Der Schwurwald von der EU geschützt Der Plan für das Naturidyll steht

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Landbesitzer müssen künftig extensiv wirtschaften. Seit diesem Jahr wacht die EU über Teile des Schurwalds.

Der Schurwald dient auch den Erholungssuchenden. Prächtige Laubwälder geben den Blick auf die Schwäbische Alb und die Burg Hohenneuffen frei. Foto: Rudel- Regenscheit
Der Schurwald dient auch den Erholungssuchenden. Prächtige Laubwälder geben den Blick auf die Schwäbische Alb und die Burg Hohenneuffen frei. Foto: Rudel- Regenscheit

Region Stuttgart - Eine der letzten Kommunen, die dem Natura-2000-Management-Plan für den Schurwald zugestimmt hat, war die Stadt Plochingen. Seit Januar steht nun das Planwerk des Regierungspräsidiums Stuttgart, das die Schurwald-Flächen in den Kreisen Esslingen, Rems-Murr und Göppingen umfasst. Vorrangig geht es zwar um Buchenwald als schützenswertes Naturgut, aber nicht ausschließlich. Denn auf etwa 54 Prozent der jetzt geschützten Flächen stehen keine Bäume. Zumeist handelt es sich um Flachlandmähwiesen, die schönsten und artenreichsten befinden sich beispielsweise in Baltmannsweiler-Hohengehren im Kreis Esslingen oder in Schlichten, einem Stadtteil von Schorndorf im Rems- Murr-Kreis. Es sind aber auch biologische Kuriositäten dabei, wie eine kleine Niedermoorfläche im Nassachtal bei Ebersbach im Kreis Göppingen.

Keine Nutzung mehr als Holzplantage

Seit 2015 hat das Stuttgarter Regierungspräsidium an dem Plan gearbeitet, angestoßen hatte das Planwerk die Europäische Union. Die Biologin Dagmar Mödinger hat im Auftrag der Landesregierung mit ihrem vierköpfigen Team etliche Informationsveranstaltungen zum Thema bestritten und in den vergangenen vier Jahren versucht, Vorbehalte bei den Landbesitzern auszuräumen. Denn die Flächen können weiter bewirtschaftet werden, aber nur noch extensiv, eine intensive Nutzung als Ackerfläche oder Holzplantage scheidet damit für immer aus.

Für die Stücklesbesitzer ist die Einstufung ihrer Flächen mitunter ein Problem. Zwar kann man den allerwenigsten Bürgern unterstellen, sie würden bewusst die Natur schädigen wollen, aber es gibt eben Interessenskonflikte. An einer ganz anderen Stelle, auf der Schwäbischen Alb nämlich, war ein Konflikt besonders heftig: Unvergessen ist Fall der Eselin Elisabeth, die auf einer Flachlandmähwiese beim Schopflocher Moor weidete.

Nach den Vorstellungen der unteren Naturschutzbehörde dürfen Flachlandmähwiesen lediglich gemäht werden, und die Mahd muss dem Vieh in die Futterkrippe gelegt werden. Nach den Vorstellungen des Besitzers würde erst die Beweidung das ökologisch wertvolle Biotop erhalten. Immerhin: die Eselin Elisabeth hatte damals in zweiter Instanz gesiegt und durfte weiter im Freien grasen.

Auch die Waldbesitzer müssen unter den Richtlinien des Natura-2000-Management-Plans extensiv arbeiten. Das heißt, sie müssen Totholz und ausreichend Altholz auf ihren Baumgrundstücken stehen lassen. Denn nur in den älteren Bäumen nisten sich Fledermäuse und Vögel ein.

Der Vogelschutz ist es auch, weswegen der Naturschutz auf der europäischen Ebene angesiedelt ist, sogar angesiedelt sein muss: „Vögel halten sich nicht an Grenzen“, sagt dazu Dagmar Mödinger. Aus europäischer Sicht erscheint auch der Buchenwald auf den Schurwaldhöhen in einem anderen Licht. In Deutschland ist Buchenwald beinahe inflationär vorhanden, aber eben ausschließlich in Deutschland. Europaweit ist der Buchenwald eher eine Seltenheit und darum schützenswert.

Landbesitzer können Fördergelder beantragen

Es hat für die Landbesitzer aber auch Vorteile, wenn man Flächen im Natura-2000-Management-Plan hat. Denn für einen Verdienstausfall oder für eine Mehrarbeit kann man Fördergelder beantragen. Für die Gemeinden bedeutet es unter anderem, dass diese Flächen nicht bebaut werden können. Sie könnten aber als Ausgleichsflächen für Baumaßnahmen dienen, die von den Gemeinden manchmal dringend benötigt werden. Darüber hinaus können diese Flächen verwendet werden, wenn die Kommunen untereinander eine Biotopvernetzung anstreben.

Auch die Stadt Plochingen hat in ihrer Stellungnahme den Managementplan grundsätzlich begrüßt. Sie hat nur darauf gepocht, dass die Forstwirtschaft nicht beeinträchtig werden dürfe, denn gerade die Waldwirtschaft habe zu den arten- und strukturreichen Lebensstätten geführt, die es heute zu schützen gelte.