Der syrische Flüchtling Moustafa Altaha engagiert sich in der Kleiderkammer Esslingen Ehrenamt ebnet den Weg in die Integration

Die 81-Jährige Kleiderkammer-Gründerin Hilde Beck und Moustafa Altaha arbeiten gut zusammen. Foto: Ulrike Rapp-Hirrlinger

Sein Engagement in der Esslinger Kleiderkammer war für Moustafa Altaha, einen jungen syrischen Geflüchteten, der Schlüssel zum Erfolg. Der 29-Jährige ist 2020 nach Esslingen gekommen und hat schon viel erreicht.

Moustafa Altaha ist 2020 als syrischer Flüchtling nach Esslingen gekommen, und der 29-Jährige hat viel erreicht. Er hat einen festen Job in seinem erlernten Beruf als Medizintechniker, eine eigene Wohnung und kann seinen Lebensunterhalt selbst bestreiten. Dass es für ihn so gut lief, verdankt er auch seinem ehrenamtlichen Engagement.

 

Das weiß kaum jemand besser als Hilde Beck. Die 81-Jährige hat vor 30 Jahren die Kleiderkammer für Geflüchtete aufgebaut, die zunächst in der ehemaligen Funkerkaserne in der Flandernstraße untergebracht war und jetzt in der Rennstraße von Beck und einem kleinen Team Ehrenamtlicher betrieben wird. Hier brachte sich auch Moustafa Altaha, der aus Aleppo stammt, mit ein.

Moustafa Altaha wollte „nicht nur rumsitzen“

Er war zunächst in einem Flüchtlingsheim in Esslingen-Weil untergebracht. Kein Deutschkurs und keine Arbeit – das war nicht sein Ding: „Ich wollte nicht nur rumsitzen, sondern die Sprache lernen und Leute kennenlernen.“

Mit ehrenamtlicher Arbeit müsste das doch gelingen, dachte er. Also erkundigte er sich bei seinem Betreuer von der Arbeiterwohlfahrt (Awo), wo er denn ehrenamtlich mit anpacken könnte. Dieser verwies ihn auf die Kleiderkammer. Dort wurde der kräftige junge Mann mit offenen Armen empfangen. „Moustafa hat gleich mit angepackt“, erzählt Hilde Beck. Er schleppte die schweren Säcke und Körbe mit Kleider- und anderen Sachspenden die Treppe hinunter ins Kellergeschoss, half beim Sortieren, betreute die Kundinnen und Kunden, die sich in der Kleiderkammer ausstaffieren wollten, beruhigte quengelige Kinder und war vor allem auch als Dolmetscher für Arabisch und Türkisch gefragt. Türkisch hatte er sich beigebracht, als er auf seiner Flucht einige Zeit in der Türkei leben musste.

Moustafa Altaha fühlte sich beim Team der Kleiderkammer gleich wohl. Vor allem aber konnte er Deutsch hören und sprechen. Inzwischen bereitet ihm die Sprache kaum noch Schwierigkeiten, das wird im Gespräch schnell klar. Sein Wortschatz ist groß und detailliert.

Stelle als Medizintechniker in Göppingen

Wegen seines tatkräftigen Engagements war das Team allzu gerne bereit, den jungen Mann seinerseits zu unterstützen. „Sie halfen mir bei Behördenschreiben und korrigierten Briefe“, erzählt er. Hilde Becks Ehemann, ein pensionierter Lehrer, las mit ihm regelmäßig die Zeitung, was für das Fortkommen in Deutsch wichtig war. Ein ehemaliger Chefarzt und Freund der Familie Beck unterstützte ihn bei der Bewerbung um Praktika in Kliniken. Geklappt hat es am Stuttgarter Marienhospital: „Das half mir sehr, denn mein Ziel war es, wieder als Medizintechniker zu arbeiten.“ Sein Studium hatte er 2017 in Syrien abgeschlossen. „Doch durch meine Flucht klaffte eine Lücke“, erzählt Moustafa Altaha. Die Awo habe ihm geholfen, dass sein Abschluss in Deutschland anerkannt wurde. Im Dezember vergangenen Jahres bekam er schließlich eine Stelle als Medizintechniker in der Klinik am Eichert in Göppingen.

Zunächst lebte Moustafa Altaha in einer Wohngemeinschaft in Esslingen. Später fand er wieder mit Unterstützung der Kleiderkammer eine Wohnung in Oberesslingen. Die brauchte er schließlich aber nicht, weil die Klinik ihm noch während der Probezeit einen Platz im Personalwohnheim anbot. Die Probezeit ist inzwischen zu Ende und nach eineinhalb Jahren kann er mit einem unbefristeten Vertrag rechnen.

Nun hofft Moustafa Altaha, bald einen Aufenthaltstitel zu bekommen: „Ich will mich weiterentwickeln – beim Deutschlernen und im Beruf.“ Gerade macht er den Führerschein. Die theoretische Prüfung hat er schon bestanden.

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