Der Körsch-Kultur-Verein in Kemnat Kneipen-Quiz als kultureller Farbtupfer
Seit einem Jahr belebt der Körsch-Kultur-Verein den Ostfilderner Stadtteil Kemnat. Die Macher wollen die „Schlafstadt“ mit Kneipen-Quiz, Konzerten und Aktionen wecken.
Seit einem Jahr belebt der Körsch-Kultur-Verein den Ostfilderner Stadtteil Kemnat. Die Macher wollen die „Schlafstadt“ mit Kneipen-Quiz, Konzerten und Aktionen wecken.
Fragen für das Kneipen-Quiz des Kulturvereins Körsch tüfteln Christian Sichel und Melanie Vinke aus. Die Vorsitzende des Körsch-Kultur-Vereins Kemnat und ihr Stellvertreter laden zu dem Mitmach-Angebot am Freitag, 6. Oktober, ab 19.30 Uhr ein. „Wir wollen den Stadtteil beleben“, sagt Nicolas Giese, der das Trafik-Café Hamburg Süd in der Heumadener Straße 1 betreibt. Die Leute sollen nach den Worten von Christian Sichel nicht nach Stuttgart fahren, „sondern hier im Stadtteil was los machen“.
Vor einem Jahr haben engagierte Menschen den Verein gegründet, der nach den Statuten der „Heimatpflege“ dienen soll. Der Einzelhändler und Gastronom Giese ist ebenso dabei wie engagierte Menschen aus dem Stadtteil. „Wir wollen ein Angebot machen für Menschen aller Generationen“, sagt Pamela Sichel. Die Ministerialrätin und Stadträtin der CDU lebt mit ihrem Mann und den drei Kindern in Kemnat. Sie will Kemnat wegbringen „vom Image der Schlafstadt“.
Mit dem umtriebigen Seemann und ehemaligen Offizier Nicolas Giese, den es „der Liebe wegen“ zu den Schwaben verschlagen hat, hat das Vorstandsteam einen engagierten Mitstreiter gefunden. „Das Ladencafé ist der ideale Ort für unsere Veranstaltungen“, schwärmt Christian Sichel. Nicht nur das Schild „Hamburg Süd“ verströmt norddeutsches Flair. Der Schreibwarenladen mit angegliederter Bar ist mit Schiffsmodellen, einem Rettungsring und einer Discokugel dekoriert. Selbst auf der Toilette blickt man auf ein Bullauge und findet maritime Erinnerungsstücke. Von der wilden Waterkant an die friedlich plätschernde Körsch ist es für Kulturfan Giese und seine Gäste nicht weit.
Auf der kleinen Bühne neben den Regalen mit Zeitschriften und Schulheften treten Bands und Musiker auf. „Im März hat sogar der Sänger Bernd Begemann hier gespielt“, sagt der Hamburger Jung stolz. Auf der Tourliste des Sängers und Entertainers, der sich mit Songs wie „Verhaftet wegen sexy“ und „Unoptimiert“ eine Fangemeinde erspielt hat, finden sich sonst Auftritte in Berlin, Wien oder Berlin. Im „Hamburg Süd“ spielte der deutschsprachige Indie-Popper vor 37 Zuschauern. Mit seiner Überzeugungskraft hat ihn Giese nach Ostfildern geholt, „und das Publikum war aus dem Häuschen“.
Vor dem Laden in der Kemnater Kurve sitzen zwei Männer und trinken ein Bier. Zwei Freundinnen haben sich eine Limo geholt und plaudern am Brunnen. Dass die Autos vorbeirasen, das stört sie nicht. „Wenn die Ortsmitte hier umgestaltet wird, bekommen wir hier auch mehr Aufenthaltsqualität“, sagt Christian Sichel. Dann möchte sein Verein die Ortsmitte mit fantasievollen Aktionen beleben. Eine Stadt müsse „Plätze haben, die zum Verweilen einladen“. Da sei in Kemnat zwar erst mal der Städtebau gefragt. Doch ebenso müssten die Bürgerinnen und Bürger aktiv werden.
Wie kann das aussehen? „Kultur ist besonders schön, wenn man selbst kreativ sein darf“, findet Pamela Sichel. Mit dem Körsch-Kulturverein möchte sie deshalb „Menschen erreichen, die Ideen haben“. Der Fluss sei ein verbindendes Element für Menschen aus der Umgebung. Die Vorschläge setzt der Verein dann um. Dabei will sich Christian Sichel nicht nur auf Kemnat beschränken. „Es ist so schön, wenn Studierende aus Hohenheim hier zum Kneipenquiz geradelt kommen.“
Erste Ideen sind schon in die Tat umgesetzt. In der Adventszeit hat der Körsch-Kultur-Verein den Ort mit einem Weihnachtsbaum verschönert. „Erst waren wir traurig, als OB Bolay ankündigte, dass wir auf die Weihnachtsbeleuchtung in den Stadtteilen verzichten“, räumt Christian Sichel ein. Da stellte der Verein einen eigenen Baum auf, den Jung und Alt mit selbst gebasteltem Weihnachtsschmuck bestücken durften. „Wer etwas beigesteuert hat, bekam ein kleines Geschenk“, erzählt Pamela Sichel. Der Baum sei „so wunderschön geworden, dass wir das in diesem Jahr gerne wiederholen“. Die Augen der Kinder hätten geleuchtet.
Eine Konkurrenz zu den anderen Vereinen oder zur Kirche möchte der Kultur-Verein nicht sein, stellt das Ehepaar Sichel klar. Das Kemnater Forum mit Gesprächsgästen und die Rockkonzerte, die Pfarrer Thomas Ebinger in der evangelischen Kirche organisiert, bereichern nach ihren Worten das kulturelle Leben im Stadtteil ebenso. Und auch die Jazztänzerinnen des Turnvereins sorgen für kulturelle Höhepunkte. Pamela Sichel findet, es brauche „viele Bausteine, um Kemnats kreative Kräfte zu bündeln.“
Frische Ideen gefragt
Neue Gesichter und frische Ideen sind beim Körsch-Kulturverein willkommen. Wer mitmachen will, darf sich bei Nicolas Giese im Trafik-Café, Heumadener Straße 1 in Kemnat melden. E-Mail: trafikcafekemnat@gmail.com Im Café treten auch immer wieder Musiker auf, zum Beispiel am 2. Oktober ab 19.30 Uhr beim Liederabend „Big in Japan“ mit bekannten Titeln.
Kultur-Kneipen-Quiz
Mit kniffligen Fragen fordern Melanie Vinke und Christian Sicherl vom Kultur-Verein-Körsch das Publikum beim Kneipen-Quiz heraus. Der Termin ist am Freitag, 6. Oktober, ab 19.30 Uhr. Um Anmeldung unter nicolas.giese@turbofan.de wird gebeten. Das Trafik-Café hat immer donnerstags und freitags jeweils ab 18 Uhr Barbetrieb. Das Kulturprogramm ist auf der Homepage zu finden: www.trafikcafekemnat.de