Der neue Renninger Gemeinderat Das Motto: Konstanz und Distanz
Die neuen alten Stadträtinnen und Stadträte der Rankbachstadt kommentieren die Ergebnisse der Kommunalwahl und antworten auf die Frage: Wie umgehen mit der AfD?
Die neuen alten Stadträtinnen und Stadträte der Rankbachstadt kommentieren die Ergebnisse der Kommunalwahl und antworten auf die Frage: Wie umgehen mit der AfD?
Die Freien Wähler haben in Renningen ihre Position bestätigt. Sie sind mit 29,7 Prozent und damit sechs Sitzen weiterhin stärkste Kraft im Gemeinderat. „Wir hatten eine gute Liste und haben einen guten Wahlkampf gemacht“, sagt Alfred Kauffmann, der mit 5290 Stimmen das zweitbeste Ergebnis der Wählervereinigung eingeheimst hat – hinter der alles überstrahlenden Stimmenkönigin und designierten Fraktionsvorsitzenden Melanie Lederer (10 552).
Die Gesichter der Freien Wähler im Gemeinderat werden sich allerdings etwas verändern: Statt Hans-Erwin Schneck ist nun dessen Sohn Frank Teil der Fraktion. Rainer Hackh kehrt nach zwei Wahlperioden Pause wieder zurück ins Gremium, während der bisherige Fraktionschef Marcus Schautt nicht mehr antrat.
Zu den Gewinnern darf sich auch die CDU zählen, auch wenn sich das Plus von knapp zwei Prozentpunkten nicht in einem weiteren Sitz niedergeschlagen hat – es bleibt bei vier. „Wir sind die zweitstärkste Kraft, damit müssen wir zufrieden sein“, sagt Wolfgang Steudle. Im Rat sei Konstanz wichtig, betont er. So gibt es bei den Christdemokraten nur einen Wechsel: Der Fraktionsvorsitzende Ralph Geyer trat nicht mehr an, stattdessen wurde nun Anke Haug gewählt.
Die größte Freude herrscht bei den FfR (Frauen für Renningen). Die Wählerinnen-Initiative hat um einen Platz zugelegt und nun mit drei Sitzen Fraktionsstärke erlangt – wie schon einmal vor zehn Jahren. Theresia Berger-Bäuerle fieberte am Montag ab dem frühen Abend im Rathaus mit. Sie erlebte das Kopf-an-Kopf-Rennen mit der AfD quasi live mit. „Am Ende ging es um 100 Stimmen“, sagt sie. Gemeinsam mit ihren Fraktionskolleginnen Claudia Ebner und Yvonne Schmidt-Schwämmle will sie sich weiter vor allem um soziale Themen kümmern.
Die Verlierer sind die SPD und die Grünen. Die Sozialdemokraten büßten einen Sitz ein, das Gemeinderats-Trio bilden nun Thomas Mauch, Mika Sharif und Marcel Dzubba. „Damit kann man leben“, sagt Mauch, dessen Fraktion Jan Hambach als Bürgermeister nach Freiberg am Neckar verloren hat. Gerhard Kicherer, Schulleiter der Friedrich-Schiller-Schule, hatte bereits im Januar 2022 sein Mandat abgegeben.
Die Grünen verloren ebenfalls einen Sitz. „Im Vergleich zur vorletzten Wahl ist das Ergebnis immer noch gut“, versucht sich der Fraktionsvorsitzende Jochen Breutner-Menschick an einer Einordnung. Das starke Abschneiden 2019 sei hingegen eine Ausnahmeerscheinung gewesen. Breutner-Menschick, Monika Breitweg und Sonja Oehm verbleiben im Gremium, neu ist Guilherme Gomes Oliveira. Generell sei man mit einem Blauen Auge davon gekommen – „vor allem im Vergleich mit dem Abschneiden der Grünen im Kreistag und in Europa“.
Trotz Verlusten hat sich bei der FDP nichts geändert: Die Liberalen vertritt im Renninger Gemeinderat weiterhin Oliver Schmiedeberg.
Neu mit einem Sitz ist die AfD im Gremium der Rankbachstadt vertreten, in Person von Sascha Bossinger. „Dass wir drin sind, ist gut, dass der zweite Sitz noch weggebrochen ist, ist schlecht“, sagt er zum Wahlergebnis. Für Bossinger, Inhaber eines Malerbetriebs in Malmsheim, ist die Kommunalpolitik Neuland. „Ich will das alles jetzt mal auf mich zukommen lassen“, sagt er – und betont: „Wenn die Entscheidungen dem Wohl der Bürger dienen, wird es keine Probleme geben.
Skeptisch reagieren die anderen politischen Vertreterinnen und Vertreter. „Ich bin geschockt, dass die AfD so viele Anhänger hat in Renningen“, sagt der Freie Wähler Alfred Kauffmann. Man müsse sehen wie sich der neue Ratskollege einbringe. „Mit einem AfD-Vertreter können wir umgehen“, kommentiert der Grüne Jochen Breutner-Menschick. „Die Wähler haben das entschieden, das Mandat ist da“, sagt CDUler Wolfgang Steudle. Das heiße aber nicht, dass man mit der AfD zusammenarbeiten müsse. Sozialdemokrat Thomas Mauch möchte „mal schauen, wie da agiert wird“. Auch Theresia Berger-Bäuerle und ihre Frauen für Renningen haben sich vorgenommen, „mit der nötigen Distanz an die Sache heranzugehen“.
Freie Wähler
Melanie Lederer (10 552 Stimmen), Alfred Kauffmann (5290), Birgit Gaubisch (4913), Jürgen Lauffer (4494), Rainer Hackh (3377), Frank Schneck (3311).
CDU
Wolfgang Steudle (5549), Andreas Kindler (4174), Anke Haug (3184), Thomas Vattheuer (2849).
Die Grünen
Guilherme Gomes Oliveira (3144), Monika Breitweg, Monika (3058), Jochen Breutner-Menschick (2369), Sonja Oehm (2255).
SPD
Thomas Mauch (3478), Mika Sharif (2223), Marcel Dzubba (1550).
FfR
Theresia Berger-Bäuerle (3392), Claudia Ebner (1611), Yvonne Schmidt-Schwämmle (1589).
FDP
Oliver Schmiedeberg (1467).
AfD
Sascha Bossinger (2738).