Der Mythos des Ewigen Juden Die Spur endet in Salt Lake City

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Aber es soll noch merkwürdiger kommen. Denn obwohl er als Schuhmacher keine Schuhe hatte, überlieferte seine Schuhe das Stadtmuseum Ulm. Sie waren das zweite greifbare Zeugnis von Ahasver neben der Altbacher Wandinschrift. Im Inventar von 1856 heißt es: „Schuhe des Ewigen Juden, aus Lederflecken, Riemen und Nägeln. Der eine wiegt acht Pfund, der andere Schuh zehn Pfund.“ Sie seien vor vielen Jahrzehnten von einem Wanderer oder Büßenden, der in der Oberen Bleiche in Ulm ein Nachtquartier gefunden habe, zurückgelassen worden. Bis ungefähr 1904 werden seine Schuhe im Inventar des Museums aufgeführt, danach sind sie ihm wohl irgendwie weggelaufen.

Der Jüngste Tag ist immer noch nicht angebrochen, aber der Wanderer Ahasver hat seine Ruhe gefunden. Denn seit 1868 verliert sich seine Spur in Salt Lake City. Dort soll er dem Mormonen O’Grady den Talmud überreicht haben, um seine Seele zu retten: Ob es das richtige Mittel war, ist aus der Sicht der Heiligen der letzten Tage schwer zu entscheiden.

Einzig die Barth’sche Schmiede in Altbach ist noch übrig, jener ehemalige Schafstall, in dem Ahasver die Nacht auf den Neujahrstag 1766 verbracht haben soll. Sie trotzte der Zeit und ist kürzlich zum schmucken kleinen Heimatmuseum umgebaut worden, das zumeist am Altbacher Dorffest geöffnet ist.

Sonst erinnert nichts an Ahasver. In die neue Zeit passt kein Mythos.