Der „Joker“ und die Gewalt Verdrehte Fakten und die Angst vor Nachahmern

Von Bernd Haasis 

In den USA wird heftig über die Gewalt im Spielfilm „Joker“ diskutiert – und ob sie inspirierend wirken kann.

Abschreckende Figur oder gefährliches Vorbild   – Joaquin Phoenix als Joker. Foto: AP/Niko Tavernise
Abschreckende Figur oder gefährliches Vorbild – Joaquin Phoenix als Joker. Foto: AP/Niko Tavernise

Stuttgart - Schon vor dem „Joker“-Filmstart wurde in den USA darüber gestritten, ob eine Comicfigur Gewalttäter inspirieren kann. 2012 erschoss James Holmes in einem Kino in Aurora, Colorado, 12 Menschen und verletzte 70. Gespielt wurde „The Dark Knight Rises“, der dritte Batman-Film von Christopher Nolan. Der New Yorker Polizeichef Ray Kelly sagte damals bei einer Pressekonferenz über den Amokläufer: „Er hatte seine Haare rot gefärbt, er sagte, er sei der Joker.“

Dem widerspricht im Branchenmagazin „Vanity Fair“ der Staatsanwalt George Brauchler: „Holmes hat nie behauptet, der Joker zu sein.“ Trotzdem glaubten viele Menschen es weiterhin, „weil das so gut ins Narrativ passt“. Der Joker allerdings trage die Haare grün gefärbt, nicht rot, und der Psychiater William Reid, der mit Holmes gesprochen hat, sagte „Vanity Fair“, ein Freund mit blauen Haaren habe Holmes inspiriert. Für einen Bezug zum Comic gebe es keine Anzeichen: „Holmes sagte, er habe davon erst gehört, als ihm jemand aus einer anderen Zelle zurief: Hey, du bist der Joker!“ Brauchler vertritt die Ansicht, Holmes habe sich einen beliebigen Blockbuster ausgesucht, „weil da das Kino garantiert voll ist“. Die Gefahr sei dennoch real, solange Leute den Joker-Bezug für wahr hielten.

Die Polizei hat vorgesorgt

Obwohl es keine konkreten Drohungen gab, postierte die New Yorker Polizei beim „Joker“-Start Sondereinheiten um die Kinos, wie der „Hollywood Reporter“ berichtet. „ Ich halte es für sehr verantwortungsvoll, dass sich die Gewalt im Film real anfühlt, dass sie schwer wiegt und Folgen hat“, sagte der „Joker“-Regisseur Todd Phillips dem Branchenmagazin. „Das Problem sind die vielen Leute, die sich vorab geäußert haben, ohne den Film überhaupt zu kennen.“ „Vanity Fair“ sagte er: „Man kann einen Film nicht verantwortlich machen für eine Welt, die so kaputt ist, dass alles mögliche Gewalt auslöst. Darum geht es im Film. Er ist keine Aufforderung zur Gewalt. Wenn überhaupt, ist er eine Aufforderung zur Selbstreflekion der Gesellschaft.“