Der Märklin-Experte Roland Gaugele hat es auch mit der Imkerei Ein großer Freund der kleinen Dinge

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Der eine entspannt beim Klavierspielen, der andere beim Kochen – Roland Gaugele bei seinen Bienen. Der Märklin-Experte steht eben auf die eher kleinen Dinge.

Roland Gaugele prüft, wie es seinen Bienen geht. Foto: Horst Rudel
Roland Gaugele prüft, wie es seinen Bienen geht. Foto: Horst Rudel

Donzdorf - Es hat nur diesen einen Termin gebraucht, damals im Jahr 1977. Kurz vor der Hochzeit begleitete Roland Gaugele seine spätere Frau, eine Biologielehrerin, und ihre Schüler zu einem Nachmittag bei einem Imker in der Nachbarschaft – das war’s. „Die Bienen waren so friedlich und das war so interessant, da haben wir gesagt, wir müssen uns auch welche anschaffen“, erzählt Gaugele.

Gesagt, getan. Nach der Hochzeit besorgten die Gaugeles ihr erstes Bienenvolk. Im Lauf der Jahre steckte Roland Gaugele seine ganze Familie mit seiner Begeisterung für die kleinen Insekten an. Heute kümmern sich Gaugele und sein Bruder Wilfried um 17 Völker, das sind mehr als eine halbe Million Bienen, deren Stöcke die beiden auf zwei Gartengrundstücke verteilt haben. Gaugele ist seit 35 Jahren der Vorsitzende des Bezirksbienenzuchtvereins Alb-Lautertal und sorgt dafür, dass der Imkerei auch in Zukunft die jungen Kräfte nicht verloren gehen.

Dass der Märklin-Experte sein Herz ausgerechnet an Bienen verlieren würde, war eigentlich vorauszusehen. Denn Gaugele ist ein Mann der kleinen Dinge, der Details und der guten Organisation – das schätzte er während seiner Zeit als Produktionsleiter und späterer Pressesprecher einst bei seinem Arbeitgeber, und das schätzt er bis heute an den Bienen.

Bienen müssen auf Fettreserven verzichten

„Man muss sich das mal vorstellen, wie diese kleinen Lebewesen allein über den Schwänzeltanz weitergeben, wo es Nektar zu sammeln gibt und wie weit es bis dorthin ist“, sagt Gaugele begeistert. Aus seiner Sicht erbringen seine Bienen jeden Tag Höchstleistungen. Im Gegensatz zu Menschen und Säugetieren könnten sie keine Fettreserven anlegen.

„Sie tragen ihren Treibstoff in Form von Honig in ihrem Magen mit sich herum“, erklärt er. Bevor die Tiere losflögen, müssten sie ganz genau abschätzen, wie viel Honig sie bräuchten. Die Bienen müssen knapp kalkulieren, denn wenn sie ihren Magen zu sehr füllen, bleibt kein Platz mehr für den neuen Honig, den sie eigentlich in den Stock liefern sollen – doch wenn sie zu wenig mitnehmen und nicht rechtzeitig bei den Blüten ankommen, verhungern sie unterwegs.

Seinem ehemaligen Arbeitgeber hat Gaugele vor einigen Jahren, kurz nach der Insolvenz, den Rücken gekehrt. Doch die Begeisterung für die kleinen technischen Wunderwerke ist ebenso geblieben wie seine Freude an der Imkerei. Heute ist Gaugele als selbstständiger Auktionator und Sachverständiger tätig. Er schätzt die Sammlungen von Märklin-Fans auf ihren Wert und verkauft sie auch weiter. Zurzeit baut er eine Auktionsseite im Internet auf.

Beim Familienfest wurde noch nie jemand gestochen

Und genauso akribisch, wie er den Wert einer Sammlung ermittelt, zählt er die Leistungen der Honigbiene für die Gesellschaft auf. Wer weiß schon, dass in Deutschland rund 90 000 Imker etwa eine Million Bienenvölker bewirtschaften, dass diese jedes Jahr etwa 22 000 Tonnen Honig und 1000 Tonnen Wachs produzieren, dass die Bestäubungsleistung dieser Bienen einen Ertrag zwischen 200 und 300 Milliarden Euro für die Landwirtschaft erbringt, dass drei Viertel aller Wildpflanzen von Bienen bestäubt werden und dass die im Lauf eines Jahres sterbenden Bienen rund 150 Tonnen Fleisch liefern, von dem sich Vögel, Echsen und Insekten ernähren?

Auf einer seiner beiden Wiesen bei Donzdorf feiert Gaugele seit 26 Jahren jeden Juli eine Woche lang ein Fest mit Märklin-Fans und seiner Familie. An einer Modellbahnanlage freuen sich die Gäste dann an seltenen Dampfloks der Spur 01. Das Festzelt steht unweit der Bienenstöcke. Gestochen wurde, soweit Gaugele weiß, noch nie jemand. Zum einen, sagt Gaugele, seien Honigbienen friedliche Lebewesen. Zum anderen hat der erfahrene Imker einen Trick parat: Weil das Zelt direkt vor den Bienenstöcken stehe, flögen die Bienen sofort in die Höhe statt langsam zu steigen. „Hinter dem Zelt sind deshalb überhaupt keine Bienen mehr zu sehen. Die sind schon viel weiter oben am Himmel.“