Der Schwabe Manuel Bühler Ehemaliger Profi-Kicker will christlichen Glauben in der Fußballwelt verbreiten

Manuel Bühler war Fußballprofi beim 1. FC Nürnberg und 1860 München. Foto: Wolfgang Albers

Manuel Bühler aus Entringen war ein Profi-Kicker. Heute verbreitet er den christlichen Glauben in der Fußballwelt.

Eigentlich ist Felix Uduokhai Zuschauermassen gewöhnt – auch weniger wohlgesonnene. Der Bundesliga-Profifußballer hat schon 65 000 erzürnte Fans erlebt, als er im Team von 1860 München war, das das entscheidende Spiel gegen den Abstieg aus der Zweiten Bundesliga vergeigte. Da waren neulich die rund 5000 Menschen, fast nur Jugendliche, im großen Zelt auf dem Gelände der Aidlinger Schwestern ein viel dankbareres Publikum. Und doch bekannte der 27-jährige Uduokhai: „Ich war selten so nervös.“ Denn er sprach nicht über Punkte, Tore, Meisterschaften oder Niederlagen. Sondern seinen Glauben. Das kann ein sehr heikles Thema sein.

 

Christian Köppel hat es erlebt. Auch er war Spieler bei 1860 München und hat dort einmal in die Whatsapp-Gruppe des Teams einen Link gepostet, zum christlichen Film „Gott ist nicht tot“. Das kam gar nicht gut an. Was denn der Scheiß solle, wurde er prompt von seinen Mitspielern angemacht. Und wenn er in die Kabine trat, bekam er schon mal ironisch zu hören: „Der Papst kommt.“

Tausende Jugendliche auf das Gelände der Aidlinger Schwestern

Kann man sich gut vorstellen. Fußballer – das sind doch die harten Jungs, die schon intern fighten müssen, um nicht auf der Ersatzbank zu landen oder der Resterampe des Transfermarktes, und die auf dem Platz auf Gegenspieler treffen, die einem erst mal mit Trash-Talk provozieren wie einst den dann mit Kopfstoß ausrastenden Zinedine Zidane und, wenn das nicht reicht, einem eisern die Socken polieren. Was fangen die schon an mit Worten wie denen, die Felix Uduokhai im Zelt von sich gibt? „Ich bin dankbar, in Christus Erfüllung zu finden.“

Gar nichts, oder? Nicht unbedingt, sagt Manuel Bühler. Der 32-Jährige aus Ammerbuch-Entringen hat einige Stationen im Profifußball hinter sich – und hat jetzt Felix Uduokhai auf das Treffen geholt, das jedes Jahr tausende Jugendliche auf das Gelände der Aidlinger Schwestern strömen lässt, zu Gottesdiensten und Vorträgen.

Denn inzwischen hat Manuel Bühler sozusagen ein eigenes Team. Felix Uduokhai ist dabei, der beim Erstligisten FC Augsburg spielt und auch schon mal bei der Nationalmannschaft war. Und Giovanna Hoffmann, Bundesliga-Spielerin beim SC Freiburg. Und Zweitliga-Spieler wie Johannes Reichert, Kapitän der Ulmer SSV-Fußballer. Und Ex-Profis wie Christian Köppel, jetzt Jugendtrainer beim FC Augsburg. Oder Christian Derflinger, den die Münchner Bayern schon als 14-Jährigen für 280 000 Euro geholt hatten.

Mit 16 Jahren kommt er ins Internat des 1. FC Nürnberg

Sie alle haben jetzt eine Art Zweitverein: „Fußball mit Vision“. Bühler hat dieses Projekt gegründet. Das, kurzgesagt, Fußball und Religion verbinden will. „Wir erreichen Menschen mit dem Evangelium durch den Profifußball.“ Und das jetzt zur Fußball-EM in die Missionsoffensive geht: „Das ist eine gute Gelegenheit, von Jesus zu erzählen.“

Dieses Ziel hatte Manuel Bühler in seinen jungen Jahren nicht im Geringsten interessiert. Da gingen die Visionen des begabten Spielers des TGV Entringen in eine ganz andere Richtung. Fußball war sein Leben: „Ich habe im Stadion die Spieler gesehen, wie sie bejubelt werden. Die Anerkennung, die sie bekommen, das viele Geld – das war für mich schon attraktiv. Da wollte ich auch hin, wollte auch Erste Bundesliga spielen.“

Den Traum haben viele, aber Manuel Bühler war tatsächlich talentiert. Schon als 16-Jährigen holte ihn der 1. FC Nürnberg in sein Internat. Bald spielte er auch in der zweiten Männermannschaft und trainierte bei den Bundesliga-Profis mit.

Reicht es für die Bundesliga?

„Aber das kostet auch etwas“, sagt Manuel Bühler. „Mit 16 Jahren das Zuhause verlassen, das war nicht so leicht.“ Und das Leben auf dem Platz sowieso nicht. Einmal wurde er gegen einen Stürmer gestellt, der beim Publikum eher als Niete galt. Na, den bekomm ich schon in den Griff, dachte sich Manuel Bühler. Dann spielte der Stürmer Manuel Bühler so schwindlig, dass ihm klar wurde, wie weit der Weg zur Spitze ist.

Reicht es für den Bundesligakader? Die Nürnberger waren sich nicht sicher – und schauten sich Bühler in einem Testspiel noch einmal an. Da spielte er einen Fehlpass, der gegnerische Stürmer nutzte das für ein Tor. Nürnberg entschied sich gegen Bühler.

Keine 18 war er da – und frustriert: „Da merkt man, dass das Fußballleben doch nicht so stabil ist, wie man sich das erhofft.“ Familie und Freunde waren da eine Hilfe – und der Verein „Sportler ruft Sportler“ (SRS). Eine Missionsbewegung unter Sportlern, vom Stuttgarter Motorradfahrer Helmfried Riecker im Jahr 1971 gegründet, mittlerweile ein Verein, der Sportler begleiten möchte – und dabei auch das Thema Gott anspricht. Wie das ein SRS-Sportmentor tat, der Manuel Bühler in Nürnberg mal zum Essen einlud. Der Fußballspieler kommt aus einem gläubigen Haus, war aber alterstypisch in der Kirche eher jemand, der ungeduldig auf die Uhr guckte: „Ich konnte damals nicht verstehen, wie Menschen freiwillig in der Bibel lesen.“

Sein Idol war Zé Roberto

Immerhin war ihm der SRS nicht unbekannt. Der Verein hat nämlich eine Kickerbibel herausgegeben, in der Profifußballer von ihrem Glauben erzählen. Manuel Bühlers Mutter hatte ihm beim Essen daraus vorgelesen, in der weisen Erkenntnis: „Wenn ich was erzähle, interessiert ihn das nicht, aber Fußballern hört er vielleicht zu.“

Also: Der SRS-Sportmentor traf auf einen nicht völlig abweisenden Jungkicker. Der ja auch schon seine Erfahrungen gemacht hatte: „Mein Wert war völlig abhängig vom Fußball. Man hat sich sehr darüber definiert, dass es da gut läuft, dass man wer ist, dass man erfolgreich ist, wie die Leute über einen denken.“ Der Sportmentor erzählte ihm, wie für ihn Sport und Glaube zusammenhängen, und Manuel Bühler ging beeindruckt zurück auf sein Internatszimmer: „An dem Abend war ich ziemlich berührt.“

Und er erfuhr, dass sein Jugendtraum, zu den Top-Fußballern zu gehören, sich auch anders verwirklichen ließ. Der Sportmentor lud ihn zu einem Sportlergottesdienst ein, und dort traf er Spieler von Schalke oder Dortmund, und der Prediger war Zé Roberto, ein brasilianischer Weltstar, der unter anderem bei Bayer 04 Leverkusen und beim FC Bayern München gekickt hatte: „Der war schon immer mein Idol.“

Der Wenn-Dann-Modus funktioniert nicht

Zé Robertos Botschaft hat Manuel Bühler verinnerlicht: „Ihr Fußballer könnt euch alles leisten, jeden Wunsch erfüllen, jedes Vergnügen mitnehmen, das die Welt anbietet – aber seid ihr wirklich glücklich mit eurem Leben? Was bleibt davon, wenn es zu Ende ist?“ Und Bühler merkte: „Trotz all der Berühmtheit, trotz all des Geldes – die Grundfragen sind nicht geklärt: Was gibt meinem Leben Sinn, was passiert, wenn ich sterbe?“

Manuel Bühler spürte es selber: Der Wenn-Dann-Modus funktioniert nicht. „Wenn ich mal den Sprung geschafft habe, in die nächste Mannschaft, in den höheren Verein, dann habe ich alles erreicht. Aber da ist dann gar nichts außer dem Wunsch nach dem nächsten Level, das dann die Erfüllung bringen soll.“ Glücklich und zufrieden wird man auf diese Weise nicht.

Und oft bricht die Sportkarriere auch ab. Nach dem Nürnberger Frusterlebnis hatte Manuel Bühler zwar noch einige gute Jahre bei 1860 München, stand wieder auf dem Sprung in die erste Mannschaft, aber diesmal zwangen ihn Verletzungen zur Einsicht: Er muss aufhören. Der Fußballtraum war endgültig geplatzt, aber bei allen Rückschlägen habe ihn der Glaube aufgefangen: „Dass da jemand ist, in dessen Hand ich bin – da ist ein Weg, der für mich weitergeht.“

Ein Netzwerk für religiöse Fragen

Seine Schwester hat diesen Weg eingefädelt. Sie ist Lehrerin, hat den Bruder mal in ihre Klasse eingeladen: „Wenn ein Fußballer kommt, hören die Schüler zu.“ Manuel Bühler, der schon mit seinem Schicksal haderte, wollte zunächst nicht, doch die Schwester blieb hartnäckig. „Das hat mir dann richtig viel Freude gemacht“, erzählt er. „Und als in der nächsten Schule mir die Schüler meine Veranstaltung gestürmt haben, habe ich gemerkt: Das könnte eine Berufung für mich sein.“

So hat er in Zusammenarbeit mit SRS „Fußball mit Vision“ entwickelt. Manuel Bühler geht deutschlandweit in Schulen, nimmt dort auch seine Kollegen mit oder schaltet sie dazu, betreut Fußballer in praktischen und religiösen Fragen und hat ein Netzwerk aufgebaut, das sich zum Beispiel zu Fußballer-Gottesdiensten trifft.

Vier Fußballexperten beten

Oder mitmacht wie auf dem Aidlinger Gelände, wo er sich mit Felix Uduokhai, Christian Köppel und Christian Derflinger zum Kreis einhakt wie vor einem Fußball-Match – nur dass jetzt kein Schlachtruf herausgebrüllt wird: Die vier Männer beten. Und erzählen anschließend auf einer Bühne von ihrem Weg. Der ja nicht geradlinig war.

Gläubige Fußballexperten (von links): Felix Uduokhai, Christian Derflinger, Christian Köppel, Manuel Bühle Foto: Wolfgang Albers

„Was soll ich da?“, hat Felix Uduokhai die ersten Einladungen zu Sportlergottesdiensten abgewehrt: „Ist das irgend so eine Sekte?“ Aber dann habe er eine Gemeinschaft erlebt und einen anderen Umgang als sonst üblich im konkurrenzorientierten Fußball: „Da wollte ich ein Teil davon sein.“ Weil es auch schützt: „Es gibt meinem Leben Wert und Sinn, egal, was die Zeitungen schreiben, egal, ob ich gut oder schlecht gespielt habe.“

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