Der Schulbauernhof in Täferrot Mathe mit Huhn

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Die kleine Grundschule der kleinen Gemeinde Täferrot im Ostalbkreis hat sich einen eigenen kleinen Bauernhof eingerichtet. Der Erfolg des einzigartigen Projekts ist riesig.

Kraftakt: der Mist muss raus. Foto: Andreas Reiner
Kraftakt: der Mist muss raus. Foto: Andreas Reiner

Täferrot - Was das Beste ist, also das ist nicht so einfach zu beantworten. Ist es das Spazierengehen mit den Ziegen, wie Laura meint? Sie führt immer die ­rebellische Bärbel an der Leine. Oder war es der Tag, an dem eines der Hühner ein Ei im Ziegenstall gelegt hat? Giada findet das noch immer ­total komisch. Lukas erinnert sich extrem gerne daran, wie sie mal versucht haben, ein ausgebüxtes Schaf einzufangen. „Das war cool.“ Und Emilia wird nie die Nacht vergessen, in der sie im Stall übernachtet hat. „Die Tiere haben dauernd geraschelt.“ Wer der Grundschule in Täferrot einen Besuch abstattet, findet ganz schnell 51 Dinge, die hier am besten sind. Exakt so viele wie Kinder, die in dieser Grundschule unterrichtet werden. Was zu einem weiteren besten Ding führt, vielleicht sogar dem allerbesten: Alle gehen sehr, sehr gerne in ihre Schule.

Zur Grundschule von Täferrot gehört außer einem rot angemalten Schulhaus ein ziemlich großer Stall für vier Schafe und acht Ziegen und ein etwas kleinerer für an die 18 Hühner. Außerdem wohnen dort zwei Hasen, zwei Katzen und drei Völker Bienen. Es gibt eine Weide mit vielen Obstbäumen, Beete, in denen Kartoffeln wachsen, und eine Küche, in der Marmelade gekocht und Honig geschleudert wird. Alles, was auf dem Gelände zu sehen ist, haben die Schüler selbst gemacht. Alles, was zu tun ist, erledigen sie selbst. Auch in den Ferien.

Einen Schulbauernhof wie den in Täferrot gibt es in Baden-Württemberg kein zweites Mal. Dass die kleine Schule im zweitkleinsten Ort des Ostalbkreises ihn einrichten konnte, ist nicht ganz leicht gewesen. Dass sich die Arbeit gelohnt hat, sagt heute jeder, der damit zu tun hat. Bei Marlon klingt das etwa so: „Es ist voll krass hier!“

Robin weicht altes Brot ein

Elias schiebt mit einem Bein sachte die Hühner beiseite und bugsiert seine kleine Schubkarre in ihr Außengehege. Frischer Badesand. „Hühner sind ja wasserscheu“, erklärt der Zehnjährige und schaufelt weiter. Im Innengehege weicht ­Robin altes Brot in Wasser ein. „Des flutscht den Hennen besser durch den Hals“, sagt der Zweitklässler, der auch eine Portion Rest-Spätzle vom Mittagessen mitgebracht hat. Davon kriegen sie allerdings nicht so viele. Sonst werden sie zu fett. Und dann gibt es auf der Ausstellung der Kleintierzüchter ganz bestimmt keinen Pokal. Letztes Jahr haben die altrassigen Vorwerkhühner aus Täferrot hervorragend abgeschnitten. Giada füllt frische Körner in den Futter- und frisches Wasser in den Wasserspender und fegt die alten Körner und die getrocknete Hühnerkacke zusammen, als hätte sie nie etwas anderes getan. Dabei hatte sie anfangs Schiss, die Tiere würden nach ihr picken, wenn sie ihnen zu nahe kommt. Aber das ist schon bald kein Thema mehr. Wenn sie in die fünfte Klasse geht, werden ihr die Hühner fehlen, so viel ist sicher. Und alle anderen Tiere auch.

Früher, als Selbstversorgung noch selbstverständlich war, bekam jedes Kind mit, wie wichtig es war, im Frühjahr Samen zu setzen, im Sommer Pflanzen zu pflegen und im Herbst Obst und Gemüse zu ernten. Und jedem Kind war klar, dass es Erdbeeren nur im Sommer geben kann und Rosenkohl nur im Winter. Dann wurden die kleinen Höfe weniger, das Angebot riesiger und die Natur-Analphabeten mehr. Kühe waren lila und Enten gelb. Ananasse kamen aus dem Flugzeug, und ein Schnitzel war immer schon ein Schnitzel.