was ist, dann ist da was“, sagt Florian Weiner. Und wenn er es nicht sehe, dann müsse halt der Schraubenzieher her.

Erinnerungen an den eigenen Hund in Freiheit

Obwohl Emily somit der Schrecken für den ein oder anderen Gefangenen ist – unbeliebt ist sie nicht. Im Jugendgefängnis von Adelsheim hätten sich die Insassen bei einem Graffity-Projekt dafür entschieden, die Hunde zu verewigen, sagt Florian Weiner nicht ohne stolz. Und auch mit dem ein oder anderen Gefangenen sei er in nette Gespräche gekommen, wenn er mit Emily auftauche. „Viele haben draußen selber einen Hund und fühlen sich dann daran erinnert.“

So ein Exemplar wie Emily hat aber natürlich niemand. Vor jedem Einsatz bekommt der Datenträgerspürhund ein zusätzliches Halsband umgeschnallt. Auf dem steht, wie auf den Shirts der Justizvollzugsbeamten, in großen Lettern das Wort „Justiz“ geschrieben. Dann wird es offiziell, dann weiß Emily, dass jetzt das große Spiel beginnt und die Saitenwürstchen in Reichweite sind. „Außerhalb der Dienstzeiten“, sagt Florian Weiner „sind Emily die Handys völlig egal.“

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