Der unendliche Flughafen BER Fehler und Schuldige

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Der Ausschuss wühlt in der Vergangenheit, versucht aufzuarbeiten, Fehler und Schuldige zu finden, damit am Ende irgendetwas Gutes aus dem Desaster entstehen kann. Aber irgendwie erinnert das alles an die riesige Baustelle draußen vor der großen Stadt. Man buddelt und buddelt. Und irgendwo tauchen dann immer mal wieder die losen Enden irgendwelcher Kabel auf. Am Ende sitzt man da und fragt sich: Was machen wir nun damit? „Es gibt Tage“, sagt Martin Delius, „an denen rege ich mich richtig auf. Als Bürger.“

Der Flughafen, sagt Delius, sei so teuer, dass er alles betreffe, was in dieser Stadt sonst noch entschieden werde. Delius kümmert sich eigentlich um Bildungspolitik, er kennt sich aus mit verschimmelten Berliner Schulklos und damit, wie viel Lehrer, Sozialarbeiter, Ganztagsbetreuung und Schulessen die Kinder dieser Stadt brauchen könnten, wollte man ihnen eine wirklich gute Startbahn ins Leben bauen.

Und wenn Delius darüber nachdenkt, dann kann er sich in Rage reden. Über Basta-Manager wie Mehdorn. Über Bürgermeister und ihre Denkmäler. Und über Strukturfragen: „Dieses System ist idiotisch“, sagt Delius. „Es hängt völlig davon ab, wie verantwortungsbewusst Einzelne handeln.“

Die Eröffnung ist nach wie vor völlig in der Schwebe. Foto: dpa-Zentralbild

Delius ist Physiker, er denkt in Systemen. Und in diesem hier entdeckt er Ungeheuerliches. Denn: Die Art und Weise, wie in Deutschland Großprojekte geplant, gebaut und kontrolliert werden, hätte zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen führen können – je nachdem, welcher der Protagonisten wie agiert.

Wowereit hört weg

Es hätte also zum Beispiel genauso gut passieren können, dass der BER einfach im Juni 2012 eröffnet worden wäre. Hätte der verantwortliche Landrat im Kreis Dahme-Spree sich nicht märkisch-stur quer gestellt, hätte er einfach zugestimmt, dann würden heute die Flugzeuge fliegen. Das wäre denkbar gewesen. Es sind schon Flughäfen ohne funktionierenden Brandschutz in Betrieb gegangen. Andererseits hätte es genauso gut passieren können, dass dieser Flughafen nie gebaut worden wäre. „Wenn Wowereit das Ding nicht zur Chefsache gemacht hätte, gäbe es den BER vielleicht heute nicht“, sagt Delius. Man hätte einen anderen Standort gesucht, die Pläne umgeworfen, sich den Lärmschutzüberlegungen unterworfen.

Bloß: das alles interessiert niemanden. Ein paar Tage später tagt das Parlament. Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister, selbst ernannter spiritus rector des Flughafens, Ex – und inzwischen Wieder-Aufsichtsratschef, sitzt auf der Regierungsbank ganz vorne rechts. Wowereit schaut auf sein Buchenfurniertischchen, die Hände liegen platt ausgebreitet links und rechts neben ein paar Blatt Papier. Der Regierende hört weg.