Kältebus in Stuttgart Wärme spenden in kalten Zeiten

Nachts im  Einsatz: Sandra Welsch (rechts) und ihr Team lassen Wohnsitzlose nicht allein. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt
Nachts im Einsatz: Sandra Welsch (rechts) und ihr Team lassen Wohnsitzlose nicht allein. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Von Donnerstag an Dauerfrost mit nächtlichen Tiefsttemperaturen von bis zu minus 10 Grad: Diese Wetterprognose kann für Obdachlose lebensbedrohlich werden. Der Kältebus von Stadt und Rotem Kreuz bekommt jetzt eine noch größere Bedeutung.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Peter Stolterfoht (sto)
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Stuttgart - Besonders hart trifft die vorausgesagte Kältewelle mit zweistelligen Minusgraden in den kommenden Nächten die Ärmsten der Armen. Etwa 4000 Menschen leben in Stuttgart ohne eigene Wohnung. Etwa 300 von ihnen nehmen nicht die Möglichkeit wahr, in einer Notunterkunft Unterschlupf zu finden. Sie leben auf der Straße. Und dieses Leben hat sich durch die Coronakrise deutlich verschlechtert, sind die Körper und Seele wärmenden Tagesstätten doch zum Großteil geschlossen. So bekommt ein Projekt von Stadt und Deutschem Roten Kreuz (DRK) in diesen Tagen eine noch größere Bedeutung: der Kältebus.

Der VW-Transporter ist jede Nacht zwischen 22 Uhr und 2 Uhr unterwegs, sobald das Thermometer die Null-Grad-Grenze erreicht. Los geht es an der DRK-Geschäftsstelle am Stöckach – vollbepackt. An Bord haben zwei DRK-Mitarbeiter neben Tee und Suppe warme Kleidung wie Thermounterwäsche, außerdem Decken und Schlafsäcke. Alles finanziert durch Spenden. Und weil sich im Lauf des vor acht Jahren ins Leben gerufenen Projekts gezeigt hat, dass gerade Gestricktes bei den Bedürftigen beliebt ist, bildete sich eine besondere Unterstützergruppe: Die Wooligans. „Die bringen uns säckeweise Selbstgestricktes“, berichtet die DRK-Fachbereichsleiterin Sandra Welsch.

Hotline als wichtiges Hilfsmittel

Der Kältebus fährt bekannte Obdachlosenschlafplätze im gesamten Stadtgebiet an. „Außerdem reagieren wir aktuell auf Informationen, die uns aufmerksame Bürger geben“, sagt Sandra Welsch und weist auf die entsprechende Hotline (07 11/21 95 47 76) hin. Dort kann auf Obdachlose hingewiesen werden, die möglicherweise schnelle Hilfe benötigen. „Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig angerufen“, so Welschs Motto. In einem medizinischen Notfall kommt dann der Rettungsdienst zum Einsatz.

Sehen Sie im Video eine ältere Reportage über den Kältebus in Stuttgart:

Immer wieder versucht die Kältebusbesatzung, ihre Kunden davon zu überzeugen, dass eine Übernachtung in einer städtischen Notunterkunft die bessere Entscheidung ist. Erster Anlaufpunkt ist dabei die Zentrale Winternotübernachtung, Hauptstätter Straße 150, wo ein Corona-Schnelltest durchgeführt und dem Obdachlosen ein Schlafplatz – möglicherweise in einer anderen Einrichtung – zugeteilt wird. Übernachtungsmöglichkeiten gebe es noch, weitere könnten geschaffen werden, heißt es vonseiten der Stadt.




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