Der Marktbrunnen wird restauriert Ein neues Fundament für Gottfried

Von  

Mit einem Kran ist am Dienstag die Skulptur auf dem Winnender Marktbrunnen abgehoben worden. Der Minnesänger Gottfried und sein Winnender Mädle kommen zurück, wenn das Kapitell des Brunnens restauriert ist.

Die Restaurierung des Kapitells ist eine staubige Angelegenheit. Foto: Gottfried Stoppel
Die Restaurierung des Kapitells ist eine staubige Angelegenheit. Foto: Gottfried Stoppel

Winnenden - Für kurze Zeit müssen Gottfried von Neuffen und sein Winnender Mädle ihren Platz auf dem Marktbrunnen räumen. Das Kapitell, auf dem die Skulptur des Weinstädter Bildhauers Karl Ulrich Nuss steht, muss nach einer Anweisung der Denkmalschutzbehörde des Regierungspräsidiums Stuttgart instand gesetzt werden. Der Sockel war verändert worden, um die Brunnenfigur setzen zu können. Gegner des Kunstwerks, die stattdessen lieber eine Arbeit des Winnender Künstlers Martin Kirstein dort sehen würden, hatten diesen Umstand der Behörde angezeigt – allerdings nicht mit dem erhofften Erfolg, dass die Figur endgültig weichen muss.

Brunnenfigur wird mit Kran abgehoben

Am Vormittag wurde die Brunnenfigur mit einem Kran abgehoben und das Kapitell von Fachleuten so wieder hergerichtet, wie es war, als noch eine Justitia-Figur darauf thronte. Diese war vor Jahren abgenommen worden, da es immer wieder zu Vandalismus gekommen und die Statue beschädigt worden war. Einige Jahre war der Brunnen verwaist, dessen Rand bei Stadtfesten ein beliebter Treff für Jung und Alt ist. Da die Stadtarchivarin Sabine Reustle im Jahr 2010 im Stuttgarter Hauptstaatsarchiv zufällig eine historische Randnotiz mit dem tatsächlichen Gründungsdatum der Stadt fand, kam deshalb rasch die Idee auf, den Brunnen mit einer Darstellung des Winnender Liedes zu schmücken. Der Minnesänger Gottfried, der Sohn des Stadtgründers Heinrich von Neuffen, ist mit diesem Lied im Codex Manesse vertreten, der zur Weltliteratur gezählt wird.

Im Jahr 2012 wurde die Figur zum ebenfalls neu ins Leben gerufenen Mädlesfest auf den Brunnen gesetzt. Doch zu der Zeit hing der Haussegen in Winnenden bereits schief, was die Wahl der Skulptur anging. Fünf Künstler hatten zu einem Wettbewerb der Stadt ihre Arbeiten eingereicht. 70 Prozent der Teilnehmer einer Vorab-Umfrage der Lokalzeitung entschieden sich für die Arbeit Kirsteins, der diese bereits zur Vorstellung der Idee beim Neujahrsempfang als deren Visualisierung geschaffen hatte. Weil damals noch andere Motive zur Diskussion standen, sich aber der Minnesänger durchsetzte, hatte der größte Teil des Publikums den Eindruck, auf dem Empfang sei die Entscheidung bereits für Kirsteins Entwurf gefallen.

Zwist wegen der Wahl des Kunstwerks

Das war aber nicht so. Die Stadt schrieb einen künstlerischen Wettbewerb aus und der Gemeinderat hatte über die endgültige Wahl abzustimmen. Jenes Votum im Oktober 2011 geriet denn zu einem Ereignis, das spannender als ein Krimi war. Erst im dritten Durchgang – in den beiden ersten hatte der Favorit Kirstein zwar immer die meisten Stimmen, aber nie die Mehrheit erhalten – wurde der Entwurf von Karl Ulrich Nuss mit einer knappen Mehrheit gewählt. „Jedem war klar, was er getan hat“, kommentierte der Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth das Ergebnis, wohl ahnend, was folgen würde.

Denn die Enttäuschung unter den vielen Winnendern, die Kirsteins Figur dennoch auf dem Brunnen sehen wollten, war groß. Es kam zu einer fruchtlosen Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den OB, das Denkmalamt wurde eingeschaltet und zum Schluss sogar noch der Petitionsausschuss des Landtages angerufen – ohne Erfolg. Denn formal war der Gemeinderatsbeschluss einwandfrei.

Nun hat sich die Stadt eine diplomatischen Lösung überlegt, wie man Frieden in Bezug auf den Brunnen stiften könnte: Zur Nuss-Skulptur auf dem Brunnen gesellt sich Kirsteins beliebte Figurengruppe „Nachbarin mit Kindern“ neben dem Brunnen, die vor Jahren wegen Vandalismus abgebaut werden musste.