München - Eine Frage, zwei Antworten. „Darf die katholische Kirche homosexuelle Partnerschaften segnen?“ Das wollte der Limburger Bischof Georg Bätzing von 38 Theologinnen und Theologen wissen. 32 antworteten mit Ja. „Darf die Kirche homosexuelle Partnerschaften segnen?“ fragte die vatikanische Glaubenskongregation sich selbst – und antwortet mit einem klaren: Nein. Mehr Gegensatz lässt sich nicht denken. In dem Schreiben, das Anfang dieser Woche veröffentlicht wurde, greift Rom gar zu jener Formulierung, die Papst Johannes Paul II. beim Verbot der Frauenpriesterweihe 1994 gebraucht hat: Die Kirche habe dazu „keine Vollmacht“. Will in fast schon dogmatischer Weise sagen: Evangelium und Lehre geben das niemals her. Schluss der Debatte.
Nun macht man in Deutschland allzu häufig den Fehler, römische Äußerungen auf die eigenen Verhältnisse zu beziehen – was eine Überheblichkeit darstellt, denn die katholische Kirche ist sehr viel größer. Diesmal aber liegt der Zusammenhang klar zutage: In Deutschland haben sich Bischöfe und Laienverbände auf einen Synodalen Weg zur Kirchenreform begeben, der in der ganzen katholischen Welt aufmerksam beobachtet wird: mit Hoffnung und Skepsis, Neid und Feindschaft.
Zwischendurch so freundlich wie nie
Zu den nicht nur deutschen Anliegen gehören Reformen bei der Sexualmoral, das Zugehen auf Menschen, deren Lebenssituation katholischerseits als „irregulär“ gilt, die sich aber – worüber die Kirche ja froh sein müsste – gläubig und ernsthaft um seelsorgerliche Begleitung bemühen. Wenn Rom die Segnung homosexueller Paare verbietet, bremst es den Synodalen Weg in einem symbolkräftigen Bereich aus. Wer die Limburger Experten-Umfrage kontert, trifft Deutschlands Kirche als ganze, denn Bischof Bätzing ist Chef der Bischofskonferenz. Nimmt man andere römische Signale hinzu, kommt man zum Ergebnis: das deutsche Reformprojekt ist erledigt.
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Dabei redet das neue Vatikan-Dokument von Homosexuellen so freundlich wie keines vor ihm. Die Glaubenshüter setzen sich sogar über die Welt-Bischofssynode von 2014 hinweg. Diese stimmte einen Beschlussvorschlag nieder, in dem jene „gegenseitige Unterstützung bis hin zur Aufopferung“ anerkannt werden sollte, die – auch – bei gleichgeschlechtlichen Paaren existiere. Dass es dort „positive Elemente“ geben könnte, „die zu schätzen und hervorzuheben sind“, hat jetzt mit dem aktuellen Schreiben aus Rom Eingang in die katholische Lehre gefunden.
Die bleibende Sünde
Aber: von seiner fixen Idee, homosexuelle Partnerschaften dienten allein dazu, sexuelle Akte moralisch zu legitimieren, kommt der Vatikan einfach nicht los – und auch davon nicht, dass eine Zweierbeziehung in leiblicher Hinsicht fruchtbar sein müsse. Weil das bei homosexuellen Partnerschaften so ja nicht geht, ist für Rom eine solche Paarung auch „nicht hingeordnet auf die in die Schöpfung eingeschriebenen Pläne Gottes.“ Eine solche „Sünde“ dürfe den kirchlichen Segen nicht bekommen.
Dass die Kirche damit aber auch den Begriff der klassischen Ehe von Mann und Frau, die sie so machtvoll vor neuen Formen schützen will, extrem verengt, fällt im Vatikan nicht auf. Dient die Ehe doch wieder nur der Legitimation des Trieblebens? Ist ihr Zweck allein das Kinderkriegen? Und was ist mit Liebe, mit lebenslanger Treue, mit gegenseitiger Bereicherung – auch wenn es körperlich nicht klappt?
Papst Franziskus hat beim Amtsantritt vor acht Jahren andere Signale gesetzt – oder sich zumindest deren hoffnungsfroher Deutung nicht verwehrt. Immer stärker zeigt sich, und das sagt er auch: Die Lehre als solche will er nicht antasten. Und wenn ein anderer versucht voranzugehen, dann wird verboten. Wie immer schon in Rom.
paul.kreiner@stzn.de