„Der rote Schatten“ RAF-Tatort aus Stuttgart: Der Terror lebt weiter

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Zurück nach Stammheim: Dominik Grafs Stuttgarter „Tatort“-Krimi „Der rote Schatten“ über die RAF ist ambitioniert – und mitunter anstrengend.

40 Jahre liegen der Deutsche Herbst und die Todesnacht von Stammheim zurück. Die Folgen dieser traumatischen Zeit beeinflussen den aktuellen Fall der Kommissare Lannert (Richy Müller) und Bootz. Foto: SWR 20 Bilder
40 Jahre liegen der Deutsche Herbst und die Todesnacht von Stammheim zurück. Die Folgen dieser traumatischen Zeit beeinflussen den aktuellen Fall der Kommissare Lannert (Richy Müller) und Bootz. Foto: SWR

Stuttgart - Nicht nur Verschwörungstheoretiker sind bis heute überzeugt, dass Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in ihren Zellen in Stammheim ermordet wurden – vom Staat. Falls sie sich je doch selbst töteten, haben die Behörden womöglich tatenlos zugesehen. Waren die Zellen verwanzt und die Pläne der RAF ­bekannt?

Der Schatten der RAF reicht bis in die Gegenwart, weshalb der SWR das Thema aufgegriffen hat: Der neue „Tatort“-Krimi „Der rote Schatten“ kehrt in die düsteren Siebzigerjahre zurück. Wenn man dem Drehbuchautor Raul Grothe und dem Regisseur Dominik Graf aber glauben darf, muss man die Gespenster nicht wieder zum Leben erwecken – denn sie leben noch mitten unter uns.

Eine Frau kommt in der Badewanne zu Tode. Ein Unfall, so das offizielle Urteil. Aber der Ex-Mann ist überzeugt, dass sie von ihrem neuen Freund (Hannes Jaenicke) ermordet wurde. Obwohl die Oberstaatsanwaltschaft den Fall gern auf sich beruhen ließe, nehmen Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare) die Ermittlungen auf – und damit nicht nur den Kampf gegen einen Mörder, sondern auch gegen das LKA, gegen den Verfassungsschutz, den Staat.

Graf arbeitet mit schnellen Schnitten

Dominik Graf ist mit Ehrgeiz an die Sache gegangen. Er hat nicht nur die Zellen in der JVA Stammheim nachbauen lassen und historische Szenen nachgedreht, sondern nutzt auch originales Filmmaterial, sei es von der Beerdigung der Terroristen auf dem Stuttgarter Dornhaldenfriedhof, sei es vom Schauspiel Stuttgart, das Geld sammelte für eine Zahnbehandlung der RAF-Mitglieder. In schnellen Schnitten wird das Material ineinander montiert, ohnehin setzt Graf auf stete Schnitte, zerlegt Autofahrten in zahllose Bilder, zersplittert Dialoge zu einem bunten Kaleidoskop.

Dadurch gerät „Der rote Schatten“ mitunter anstrengend, zumal auch die ­Geschichte vertrackt ist. Denn wer ist dieser Wilhelm Jordan, der seine Freundin womöglich ermordet hat, ein aggressiver Zeitgenosse ist und Frauen schlägt? Ist er eines der letzten RAF-Mitglieder? Ist er ein V-Mann? Oder ist er gar beides? Lannert und Bootz kämpfen sich durch das Dunkel und die Abgründe des Deutschen Herbsts, die sich am Ende lichten mögen. Die bittere Botschaft ist trotzdem deutlich: Der Staat macht gemeinsame Sache mit seinen Feinden – immer noch.

ARD, Sonntag, 20.15