Bei Hofen ist ein Nebenarm des Neckars auf 300 Metern Länge neu angelegt worden. Weitere Projekte am Fluss sollen bald folgen – so ist 2015 geplant, am Gasthaus Keefertal bei Münster einen Wasserspielplatz einzurichten.

Politik/ Baden-Württemberg: Thomas Faltin (fal)

Stuttgart - Im Moment sieht es noch ziemlich trist aus, das neue ökologische Vorzeigeprojekt am Stuttgarter Neckar: Die Erde liegt am Saugraben bei Hofen, gegenüber der Kläranlage Mühlhausen, von den Arbeiten noch ganz bloß, und im Winter wächst sowieso nichts – die Einweihungsfeier ist deshalb ins Frühjahr verschoben worden. Aber fertig ist das Biotop schon: Auf 300 Metern Länge ist ein neuer Nebenarm des Neckars entstanden, in dem sich Zander und Schleien, aber auch Kröten, Flusskrebse und Süßwassermuscheln wohl fühlen sollen. Rund 1,2 Millionen Euro hat der städtische Eigenbetrieb SES (Stadtentwässerung Stuttgart) investiert – es ist das größte ökologische Projekt am Neckar auf Stuttgarter Markung.

Wer dort ab und zu vorbeiradelt, weiß: Seit mehr als zwei Jahren hat es am Saugraben bereits ein Seitengewässer gegeben, das aber als Sackgasse endete. Der Neckar hätte das Biotop in wenigen Jahren mit Schlick und Kies gefüllt und damit weitgehend zerstört. So war von Anfang an geplant, flussabwärts den Durchstich zum Fluss herzustellen – das ist im zweiten Halbjahr 2013 geschehen. Jetzt sorgt eine leichte Strömung im Seitenarm dafür, dass nichts verlandet und Fauna und Flora gute Bedingungen vorfinden.

Insgesamt sind 6000 Kubikmeter Erde beseitigt worden

Steinschüttungen und Weidenzäune am Ufer bieten Fischen und Kleinstlebewesen Rückzugsgebiete; die Betonufer, die dem Neckar ein kanalähnliches Aussehen verliehen hatten, sind verschwunden. Zwei der drei bestehenden Tümpel, die flussabwärts schon länger für Amphibien angelegt waren, sind erhalten geblieben. Der dritte ist nach den Arbeiten jetzt neu entstanden.

In den Bezirksbeiräten hatte es lange Debatten darum gegeben, wie der umfangreiche Aushub von 6000 Kubikmetern abtransportiert werden soll, ohne die Anwohner in Hofen und Mühlhausen zu belasten. Die Lösung war nun, ihn gar nicht wegzufahren: Der Erdaushub sei auf einer direkt angrenzenden Fläche wieder eingebaut worden, sagt Kilian Bezold vom Garten- und Friedhofsamt, das die Planungen geleitet hat. Über diesen Erdaushub wurde Kies und Sediment aus dem Neckar gestreut.

So entstand zusätzlich zum Wasserbiotop eine Brachfläche, die vielen Naturschützern das Herz aufgehen lässt. Sie halten es nämlich für wichtig, dass sich die Natur an manchen Stellen frei entwickeln kann; auch benötigen manche Bodenbrüter solche offenen Flächen als Lebensraum. Die Stadtentwässerung hat das gesamte Projekt finanziert, weil sie direkt daneben vor Jahren schon eine Rechen- und Sandfanganlage für die Kläranlage gebaut hatte – als Ausgleich dafür musste eine andere Fläche renaturiert werden.

Am Wasenufer könnte eine Promenade entstehen

Der Saugraben ist aber nicht das einzige Projekt, das die Stadt Stuttgart am Neckar umsetzen will. Vor zwei Jahren hatte das Stadtplanungsamt eine Initiative gestartet, um den Neckar wieder ins Bewusstsein und zu den Menschen zu bringen. 15 Ideen sind damals vorgestellt worden – an fünf arbeiten die Planer konkret. So hat der Gemeinderat jetzt in den Haushaltsberatungen 650 000 Euro bewilligt, um die Planungen an der Austraße bei Münster voranzubringen. Dort soll, möglichst schon im Jahr 2015 direkt an der Gaststätte Keefertal ein Wasserspielplatz für Kinder entstehen, sagt Hermann-Lambert Oediger vom Stadtplanungsamt. Zeitgleich will man einen „Bergpfad“ auf halber Höhe des steilen Neckarhanges entlang der Austraße anlegen – von dort hätten die Spaziergänger dann einen herrlichen Blick über den Fluss und die Neckarorte.

Andere Projekte, das haben die Planer im Laufe der Zeit gemerkt, sind deutlich langwieriger in der Umsetzung als gedacht. Zwar zweifle niemand die Maßnahmen selbst an, sagt Oediger, aber es seien doch sehr viele Interessen zu berücksichtigen. „Wir müssen um jeden Quadratmeter kämpfen“, sagt Detlef Kron, der Leiter des Stadtplanungsamtes. Vor allem die Aufwertung des Neckarufers am Wasen mit einer Promenade und einem Anlegesteg für Kreuzfahrtschiffe ist den Planern ein Anliegen. Frühestens 2016/17 sei mit der Verwirklichung zu rechnen, sagt Oediger. Das gleiche gilt für die Auwiesen nahe des Max-Eyth-Sees, die teilweise überflutet werden sollen. Zudem ist die Fläche deutlich kleiner geworden, seit daneben eine Driving Range für Golfer gebaut werden darf.

Ganz am Anfang stehen noch die Planungen für das Lindenschulviertel in Untertürkheim, wo der Kraftwerkskanal neben der Lindenschule (nahe des Inselbades) renaturiert werden könnte. In Obertürkheim will man einen Teil des ZOB, wenn dieser einmal verlegt sein wird, nutzen, um den Neckarersatzbach naturnaher zu gestalten. „Das Geld für die Vorplanungen hat der Gemeinderat auch bewilligt“, freut sich Hermann-Lambert Oediger.