Der Tarifvertrag der Metaller Geld ist nicht alles

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Der IG Metall sind sie extrem wichtig – nun zeigt sich, dass die Schichtarbeiter vom Tarifvertrag der Metallindustrie in besonderer Weise profitieren. Zugleich geben sie der Gewerkschaft die Richtung vor, der Arbeits- und Lebensqualität eine höhere Priorität einzuräumen, meint Matthias Schiermeyer.

Die Prioritäten in der Arbeitswelt verändern sich. Foto: dpa
Die Prioritäten in der Arbeitswelt verändern sich. Foto: dpa

Stuttgart - Nach dem großen Jubel, mit dem Arbeitgeber und Gewerkschaften Anfang Februar den Stuttgarter Tarifabschluss bedacht haben, ist in der Metall- und Elektroindustrie rasch der nüchterne Alltag eingekehrt. Es war auch nicht zu erwarten, dass das Tarifwerk sogleich „zum Fliegen kommt“, wie es seinerzeit hieß. Es ist so vielfältig und komplex, dass beide Seiten wie nie zuvor Mühe hatten, die jeweiligen Vor- und Nachteile ihren Mitgliedern darzustellen. Somit braucht es vielleicht Jahre, bis der Tarifvertrag die betriebliche Wirklichkeit nachhaltig prägt.

Da tun sich personelle Lücken auf

Wenn er es überhaupt tut: Die Unternehmen zum Beispiel mögen das eine oder andere Instrument herausgreifen, werden ihre Arbeitsbedingungen aber nicht völlig umkrempeln wollen. Dafür herrscht abseits tarifpolitischer Aufgeregtheiten in den Betrieben zu viel Pragmatismus vor.

Eines lässt sich allerdings schon feststellen: Für ihre Kernklientel, die Schichtarbeiter, hat die IG Metall etwas erreicht. Das Angebot von acht zusätzlichen freien Tagen anstelle des „tariflichen Zusatzgelds“ wird gut angenommen. Mehr Lohn ist für die Betroffenen demzufolge nicht alles. Dass die IG Metall für diese Beschäftigtengruppe einen noch viel üppigeren Zuschuss herausholen wollte, um ihr die freien Tage schmackhaft zu machen, erweist sich im Nachhinein als unnötig. Für die Unternehmen wäre er umso teurer geworden. Jetzt müssen sie „nur noch“ die personellen Lücken in der Schichtarbeit stopfen, was angesichts des Fachkräftemangels zu einer echten Herausforderung wird. Wenn dadurch etwa Leiharbeit gefördert würde, wäre dies kontraproduktiv.

Geringeres Echo auf „verkürzte Vollzeit“

Nicht so viel Resonanz ruft bis jetzt die „verkürzte Vollzeit“ – also die befristete Verringerung auf 28 Wochenstunden – hervor. Dennoch liegt diese Regelung ebenso im gesellschaftlichen Trend einer besseren Vereinbarkeit von Arbeit und Leben, wie ja auch das Brückenteilzeit-Gesetz zeigt. Die Prioritäten der Beschäftigten verändern sich. Und ausgerechnet die Schichtarbeiter bestätigen die IG Metall darin, der Arbeits- und Lebensqualität künftig eine noch höhere Priorität einzuräumen, anstatt immer nur die Löhne nach oben zu treiben.

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