Der Schwäbisch-Fränkische Wald Der Landrat blickt zurück

Rems-Murr: Martin Tschepe (art)
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Es hat sich einiges getan, seit sich die Gegend mit dem Titel Naturpark schmücken darf. In den romantischen Tälern wurden Wanderwege beschildert und Mühlen saniert, im Wald Spiel- und Grillplätze gebaut. Die Fassaden von Fachwerkhäusern in den Dörfern wurden herausgeputzt, E-Bike-Stationen, Herbergen und Dauerausstellungen eröffnet. Die Seen, die einst als Regenrückhalten angelegt worden sind, wurden für Touristen erschlossen, Ferienwohnungen zertifiziert.

Szenenwechsel. Horst Lässing, der von 1973 bis 2002 Rems-Murr-Landrat war, sitzt in der Wohnstube seines Einfamilienhauses in Waiblingen und erinnert sich mit einem Grinsen im Gesicht an die Jahre vor der Gründung des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald. Damals war ihm nicht immer zum Grinsen zumute.

„Wenn der Landrat das nächste Mal in den Wald kommt, dann binden wir ihn an einem Baum fest. Dann kann der Lässing hier Wurzeln schlagen.“ Der Mann, der den Kreischef Mitte der siebziger Jahre an einer Eiche festzurren wollte, war der damalige Vorsitzende des Waldbauernvereins Murrhardt. Die Stimmung in der schwäbischen Kleinstadt und in den Umlandkommunen war Ende der 1970er Jahre explosiv.

Angst vor der Veränderung

Der Christdemokrat Lässing, nunmehr 76 Jahre alt, erzählt von einer Sitzung in Sulzbach: „Da hat die Volksseele gekocht“, die Waldbesitzer seien wütend gewesen. Der Oberforstmann und seine Mitstreiter wollten die Ausweisung des Naturparks mit allen Mitteln verhindern. Er habe sich „mit der Mistgabel bedroht gefühlt“.

Die Bauern hatten damals Angst vor der Veränderung. Sie wollten, schrieben sie Lässing, so wie ihre Vorfahren seit vielen Jahrhunderten in den Wald gehen dürfen, „nur mit der Axt, nicht mit dem Gesetzbuch“. Es dauerte einige Jahre, bis die Landwirte erkannten, dass kein Staatsdiener im Naturpark auftaucht, um sie mit behördlichen Vorgaben zu drangsalieren.

In alten Zeitungsartikeln und in vergilbten Protokollen aus dem Archiv des Naturparkzentrums in Murrhardt wird die „Furcht vor der Käseglocke“ thematisiert. Die Waldbauern und mit ihnen einige Kommunalpolitiker haben befürchtet, dass nach der Ausweisung des Naturparks manches zum Stillstand kommen könnte: die Holzproduktion, die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen, das Wachstum der Städte und Gemeinden.




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