Thomas Berthold bei „Querdenken“-Demo Warum der Ex-VfB-Profi seinen Auftritt nicht bereut

Querdenker: Ex-Fußballnationalspieler Thomas Berthold bei seinem Auftritt am Samstag in Stuttgart Foto: dpa/Sebastian Gollnow

An dem früheren VfB-Profi prallen Spott und Kritik nach seinem Auftritt bei der Querdenker-Demonstration in Stuttgart ab. Eine Partei will Thomas Berthold zwar nicht gründen, doch der nächste öffentliche Auftritt in Berlin ist fest eingeplant.

Stuttgart - Angepasst war Thomas Berthold noch nie. Und mit seiner Meinung hat er auch nie hinterm Berg gehalten. So kennen ihn die alten Weggefährten. Berthold, der in jungen Jahren 1986 Fußball-Vizeweltmeister und 1990 Weltmeister wurde, galt schon immer als ein Typ mit Ecken und Kanten. Nicht immer geliebt, aber meistens geschätzt. Noch heute erzählt man sich, dass Teamchef Franz Beckenbauer viele Spieler abschätzig „Zauberer“ nannte. Nur einen nicht: Thomas Berthold. Denn der frühere VfB-Profi war kein Effekthascher. Seit dem vergangenen Wochenende sagen ihm das jedoch viele nach.

 

Mit seinem Auftritt auf der Querdenker-Demonstration in Stuttgart hat der 55-Jährige jedenfalls mehr Aufsehen erregt als in vielen Jahren als Ex-Profi, in denen er als Fußballexperte bei der Sendung „Doppelpass“, als Kolumnist bei der „Deutschen Welle“ und als Co-Kommentator in Erscheinung trat. Natürlich wusste er, welches Echo sein Auftritt und seine Kritik an der Bundesregierung und deren Pandemiemaßnahmen auslösen würde. Dass die Reaktionen so harsch ausfallen, mag ihn dennoch überrascht haben. Als „Covidiot“ bezeichnet zu werden, gefällt keinem. Nur: Anmerken lässt er es sich nicht. „Es ist mir egal, was die Leute in den sozialen Netzen über mich schreiben“, sagt er, „die meisten haben ohnehin nicht den Mut, sich mit ihrem Namen zu äußern.“ Also macht er das, was er vielleicht schon seinerzeit bei Ex-VfB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder geschätzt hat: Er demonstriert Standhaftigkeit. Denn MV sagte in solchen Situationen stets: „Den Helm tiefer ziehen und durch.“

Berthold beklagt Fokussierung „auf gewissen Wissenschaftler“

Je stärker der Sturm, desto mehr Berthold. Ein Anflug von Arroganz und Aggressivität – das war immer schon sein Stil. Als Verteidiger auf dem Platz und daneben. In dieser Haltung nimmt er nun auch kein Jota vom Inhalt seines Auftritts zurück. Im Gegenteil: Der gebürtige Hanauer, der nun in Frankfurt lebt, legt nach. „Es geht darum, dass unsere Grundrechte extrem eingeschränkt sind. Das wird von einigen vollkommen vergessen, die einen mal schnell so unter der Rubrik Verschwörungstheoretiker abstempeln.“

Seiner Meinung nach wird das Parlament derzeit ausgehebelt. „Ich höre und sehe keine kontroversen Debatten im Bundestag oder in den Landesparlamenten, es gibt auch keine Opposition mehr“, sagt Berthold. Natürlich verstehe er, dass Menschen wie Kanzlerin Angela Merkel oder Ministerpräsident Winfried Kretschmann eine große Verantwortung tragen, „aber warum wird bei so einem komplexen Thema nur einseitig auf gewisse Wissenschaftler gehört?“. Zwischen den Prognosen von Wissenschaftlern, die sechsstellige Todeszahlen vorausgesagt hätten und den derzeitigen Fakten, klaffe eine Lücke, die ihn nachdenklich mache: „Das war ein Vollschuss daneben. Derzeit haben wir eine Todesrate von zehntausend. Wie soll ich solchen Leuten vertrauen? Es gibt so viele Fragezeichen.“

Seine Frau gab den Anstoß: „Da musst Du Dich einbringen!“

In dieser Logik fordert er nun mehr Freiheitsrechte: „Man sollte die Menschen selbst entscheiden lassen, ob sie eine Maske tragen oder nicht.“ Auf den Einwand, die Maske schütze eben auch Mitbürger, entgegnet Berthold: „Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass die Maske keinen Schutz vor einer Ansteckung bietet.“ Von Virologen will er gelernt haben, „dass das Virus auch durch die Gewebemaschen hindurch gelangt“.

Berthold kündigt eine Fortsetzung seines öffentlichen Wirkens für die Querdenken-Bewegung an. Seine Frau Britta Schwalenberg habe ihn zu seinem Auftritt in Stuttgart inspiriert. Die TV-Moderatorin schätzt „Ritter“ und „Helden“ wie ihren Mann. Das ist auf ihrer Homepage zu lesen. Sie nennt sie „die Unangepassten und die Unbequemen“. Und sie war selbst bei der großen Querdenken-Demo am ersten Augustwochenende in Berlin dabei. Danach empfahl sie ihrem Gatten: „Da waren so viele klare und tolle Leute, da musst du dich mit einbringen!“

Thomas Berthold hat keine politischen Ambitionen. Er trägt sich nicht mit dem Gedanken, den Widerstand der Querdenker in einer Partei zu bündeln: „Das hatte ich nie vor.“ Zur Medienlandschaft sagt er: „Man macht schnell irgendwelche Schlagzeilen.“ Das Ganze gehe so weit, dass er als Rechtsradikaler, Antisemit, Corona-Leugner oder Esoteriker bezeichnet werde. Das sei absurd: „Ich bin weder das eine oder das andere.“ Allerdings: Im Jahr 1999 machte er Werbung für den Online-Buchhandel „buecher.de“ und nannte dabei die „Geheimgesellschaften und ihre Macht im 20. Jahrhundert“ als sein Lieblingsfachbuch. Autor des Buches ist der antisemitische Bestsellerautor Jan Udo Holey alias Jan van Helsing. Davon distanziert er sich heute: „Mein Lieblingsbuch heißt „Ein Kampf um Rom“ von Felix Dahn“, sagt Berthold.

Die Leute sollen endlich aufwachen, fordert Berthold

Im Grunde habe er nur eine Mission: „Ich will helfen, dass die Leute endlich aufwachen. Dass sie endlich anfangen, kontrovers zu diskutieren.“ Und von den Politikern wünscht er sich, „dass sie bei ihren Maßnahmen die Verhältnismäßigkeit wahren. Denn wir haben nachgewiesen keine Übersterblichkeit im Vergleich zu den Vorjahren“.

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