Der satirische Blick auf 2016 im Kreis Göppingen Endlich krempelt einer die Ärmel hoch

„And the winner is – Crise Goppingen“, heißt es in Hollywood. Ein Oscar wandert bestimmt ins Filsland. Foto: EPA
„And the winner is – Crise Goppingen“, heißt es in Hollywood. Ein Oscar wandert bestimmt ins Filsland. Foto: EPA

Von wegen Stillstand. Das Jahr 2016 bringt dem Kreis Göppingen große Fortschritte, Preise über Preise und wird dabei (fast) Stähle-frei – wetten?

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Göppingen - Der Blick in die Kristallkugel ist gar nicht nötig. Die StZ-Redaktion hat schon jetzt die Schlagzeilen für das Jahr 2016 getextet und ist selbst überrascht, wie gut alles läuft.

4. Januar: Einer fängt schon mal an. Eigentlich haben die Bundstagsabgeordneten ja noch Weihnachtsferien. Nicht so jedoch der CDU-Mann Hermann Färber, der in diesem Jahr jede freie Minute nutzen will, um den Albaufstieg der A 8 zu bauen. Nach 128 Mal „stark machen“ und 43 Mal „einsetzen“ hat der Böhmenkircher Schaffer die Faxen dicke und fängt – unter kreisweiter Beachtung – oberhalb von Mühlhausen schon an zu buddeln. Sehr zupasskommt ihm ein Weihnachtsgeschenk der Familie: eine Schubkarre, welche die Aufschrift „Trotz Dobrindt“ tragen soll.

14. Januar: Der Landkreis will superfreundlich werden. In seiner Neujahrsansprache kündigt der Landrat Wolff ein ehrgeiziges Programm an. Nach der Auszeichnung als familien- und fahrradfreundlichster Landkreis strebe er in diesem Jahr an, auch zum innovationsfreundlichsten, seniorenfreundlichsten und singlefreundlichsten Landkreis aufzusteigen. Ganz aktuell verweist er auf die Zeitschrift „Haus + Hund“, in der der Schlosspark zum besten Hundeklo Deutschlands gekürt wird.

12. Februar: 100-Beutel-Marke durchbrochen. In der Göppinger Nordstadt wird an diesem Tag gefeiert. Das neue Konzept, den Biomüll in kleinen blauen Säckchen separat abholen zu lassen, ist der absolute Kracher. Jetzt wurde die 100-Beutel-Marke durchbrochen, was einer durchschnittlichen Stückzahl von 3,22 pro Abfuhrtag entspricht – für das gesamte Viertel zwischen Hauptstraße und Hailing wohlgemerkt. Landrat Edgar Wolff spricht von einem „überzeugenden Resultat, das uns zwar noch Luft nach oben lässt, aber doch von einer tollen Resonanz in der Bevölkerung zeugt“. Den kurzen Festakt nutzt die Kunsthalle für eine Performance unter dem Titel „Such.Blau!“.

28. Februar: Oscar geht nach Göppingen. Roter Teppich in Los Angeles, großer Jubel an der Fils. Der Oscar für das beste Drehbuch geht an den Landkreis Göppingen. Der Haushaltsplan des neuen Jahres sei der heißeste Fantasystreifen seit den Teletubbies, so die Jury. Es sei atemberaubend, wie sich bei der Herabsetzung der Kreisumlage die dunkle Seite der Macht durchgesetzt habe. Der Landrat Edgar Wolff erhält außerdem den Oscar für die beste Nebenrolle.

13. März: Einzug geschafft. Beim Super-Wahl-Sonntag in Eislingen ist ein klein bisschen was durcheinander geraten. Mit 51,8 Prozent der abgegebenen Stimmen hat die Bürgerinitiative Hirschkreuzung den Einzug in den baden-württembergischen Landtag klar geschafft. Dafür darf ein schwarz-gelb-rot-grüne Koalition den in der Bevölkerung umstrittenen Kreisverkehr bauen und die von ihr ungeliebte Unterführung endgültig zuschütten. Einen Landeszuschuss weiß die Bürgerinitiative zu verhindern.

2. April: Verscherzt. Der feierliche Spatenstich für das Einkaufszentrum an der Bleichstraße vom Vortag entpuppt sich als gemeiner Aprilscherz.

28. April: Tatkräftige Unterstützung. „Hermanns kleine Autobahnbaustelle“ – landesweit beachtet und immer noch oberhalb von Mühlhausen – soll einen Schub bekommen. Färber schuftet dort ab sofort nicht mehr alleine, sondern bekommt tatkräftige Unterstützung durch seine SPD-Kollegin Heike Baehrens. Als weiterer Buddler ist der Landrat Edgar Wolff angefragt. Auf eine Unterstützung durch die Landtagsabgeordneten aus dem Stauferkreis wird hingegen bis auf Weiteres verzichtet, weil befürchtet wird, dass sich die CDU-Frau Nicole Razavi und der SPD-Mann Sascha Binder gegenseitig mit Dreck bewerfen könnten.

18. Mai: Ein neue Untersuchung. Das geplante Einkaufszentrum in der Göppinger Bleichstraße soll jetzt wirklich gebaut werden. Allerdings nicht in der Bleichstraße. Die Bauherrschaft hat der Stadt angeboten, ein weiteres städtebauliches Gutachten sowie eine simulierte Verkehrszählung mit prognostizierter Kundenstrom-Analyse in Auftrag zu geben. Wo das EKZ letztlich entstehen werde, könne erst mit absoluter Gewissheit gesagt werden, wenn die Ergebnisse vorliegen. Dies soll bereits im Juli der Fall sein – in welchem Jahr ist noch unklar.

23. Mai: Land unter. Kein neues Jahrhunderthochwasser an der Fils, sondern reinstes Mineralwasser aus dem Sauerbrunnen überschwemmt die Baugrube vor dem Göppinger Bahnhof, wo die Stadt eine Tiefgarage bauen lässt. Der OB verhängt einen Baustopp, erntet allerdings für das Missgeschick nicht nur Gelächter. Die Wasserschutzpolizei, von der Polizeireform auf dem Gelände der Bepo angesiedelt, jubelt, dass sie endlich nicht mehr auf dem Trockenen liegt.

20. Juni: Landratsamt 2016. Der Landrat schwenkt um. Das Landratsamt soll zunächst einmal nicht saniert, sondern angesichts immer neuer Flüchtlingswellen komplett als Unterkunft zur Verfügung gestellt werden. Die KfZ-Zulassungsstelle wird in diesem Zuge zur Gemeinschaftsdusche umgebaut. Die Landkreisverwaltung beantragt derweil Asyl im ehemaligen Müttergenesungsheim bei Oberböhringen auf der Alb. Dort soll es ähnlich ruhig zugehen wie das früher im Beamtenstand der Fall war.

31. Juli: School’s out forever. Göppingen hält sich an die von Alice Cooper vorgesungene Devise – und macht ihre Schulen für immer dicht. Da sich die Stadträte im März wieder einmal nicht auf eine vernünftige Schulkonzeption hatten einigen können, werden alle Haupt-, Werkreal- und Realschulen der Stadt geschlossen. Die Freien Wähler begrüßen diesen sozialen Akt ausdrücklich, denn nun sind nicht nur alle Teenager gleichwertige Gymnasiasten. Nein, das Land gibt dafür auch mehr Zuschüsse. Wenn sich das mal nicht lohnt. . . 

5. August: Medaillenregen am Hohenstaufen. Schon wieder ein Preis für den Kreis. Der Landrat zeichnet sich selbst für seine Verdienste um den Hohenstaufen mit der Irenenmedaille aus. „Was wäre der Hohenstaufen ohne uns“, begründet er seine Wahl.

16. August: Und alle machen mit. Hermann Färber hat’s geschafft. In einer bundesweit bespielhaften Aktion geht es mit dem Albaufstieg der A 8 in Riesenschritten voran. Der Landrat und fast alle Kreisräte haben eine Woche von ihrem Urlaub abgeknapst, um Baustellenferien zu machen. Auch die hiesigen Landtagsabgeordneten ergehen sich nicht mehr in gegenseitigen Schuldzuweisungen, weshalb nichts vorwärts geht. Sie haben das Kriegsbeil begraben und graben ihrerseits tüchtig mit.

12. September: Närrischer Umzug. Die Eislinger Verwaltung bezieht ihr neues Rathaus in der Mitte der Stadt. Nur kurz entsteht Chaos, weil die mit Kartons bepackten Mitarbeiter das Millionen teure Vorzeige-Rathaus nicht auf Anhieb finden. Bekanntlich haben die Stadtväter den Neubau chamäleonartig versteckt hinter einer alten Apotheke und einem neuen Geschäftshaus bauen lassen.

7. Oktober: Der Oberbürgermeister bleibt am Ball. Während der Göppinger Oberbürgermeister Guido Till als „Tor des Monats“ ausgezeichnet wird, hat der Landkreis Göppingen den zweiten Preis in einem Schönheitswettbewerb gewonnen. Er darf 200 Mark einziehen und bis zum Opernplatz vorrücken.

24. November: Sie haben fertig. Ein Wahnsinn! Der neue Albaufstieg der Autobahn zwischen Mühlhausen und Hohenstadt ist fertig. Zum Abschluss des europaweit beachteten Do-it-yourself-Kultprojekts haben selbst die Minister und Staatssekretäre aus Land und Bund noch den Spaten geschwungen. Einerseits ist Hermann Färber, wie er selbst sagt, „geschafft, aber überglücklich“. Andererseits wisse er nun nicht mehr so recht, wofür er sich in diesem Dezember „stark machen und einsetzen“ solle.

15. Dezember: Liebesgrüße aus Augsburg. Doch noch ein Lebenszeichen vom Projekt Einkaufszentrum Bleichstraße. Die Investorenfamilie Schenavsky schickt eine Weihnachtskarte. Derweil hat der Volksmund im Anbetracht der fortschreitenden Verwahrlosung der Bleichstraße die geplante Staufen-Galerie in Saufen-Galerie umgetauft.

30. Dezember: Alles vorbei. Leider erweist sich das A-8-Albaufstiegs-do-it-yourself-Leuchtturmprojekt als Schuss in den Ofen, hatte man sich davon doch zusätzliche Touristen im Landkreis erhofft. Stattdessen fahren alle staufrei am Filstal vorbei. Nachdem in Kürze auch die ICE-Trasse fertig gestellt sein wird, ruhen fortan alle Hoffnungen, die Menschen noch im Kreis Göppingen halten zu können, auf dem fortgesetzten Nichtausbau der B 10. Die Zeichen stünden gut, propagiert Färber und kündigt an, sich ab sofort für einen weiteren innovativen Stillstand stark zu machen und sich gegebenenfalls nachhaltig dafür einzusetzen.

31. Dezember: Die Rückkehr des LiPi-Ritters. Ein gewisser Christian Stähle meldet sich und fragt, warum er im ganzen Jahr 2016 keine Schlagzeile wert gewesen sei. Der Göppinger Linken-Stadtrat droht mit Presserat, Regierungspräsidium und FDJ. Außerdem liege beim Polizeiposten Hohenstadt eine Anzeige gegen die StZ vor. Sie wird aber zurückgezogen, weil die Redaktion für 2017 Besserung gelobt.Aber was sind schon Vorsätze?




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