Der Pallottiner-Pater Klaus und sein Engagement für die Organspende Es geht um Leben und Tod

Klaus Schäfer ist ein Spätberufener: Zwölf Jahre war er bei der Bundeswehr, danach studierte er Theologie am katholischen Priesterseminar St. Lambert. Foto: Gottfried Stoppel
Klaus Schäfer ist ein Spätberufener: Zwölf Jahre war er bei der Bundeswehr, danach studierte er Theologie am katholischen Priesterseminar St. Lambert. Foto: Gottfried Stoppel

Klaus Schäfer war viele Jahre bei der Bundeswehr, dann wurde aus ihm der Pallottiner-Pater Klaus. Er wirkte als Seelsorger in einem Krankenhaus, initiierte Trostgottesdienste und schrieb Sterbebegleitbücher. Sein zentrales Anliegen ist jedoch die Organspende.

Bruchsal - Pater Klaus Schäfer liebt es, seine Mitmenschen zu verblüffen. Einer dieser Sätze, die einen staunen lassen, ist der über seine Berufung zum Leiter der Ordensgemeinschaft im Bruchsaler Paulusheim vor drei Jahren: „Meine Mitbrüder dachten, dass das genau das richtige Amt für mich ist. Ich denke das nicht.“ Und so wird er, der sich 2014 von der Krankenhausseelsorge verabschiedet hat, um Innendienst im Kloster zu machen, Ende dieses Jahres wieder in die Krankenhausseelsorge zurückgehen. Mit 58 ist er noch jung genug dafür, viel jünger als die meisten seiner Mitbrüder, die im Durchschnitt 79 Jahre alt und im Ruhestand sind.

Es sind gerade mal zehn Pallottinerpater, denen er in Bruchsal vorsteht. Ein zu ruhiges Leben für einen, der so umtriebig ist. Mehr als einen gemeinsamen Gottesdienst am Tag gibt es nicht. Die Pallottiner sind keine Benediktiner, eher ein weltoffener Orden, der seine Aufgabe draußen bei den Menschen sieht. Die wenigsten tragen ein Gewand, die Stundengebete hält jeder für sich, beim Abendessen liest keiner aus der Heiligen Schrift, beim Essen muss nicht streng geschwiegen werden. 240 Pallottiner gibt es heute in Deutschland, etwa 2500 weltweit. Ihr Ordenskürzel lautet SAC für Societas Apostolatus Catholici, übersetzt Gesellschaft apostolischen Lebens in der katholischen Kirche. Das gleichberechtigte Engagement von Laien spielt für sie eine entscheidende Rolle, zum Missfallen mancher Päpste in früheren Zeiten.

Der Gründer und Namensgeber Vinzenz Pallotti (1795–1850) gab die Richtung vor. Als Priester ging er zu denen, zu denen kein anderer gehen wollte, und blieb auch dort hartnäckig sitzen, wo sie überhaupt keinen Geistlichen bestellt hatten. Das imponierte Schäfer schon immer. Die Idee der „unendlichen Liebe“, die nicht pausenlos danach fragt, wie viele Sünden einer begangen hat. Die Begegnung auf Augenhöhe, bei denen sich der Seelsorger nicht über die erhebt, die ihm ihr Vertrauen schenken. „Wenn ich eine Hostie austeile“, sagt Pater Klaus, „dann stehe ich mit den Empfängern auf einer Stufe“ – wohl wissend, dass der Priester in der Kirche zumeist aus einer erhöhten Position die Eucharistie spendet.

Ein Spätberufener

1993 hat Klaus Schäfer Theologie studiert. Ein Spätberufener, der erst zwölf Jahre bei der Bundeswehr war. „Ich wollte dort meinen Meister machen“, sagt er, als Elektromechaniker arbeitet er bei der Luftwaffe und am Tornado-Kampfjet mit. Bei geistlichen Exerzitien für Soldaten begegnet ihm ein Pfarrer, der ihn beeindruckt – und der ihm erzählt, dass man auch ohne Abitur Priester werden kann.

So studiert der Bauernsohn aus Kempten im Allgäu tatsächlich Theologie mit Hauptschulabschluss, am katholischen Priesterseminar St. Lambert im rheinland-pfälzischen Lantershofen. Dort können Quereinsteiger mit Berufsabschluss die höhere geistliche Laufbahn einschlagen und müssen dafür nicht einmal Griechisch und Hebräisch büffeln. „Ich habe es auch noch nie gebraucht“, sagt Schäfer, der aus seiner Abneigung gegen verkopfte Theologie­debatten kein Hehl macht.

Von Anfang an reizt ihn der Dienst am Menschen. Den Pallottinern schließt er sich an, weil sie stets dicht an den Menschen dran sind und weil ihm ihre Form der Gemeinschaft gefällt. Überdies haben sie in seiner Heimatdiözese Augsburg ihren Hauptsitz. 1999 entsenden sie ihn ans St.-Vincentius-Krankenhaus nach Karlsruhe, wo er ab sofort Dienst tut.

Es wird seine eigentliche Berufung, eine Herzensaufgabe, der er sich mit Leidenschaft annimmt. Er sitzt am Bett von Unfallopfern, unheilbar Krebskranken, Menschen, die im Alter hilflos und einsam sind. Das alles erfüllt ihn zutiefst, gibt ihm Kraft, die er weitergibt, keineswegs nur den Patienten, sondern auch den Angehörigen und dem Pflegepersonal.

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