Der VfB Stuttgart baut auf seine Erfahrung Wie Routine und Talent zusammenwirken

Von Dirk Preiß 

Gonzalo Castro, Christian Gentner, Mario Gomez – und viele andere mehr. Der Kader des VfB Stuttgart steckt voller Bundesliga-Erfahrung. Aus gutem Grund, wie Sportchef Michael Reschke erklärt.

Nur einer hat beim VfB Stuttgart mehr Bundesligaspiele Foto: Baumann 19 Bilder
Nur einer hat beim VfB Stuttgart mehr Bundesligaspiele Foto: Baumann

Stuttgart - Platz sieben belegte der VfB Stuttgart am Ende der vergangenen Saison – und auch in einer anderen Rangliste ist dieser Rang eng mit dem Club verbunden. Es geht um die Rekordspieler der Fußball-Bundesliga – und um Eike Immel. 534 Spiele (287 für den VfB) hat der Torhüter im Fußball-Oberhaus einst bestritten, damit ist klar: Es wird für Gonzalo Castro und Christian Gentner schwer, diese Marke noch zu knacken. Weshalb ein Blick auf zwei andere Statistiken lohnt.

In der Liste der noch aktiven Profis ist Castro, der Neuzugang des VfB, mit seinen aktuell 358 Bundesligaeinsätzen Zweiter hinter dem Bremer Claudio Pizarro (446). Christian Gentner (348) folgt hinter dem Schalker Naldo (351) auf Platz vier. Und wer nach dem Kader mit der meisten Erfahrung in der Bundesliga Ausschau hält, findet den VfB auch hier nicht auf Platz sieben, wo er sich sportlich einsortierte.

Der BVB folgt dem FC Bayern – mit Abstand

Der FC Bayern thront an der Spitze, die Akteure der Münchner kommen zusammen auf 3973 Spiele. Es folgen Borussia Dortmund (2490), Borussia Mönchengladbach (2482) – und der VfB (2385). Rang vier also, Spitzengruppe, Champions-League-Rang – und die Frage: Welche Aussagekraft hat dies für die neue Saison?

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„Erfahrung ist ein wesentlicher Faktor“, sagt Michael Reschke – und handelt nach diesem Leitsatz. Der Sportvorstand hat seit seinem Amtsantritt beim VfB vor rund einem Jahr dem Stuttgarter Kader in Dennis Aogo (242), Andreas Beck (266), Mario Gomez (297) und nun Gonzalo Castro viel Routine zugeführt, weil er davon überzeugt ist, dass die Erfahrung dieser Spieler der Mannschaft viel Sicherheit gibt. „In der vergangenen Saison haben uns Dennis Aogo und Andreas Beck schon in der Hinrunde extrem weitergeholfen und somit ganz wesentlichen Anteil am Klassenverbleib. In entscheidenden Situationen haben sie der Mannschaft wichtige Stabilität verliehen.“ Zudem braucht er die Routiniers, um Teil zwei seiner Transferstrategie abzusichern.

Neben Routine gehört auch Jugendlichkeit in den Kader

„Es geht natürlich immer um eine sinnvolle Ausgewogenheit im Kader“, sagt Reschke nämlich ebenso – und hat in Santiago Ascacibar, Erik Thommy, Pablo Maffeo, Borna Sosa, David Kopacz und Nicolas Gonzalez auch hoffnungsvolle Talente nach Stuttgart gelockt. Und „junge Spieler“, erklärt der Sportchef des VfB, „müssen geführt werden“. Von Spielern, die nicht bei jedem lauen Lüftchen einknicken.

„In Phasen, in denen es nicht läuft, bewahren die erfahrenen Spieler deutlich eher die Ruhe und lassen sich auch von kritischen Tabellensituationen nicht so schnell verrückt machen“, sagt Reschke, „und in guten Phasen behalten sie auch eher die Bodenhaftung und lassen sich nicht so sehr von übertriebener Euphorie leiten.“ Als Beispiel nennt er Mario Gomez: „Er wurde schon enthusiastisch gefeiert und auch schon verflucht. Er lässt sich auch durch extreme Stimmungsschwankungen im Umfeld nicht mehr aus der Bahn werfen.“ Gleiches gelte für Gonzalo Castro.

Reschke lobt Castro

Weil der frühere Leverkusener und Dortmunder bereits 31 Jahre alt ist, konnten nicht alle Beobachter dessen Verpflichtung (mit einem Dreijahresvertrag) nachvollziehen. Michael Reschke aber zählt gerne die Vorzüge des Mittelfeldspielers auf, dem er wie seinen anderen Routiniers nicht nur Erfahrung, sondern auch über Jahre nachgewiesene Leistungsbereitschaft attestiert.

„Seit dem Jahr 2000 war kein Spieler bei seinem 300. Bundesligaspiel jünger“, bemüht Reschke die Statistik und ergänzt: „Er hat seine 358 Ligaspiele als Stammspieler für den BVB und Bayer Leverkusen absolviert und in diesen Clubs auch eine Menge internationale Erfahrung gesammelt. Das alles spricht absolut für ihn.“ Der 31-Jährige berichtet seinerseits von seiner „Erfahrung auf höchstem Niveau“, die er nun „als Führungsspieler einbringen“ will. Damit es was wird mit einer weiteren Fortentwicklung des VfB Stuttgart.

Zum Beispiel in Richtung Platz vier.