Der Ludwigsburger Förderkreis spendet für Burkina Faso Soforthilfe für 2000 Flüchtlinge in Kongoussi

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Die Stadt Ludwigsburg und der Förderkreis Burkina Faso spendet für die von Terrormilizen heimgesuchte Region in Westafrika.

Flüchtlingstreck auf den Straßen von Kongoussi Foto: Welthungerhilfe
Flüchtlingstreck auf den Straßen von Kongoussi Foto: Welthungerhilfe

Ludwigsburg - Seit mehr als zehn Jahren leisten die Stadt Ludwigsburg und der Förderkreis Burkina Faso Aufbauhilfe in Kongoussi, einer Stadt in Westafrika. Jetzt aber haben sich die Ludwigsburger gemeinsam mit der Partnerstadt Montbéliard für eine Soforthilfe entschieden: Es geht darum, die vom Bürgerkrieg im benachbarten Mali erschütterte Region im Norden von Burkina Faso zu stabilisieren. Nachdem es im vergangenen Herbst innerhalb weniger Tage im benachbarten Zimtanga 18 terroristische Morde gegeben hatte, waren mehr als 40 000 Menschen nach Kongoussi geflüchtet.

„Kongoussi gilt immer noch als stabil“, sagt Konrad Seigfried, der Erste Bürgermeister, der auch Vorsitzender des Ludwigsburger Förderkreises Burkina Faso ist. Er beruft sich dabei auf Berichte der Partner vor Ort als auch auf Aussagen der Welthungerhilfe. Eine Reise dorthin ist nicht möglich, weil auch Burkina Faso, das lange als eines der stabilsten Länder Afrikas galt, zur Krisenregion erklärt wurde.

Fast normales Leben

Die guten Nachrichten, laut Seigfried: „In der von uns aufgebauten Berufsschule wurden wieder neue Schüler aufgenommen, im Ort wurde eine neue Werkstatt eröffnet und wir haben Mikrokredite vergeben.“ Auch das Nähatelier Zic-zac könne bisher normal weiterarbeiten.

Gleichzeitig aber muss in der Stadt Kongoussi – eher ein Konglomerat aus 56 Gemeinden – das Flüchtlingsproblem gelöst werden. „Mittlerweile sind wieder einige Familien in ihre Heimat zurückgezogen“, sagt Seigfried. Doch am 27. Januar wurden noch immer 45 472 Flüchtlinge in Kongoussi gezählt. Sie lebten zum großen Teil bei Freunden und Verwandten. Im Bezirk Tankoula, am nördlichen Rand von Kongoussi, sind etwa 50 Großfamilien in einem provisorisch errichteten Aufnahmezentrum auf einer Fläche von knapp einem Hektar einquartiert.

Prekäre Zustände in der Zeltstadt

Die Familien leben in Zelten und diese von UN-Organisationen und Hilfsorganisationen gestifteten Planen stehen wiederum inmitten weiterer überaus prekärer Unterkünfte, die von den Vertriebenen selbst gebaut wurden. Als Toiletten wurden Latrinen gebaut. Es gibt etwa ein Dutzend solcher Lager in Kongoussi. Für diese Menschen sind die jetzt an die Welthungerhilfe übergebenen 15 000 Euro bestimmt (der Anteil der Stadt beträgt 5000 Euro, der des Förderkreises 10 000 Euro).

„Davon können 300 Familien in Kongoussi drei Monate lang Lebensmittel und andere lebenswichtige Dinge kaufen“, sagt Seigfried. 300 Familien, das entspricht in Burkina Faso etwa 2000 Menschen – eine Familie zählt im Schnitt sieben Personen. Diese Menschen können zurzeit noch nicht wieder in ihre Dörfer zurückkehren und erhalten keine andere Unterstützung.

Überfall auf dem Markt

Der 40 Jahre alte Younga Simporé, Kopf einer 23-köpfigen Gemeinschaft aus Zimtanga, berichtet von einem Überfall am 30. September 2019: „Wir waren auf dem Markt, als bewaffnete Männer heran stürzten. Sie fassten den Handwerker des Zentrums für Gesundheits- und Sozialförderung, fesselten ihn und erschossen ihn. Es war furchtbar.“ Abdoul Rhamane aus der Gemeinde Arbinda berichtet, dass die Dschihadisten „ohne Vorwarnung das Feuer auf meine Familie eröffneten. Sie wollten einfach so viele wie möglich ermorden. Fünf Mitglieder meiner Familie haben sie getötet“.

„Wir hoffen sehr, dass die Sicherheitslage bald wieder so stabil ist, dass die Geflohenen in ihre Dörfer zurückkehren können“, sagt Seigfried.