Der Streit um ein Datenkabel bei Plieningen Kabel darf nicht verlegt werden

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Das Regierungspräsidium will nicht, dass ein Glasfaserkabel in ein Naturschutzgebiet verlegt wird. Das Kabel ist den Stuttgart-21-Bauarbeiten im Weg.

Das Kabel transportiert Daten fürs Internet und die Bundeswehr. Foto: Archiv
Das Kabel transportiert Daten fürs Internet und die Bundeswehr. Foto: Archiv

Plieningen - Die Antwort heißt Nein. Ein Datenkabel, das im Boden nahe des Stadtbezirks Plieningen verläuft, darf nicht ins Naturschutzgebiet Weidach- und Zettachwald verlegt werden. So hat es das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart jüngst entschieden. Die Lichtwellenleitung transportiert Daten für Internetnutzer und die Bundeswehr.

Wie mehrfach berichtet, liegt das Glasfaserkabel dem im Rahmen des Projekts Stuttgart 21 geplanten Fildertunnel im Weg. Daher hatte die Deutsche Bahn den Kabeleigentümer – die Interoute Germany – Ende vergangenen Jahres beauftragt, die Leitung zu verlegen. Der erste Schritt war allerdings, die Genehmigung zu bekommen. Und daran ist die Interoute Germany nun gescheitert.

Das Argument der Bahn hat nicht überzeugt

Die Behörde sieht keinen Anlass, die Verlegung vorzeitig zu genehmigen. Vorzeitig wären die Arbeiten gewesen, weil besagte Stelle in einem Planungsabschnitt für Stuttgart 21 liegt, der noch nicht amtlich ist. Das RP hatte den Antragsteller zunächst gebeten, „die wirtschaftliche und technische Notwendigkeit“ für den Kabeltransfer zu erläutern. „Die Dringlichkeit der Verlegung begründet sich dadurch, dass für die Baufeldfreimachung der ersten Baumaßnahmen in diesen Abschnitten die Genehmigung der Leitungsverlegung Voraussetzung ist“, erklärte ein Bahn-Sprecher im Januar gegenüber unserer Redaktion.

Das Argument hat das RP offensichtlich nicht überzeugt. Die Ablehnung ist wenige Tage später an den Antragsteller verschickt worden. Er sei bei der Gelegenheit „auf die Möglichkeit hingewiesen worden, das Befreiungsverfahren in den Planfeststellungsbeschluss einbeziehen zu lassen“, so das RP. Soll heißen, dass die Interoute Germany einen neuen Versuch starten kann, wenn das Planungsrecht für besagten Abschnitt des Milliardenprojekts verhandelt und festgelegt wird. Wann dies sein wird, ist aktuell noch nicht abzuschätzen. Es dürfte aber wohl noch in diesem Jahr geschehen.

Die Bahn hat das Verfahren bereits beim Eisenbahnbundesamt beantragt. „Im Rahmen des Verfahrens besteht für die Leitungsbetreiber die Möglichkeit, die gewünschte Umverlegung einzubringen“, sagt ein Bahn-Sprecher als Reaktion auf die Post des RP. Das klingt, als sei die Absage nicht sonderlich dramatisch. „Nein, gegenwärtig noch nicht“, bestätigt ein Mitarbeiter jene Firma, die die Kabelverlegung plant. „Aber die Dringlichkeit ist gegeben.“ Derzeit tüftele man am Plan B.

Die Naturschutzgruppen freuen sich

Des einen Leid ist des anderen Freud. Die Entscheidung des RP entspricht den Forderungen der Stuttgarter Gruppe des Naturschutzbundes (Nabu) und der Schutzgemeinschaft Filder. Beide waren zur Sache befragt worden – und hatten es ausdrücklich abgelehnt, dass das Datenkabel ins Naturschutzgebiet verlegt wird.

„Wir haben die Mitteilung gern zur Kenntnis genommen“, sagt Hans-Peter Kleemann, der erste Vorsitzende des Nabu Stuttgart. „Damit ist die Angelegenheit für uns erledigt.“ Er baut darauf, dass sich während des Verfahrens zur Planfeststellung eine Alternative auftut. Eine Alternative, die das Problem der Bahn löst und die das Naturschutzgebiet nicht antastet. Andernfalls ist mit Widerstand seitens der Naturschützer zu rechnen.

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