„Der phönizische Meisterstreich“ Was taugt der neue Kinofilm von Wes Anderson?

Auf wildem Flug: die Darsteller Benicio del Toro, Mia Threapleton und Michael Cera Foto: epd

Ein ruchloser Industrieller fürchtet ein Attentat und will sein Vermögen der Tochter überschreiben. Wes Anderson zeigt den „phönizischen Meisterstreich“.

Kaum ein US-amerikanischer Filmemacher dieser Tage hat – erzählerisch wie visuell – eine so prägnante Handschrift entwickelt wie Wes Anderson. Symmetrische Bilder, bunte, aber nie knallige Farben, Retro-Charme, wenig Kamerabewegungen – auch sein neuer Film „Der phönizische Meisterstreich“, der unmittelbar nach seiner Weltpremiere bei den Filmfestspielen in Cannes nun in den deutschen Kinos startet, ist auf den ersten Blick als eines seiner Werke sofort erkennbar.

 

Die Tochter soll Alleinchefin werden

Wie schon in „Asteroid City“ begibt er sich in dieser abermals mit Roman Coppola verfassten Geschichte in die 1950er Jahre. Zsa-zsa Korda (Benicio del Toro) ist einer der reichsten und ruchlosesten Industriellen Europas, von Konkurrenten wie Regierungen gleichermaßen verhasst. Nach wiederholten Attentatsversuchen beschließt er, Kontakt zu seiner ältesten Tochter Liesl (Mia Threapleton) aufzunehmen und sie zur Alleinerbin und möglichen Nachfolgerin an der Konzernspitze zu machen. Bislang allerdings ist sie Nonne – und obendrein der Ansicht, dass Zsa-zsa ihre Mutter umgebracht hat. Und als wäre all das nicht kompliziert genug, gilt es obendrein, für den titelgebenden, aber für die Handlung in all seinen Details überflüssigen Plan den einen oder anderen Investor zu finden.

Dass man bei einem Wes Anderson-Film eigentlich ganz genau weiß, was einen erwartet, und der konsequent durchkomponierte Look seiner Werke mindestens genauso wichtig ist wie die Story und das Drehbuch, begeistert nicht nur seine Fans, sondern auch die Schauspielerinnen und Schauspieler, mit denen er nicht selten immer wieder zusammenarbeitet.

Gedreht wurde im Studio Babelsberg in Potsdam

„Mit Wes zu arbeiten, ist einerseits immer gleich, aber doch jedes Mal anders“, schwärmte beispielsweise im Interview in Cannes gerade sein Darsteller Jeffrey Wright, für den „Der phönizische Meisterstreich“ der dritte Anderson-Film in Folge ist. „Keine Frage, er hat seinen eigenen Stil, seine eigene Ästhetik. Aber innerhalb dieses Rahmens versucht er stets, sich nie zu wiederholen. Die Geschichten, die Orte, an denen sie spielen, die Figuren sind immer andere, denn Wes’ Neugier und Fantasie sind viel zu überbordend, als dass er sich nur wiederholen würde.“

Tatsächlich ist der im Studio Babelsberg in Potsdam gedrehte „phönizische Meisterstreich“ in seiner Fokussierung auf Korda als Protagonist etwas weniger episodisch geraten als manche seiner Vorgänger. Verästelt erzählt ist aber auch dieser Anderson-Film und wie meistens spielt der Plot dabei eine untergeordnete Rolle. Allerdings geraten hier nun selbst die Figuren mit der Zeit ein wenig ins Hintertreffen, und irgendwie bleiben zwischen immer komplizierteren Story-Konstruktionen und immer schnelleren Dialogen zusehends Herz und Menschlichkeit auf der Strecke. Dabei gehörten gerade diese in Filmen wie „Moonrise Kingdom“ oder „Fantastic Mr. Fox“ durchaus zu den Stärken des Regisseurs.

In der filmischen Komfortzone

Es ist nun nicht so, dass es nicht auch dieses Mal wieder allerlei hübsche Einfälle und ein paar gute Gags gäbe, die Freude machen. Viele der Elemente, die ihm in seiner bald 30-jährigen Karriere so viele Fans (und im vergangenen Jahr auch endlich einen Oscar, wenn auch nur für einen Kurzfilm) einbrachten, kann man auch dieses Mal feiern, vom bis ins kleinste Detail durchgeplanten, immer noch betörenden und natürlich unverwechselbaren Anderson-Stil in der Bildgestaltung (zu dem nicht zuletzt bewährte Mitstreiter wie Produktionsdesigner Adam Stockhausen oder Kostümbildnerin Milena Canonero beitragen) bis hin zur Musik von Alexandre Desplat. Und vor allem Benicio del Toro sowie Kate Winslets Tochter Mia Threapleton überzeugen schauspielerisch, umgeben von einem hochkarätigen Ensemble inklusive Benedict Cumberbatch, Tom Hanks oder Scarlett Johansson.

Dennoch lässt sich nicht bestreiten, dass Anderson es sich seit mindestens einigen Jahren in seiner filmischen Komfortzone vielleicht doch ein bisschen zu gemütlich eingerichtet hat. Kombiniert mit der Tatsache, dass zuletzt alle zwei Jahre ein neuer Spielfilm auf die Leinwand kam (plus zwischendurch eben drei Kurzfilme bei Netflix zu sehen waren), stellt sich inzwischen eine gute Portion Vorhersehbarkeit, Übersättigung und hier und da auch Langeweile ein. So bleibt man bei „Der phönizische Meisterstreich“ am Ende, trotzdem sich ein gewisses Amüsement eingestellt hat, vor allem mit dem frommen Wunsch zurück, Anderson würde für die Zukunft zwar nicht seine Handschrift ändern, aber sie vielleicht doch einmal in ganz neuen Gefilden anwenden. Die Zusammenarbeit mit einer jungen Drehbuchautorin, die womöglich einen ganz eigenen Stil hat, wäre beispielsweise ein reizvoller, weil neuer Gedanke!

Der phönizische Meisterstreich. USA/Deutschland 2025. Regie: Wes Anderson. Mit Benicio del Toro, Mia Threapleton, Scarlett Johansson, Tom Hanks. 105 Minuten. Ab 12

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