Der Ministerpräsident in Argentinien Kretschmann lotet Potentiale aus

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Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist derzeit in Südamerika unterwegs. Dort macht er den Türöffner für mittelständische Unternehmen.  

Winfried Kretschmann und Finanzminister Nils Schmid Die drei von der... Foto: dpa 3 Bilder
Winfried Kretschmann und Finanzminister Nils Schmid Die drei von der... Foto: dpa

Buenos Aires - Zum Auftakt seiner Südamerikareise hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) in Buenos Aires Mercedes-Benz (MB) Argentina seine Aufwartung gemacht. In Argentinien gründete Daimler vor 60 Jahren sein erstes ausländisches Konzernunternehmen. MB-Argentina-Chef Roland Zey machte der Delegation aus dem deutschen Südwesten klar, dass das südamerikanische Land einer der führenden Wachstumsmärkte auf dem Globus sei. Investitionen hier seien lohnend. Kretschmann ist mit einer 130-köpfigen Delegation unterwegs, der größten aus Deutschland, die dieses Jahr das Land besucht. Das sagte der deutsche Botschafter in Buenos Aires, Günter Kniess.

Etwa die Hälfte von Kretschmanns Delegation sind mittelständische Unternehmer aus Baden-Württemberg. Ihnen will der Ministerpräsident in Südamerika Türen öffnen, wie er sagte. An mehreren Besuchsstationen werden Begegnungsbörsen abgehalten, an denen die Firmenchefs aus dem Südwesten "den argentinischen Partnern unsere Produkte näherbringen können", sagte Kretschmann. Ein großer Teil des Reisetrosses will sich daneben um vertiefte Beziehungen zu Wissenschaftlern und Hochschulen kümmern. "Es begleiten uns viele und herausragende Vertreter von Universitäten, Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen", sagte Kretschmann in Buenos Aires.

So loten etwa der Präsident des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), Horst Hippler, der Rektor der Universität Stuttgart, Wolfram Ressel und die Präsidenten der Universitäten Freiburg und Ulm, Hans-Jochen Schiewer und Karl-Joachim Ebeling das Potenzial aus; neben ihnen zahlreiche Chefs von Fachhochschulen.

Umweltthemen haben keine Priorität

Argentinien ist in Lateinamerika bei der Bildung am weitesten entwickelt. Diese Information gab Botschafter Günter Kniess der Gruppe mit auf den Weg. Das Land weise die niedrigste Analphabetenquote auf, habe gut funktionierende Schulen und Hochschulen und könne eine wachsende Zahl von Patenten vorweisen. Das liege großteils auch daran, dass die Regierung des Landes sehr großen Wert auf die Bildungspolitik lege. Die argentinische Staatspräsidentin Cristina Kirchner ist erst vor drei Wochen in ihrem Amt bestätigt worden. Ihren Wahlsieg erklärte der Diplomat damit, dass es den meisten Argentiniern seit knapp zehn Jahren immer besser geht.

Die Reallöhne steigen. Die Altersversorgung wurde ausgeweitet, ein Kindergeld wurde ebenfalls eingeführt. Der Staatshaushalt sei in Ordnung. Inzwischen regiere Kirchner wie eine Sonnenkönigin und nehme auch direkten Einfluss auf wirtschaftliche Entscheidungen. Teilweise wird auch unumwunden Druck ausgeübt, wie Insider berichten. Es bestünden weiterhin positive Wachstumserwartungen. Allerdings wächst die Inflation.

Der grüne baden-württembergische Ministerpräsident wird sich mit den Erfolgsfaktoren nicht ganz leichttun. Denn, so der Botschafter, Umweltthemen und Nachhaltigkeit stehen auf der Prioritätenliste der Regierung unten. Wachstum und Wohlstand seien ihr wichtiger. Darüber hinaus wird das Wachstum zum großen Teil mit landwirtschaftlichen Produkten erzeugt, die praktisch nur für den Export produziert werden. An erster Stelle steht dabei Gen-verändertes Soja.

"Der Geist des dualen Systems"

Auch hinsichtlich der Mobilität sind die Argentinier nicht sonderlich umweltbewegt. "Nachhaltigkeit ist in Lateinamerika ein sehr zartes Pflänzchen", sagte der Mercedes-Manager Roland Zey seinen Gästen. Südamerika mausere sich bald zum zweitwichtigsten Automarkt der Welt. In dem Werk in Buenos Aires stellen 1600 Mitarbeiter vor allem Sprinter her. Die meisten davon für den Export - nach Brasilien.

Wo man bei der Umwelt noch nicht punkten kann, so tut man das im Sozialen. 1962 hat Mercedes die Technische Schule Juan Manuel Fangio gegründet. Jedes Jahr werden 36 Schüler aufgenommen und erhalten ein Stipendium. "Den Geist des dualen Systems" habe er sofort gespürt, sagte Kretschmann beim Besuch der Schüler. So sei der deutsche Weg der Berufsausbildung doch "ein wichtiger Exportartikel". Es sei "ein schöner Beginn zu sehen, wie hier Kindern eine Chance gegeben wird".

Die Delegation reist am Mittwoch nach Brasilien weiter, wo sie in Curitiba Station macht, die Hauptstadt der baden-württembergischen Partnerregion Paraná, sowie in Brasilia und in Rio de Janeiro.